Im Interview mit Kristina Günak über die Liebe in der Fantasie

cover-kristina_guenakKristina Günak ist leidenschaftliche Autorin von Fantasy-Romanen. Unter dem Pseudonym Kristina Steffan schreibt sie jedoch auch erfolgreiche Liebesromane. Um die Verwirrung also zu komplettieren, handelt ihr neuester Fantasy-Roman “Die Seelenleserin” von einer wagemutigen Aufgabe, in der ein gefallener Engel die Seelenleserin vor dem Bösen beschützen soll. Allerdings spielt auch hierbei die Liebe erneut die Hauptrolle.

Susann Haring sprach mit Kristina Günak über das Fantastische und die Liebe in ihren Geschichten.

Frau Günak, Sie schreiben Fantasy-Bücher, aber unter dem Pseudonym Kristina Steffan auch erfolgreiche Liebesromane. Welches Genre fesselt Sie mehr, welches macht mehr Spaß?

„Ich schreibe und lese beides extrem gerne. Um die Verwirrung noch zu komplettieren, schreibe ich jetzt auch noch unter Kristina Günak Frauenromane. Letztendlich geht es aber doch immer um die Liebe, in jedem Genre spielt sie die unangefochtene Hauptrolle. Und seien wir ehrlich: Die große, absolute Liebe kann ziemlich magisch sein, egal in welchem Genre sie auftaucht.“

Der Engel Sam ist ein Typ, der Frauen ins Schwärmen bringt: ein cooler Rocker in schwarzen Lederklamotten, aber auch mit viel Verantwortungsbewusstsein – eben eine harte Schale über einem weichen Kern. Eigentlich gar nicht so, wie man sich einen Engel vorstellt …

„Er ist ja auch keiner mehr. Und mit den pausbäckigen, blondgelockten Himmelswesen, die gerne weiß tragen und beständig milde lächeln, haben die Engel in meinem Buch absolut keine Gemeinsamkeiten. Allerdings war Sam wohl schon immer ein wenig anders, nicht umsonst musste er den Himmel verlassen. Oder wie er sich ausdrückt: Er ist absolut freiwillig gegangen. Das ist ja eine Tatsache, die er sehr oft betont, also ist sie ihm wichtig. Er würde sich auch einfach gern aus allem heraushalten, schafft das aber leider nicht. Oder zum Glück, sonst würde es dieses Buch nicht geben. Aber da greift seine jahrhundertelange Konditionierung: Wenn jemand in Not ist, rettet er ihn.“

Sie verleihen aber nicht nur Sam, sondern auch Argesai, dem Bösen, einen privaten Hintergrund – Familien, Gefühle. Dadurch werden beide zu sehr greifbaren, nachvollziehbaren Figuren, was die Unterteilung in Schwarz und Weiß erschwert. Sam ist nicht nur gut, und Argesai ist – vielleicht – nicht nur böse?

„Ja, das ist ein bisschen gemein, schließlich ist es durchaus angenehm, Figuren schnell in Schubladen stecken zu können. Da hocken sie dann das ganze Buch über und kommen nicht mehr raus. Aber unsere, und somit auch Samuels Welt, ist ja meistens nicht schwarz oder weiß.

Wir glauben oft, auf den ersten Blick zu erkennen, ob das, was jemand tut, gut oder schlecht ist. Manchmal scheint das einfach, oft ist es das aber nicht. Denn auf den zweiten Blick entdeckt man vielleicht einen ganz anderen Kern der Sache, einen Beweggrund, den wir uns nicht haben vorstellen können.

Keine Figur ist einfach nur gut oder böse, sie hat einen Hintergrund, aus dem heraus sie sich entwickelt. Wenn meinen Lesern es dann schwer fällt, den vermeintlich „bösen“ wirklich abzulehnen, umso besser.“

Auch Ihre “Elionore Brevent”-Romane drehen sich um eine Hexe. Die Figurenbandbreite für Fantasy-Romane ist ja aber sehr viel größer. Warum schreiben Sie gern über Hexen?

„Ach, die liegen mir einfach. Ich mag starke Frauenfiguren, und Magie ist im Allgemeinen eine großartige Angelegenheit. Manchmal vereinfacht sie das Schreiben auch ungemein. Die Dinge brauchen zwar eine interne Logik, die muss aber nicht zwingend an unserer Welt orientiert sein.

In meinen Fantasy Romanen, die ich mit dem Label ,Magic Chick‘ versehen habe, spielt natürlich das übliche Fantasy-Personal mit. Da wäre also ein wunderbarer Wer-Jaguar, ein Vampir mit einer Hexe als Mutter, ein gefallener Engel, ein Engel, der freiwillig gekündigt hat, ein ganzes Wer-Rudel und natürlich meine Erdhexe und Immobilen-Maklerin Elionore Brevent – sie ist mächtig, kann die Welt beeinflussen und verändern und hadert doch jeden Morgen damit, dass sie zu müde zum Aufstehen ist, ihren Autoschlüssel verlegt hat oder nicht weiß, was sie anziehen soll.“

Als sich das Tor zur Finsternis ausgerechnet in Berlin vor dem Bundestag öffnet, musste ich schmunzeln. Gibt es einen Grund, warum Sie den Eingang zur Unterwelt ausgerechnet vor unser Parlament legten?

„Also, wie das passieren konnte, entzieht sich meiner Kenntnis. Samuel ist im Manuskript in höchster Eile losgezogen und genau dort gelandet. Es ehrt mich, dass viele Menschen glauben, ich hätte immer und zu jeder Zeit mein Manuskript und somit den Fortgang meiner Geschichten im Griff. Ich verrate Ihnen an dieser Stelle: Dem ist nicht so! Meine Geschichten entwickeln sich und ich finde vieles, was meine Figuren dann tun, ausgesprochen schlüssig. So auch hier.“

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