Archiv für 4. September 2012
Rezension zu “Nullzeit” von Juli Zeh
04. Sep
Als meisterhaft konstruierter Psychothriller in der Tradition von Patricia Highsmith ist der neue Roman der Schriftstellerin Juli Zeh angekündigt. Und er kann diesem Vergleich durchaus standhalten. Obwohl er mehr ist als nur ein Psychothriller.
Immer wieder verknüpft Juli Zeh Kommentare über gesellschaftliche und literarische Phänomene in ihre Handlung. Ihre Hauptfigur Sven ist so etwas wie eine Blaupause für ihre Kritik an diversen Rückzugstendenzen von immer mehr Menschen aus den Problemen der heutigen globalisierten Gesellschaft.
Denn Sven ist nach einer für ihn traumatischen Erfahrungen im Jura -Examen auf eine spanische Vulkaninsel im Atlantik ausgewandert und hat dort zusammen mit Antje, einer Freundin, die er nicht wirklich liebt, eine Tauchschule eröffnet. Er will von dem gesellschaftlichen “Krieg” in Deutschland nichts mehr wissen und gefällt sich darin, keinen Menschen mehr und auch kein Geschehen zu “bewerten”. Er hält sich raus. Doch Juli Zeh zeigt durchaus auch Verständnis für ihn. An einer Stelle in der Mitte des Buches, das Paar aus Deutschland, das für 14 Tage Sven für einen Rund-um-die-Uhr Tauchaufenthalt gebucht hatte (14.000 Euro Honorar!) ist schon ein paar Tage auf der Insel und hat das Leben von Sven schon gehörig durcheinandergebracht, da lässt sie ihn nachdenken…




