Interview mit Jockel Tschiersch zu seinem neuem Buch “Grüner wird’s nicht”

Gespräch mit Jockel Tschiersch, Hauptdarsteller Elmar Wepper und Regisseur Florian Gallenberger

Herr Tschiersch, Wie sind Sie auf die Idee zu dem Roman gekommen?
Jockel Tschiersch: Die Idee, eine Art Roadmovie mit einem Flugzeug zu schreiben, war bei mir als Flieger eigentlich nur eine Frage der Zeit. Wenn man im Flugzeug sitzt und nicht gerade um schlechtes Wetter herumnavigiert, dann fallen einem oft Geschichten ein.

Und warum ausgerechnet ein fliegender Gärtner, haben Sie selbst einen grünen Daumen?
Jockel Tschiersch: Ich habe sogar zwei grüne Daumen, aber zwei linke… Ich hab einfach eine Figur gesucht, die verschlossen ist und der es schwer fällt, sich gegenüber der Welt zu äußern. Im Roman züchtet Schorsch Rosen, er spricht mit keinem. Für die Recherche habe ich einen alten Schulfreund besucht, der sein ganzes Leben lang als Gärtner gearbeitet hat. Ich habe ihm einfach intensiv beim Arbeiten zugeguckt.

Herr Wepper, wie ist Ihr Blick auf Schorsch?

Elmar Wepper: Er ist eigenbrötlerisch, wortkarg, maulfaul. Er hat sich in ein Schneckenhaus zurückgezogen und sich alle Träume abgeschminkt.

Jockel Tschiersch: Der Schorsch hat Schwierigkeiten, sich gegenüber anderen Menschen zu öffnen. Er frisst eher die Probleme in sich hinein. Und arbeitet lieber, als dass er redet. Die Pflanzen wachsen ja auch nicht vom Daherreden, da muss man was tun. Und so ist er eben auch.

Elmar Wepper: Er hat aber einen sehr menschlichen Kern und das kommt im Laufe der Geschichte vor allem durch die Begegnung mit Philomena heraus, die selber große Schwierigkeiten hat. Er spürt, dass sie sehr einsam ist. Er ist auch sehr einsam, hat mit vielen Dingen im Leben schon abgeschlossen, und so entsteht eine Nähe zwischen den Beiden. Die Reise ist auch eine Reise in sein Inneres. Das was er erlebt, verändert ihn. Plötzlich sieht er eine Chance, wieder glücklich zu sein und ins Leben zurückzukehren.

Herr Gallenberger, was war die Herausforderung in der Adaption des Romans?
Florian Gallenberger: Ein Film hat natürlich einen anderen dramaturgischen Bogen als ein Roman und so war die erste wichtige Aufgabe, die Geschichte dementsprechend zu strukturieren. Im Film hat man am Anfang einer Geschichte nur relativ wenig Zeit, die Hauptfigur so einzuführen, dass der Zuschauer sich mit ihr identifiziert. Das ist vor allem bei einer mürrischen Hauptfigur wie dem Schorsch nicht ganz einfach. Aber da kommt dann eben auch Elmar ins Spiel, denn man weiß, dass bei ihm selbst unter der griesgrämigsten Fassade ein liebenswerter Kern steckt.

Könnten Sie sich vorstellen, von eben auf jetzt abzuhauen und alles hinter sich zu lassen?
Elmar Wepper: Wenn ich mir die Situation anschaue, in der Schorsch steckt – er lebt mit seiner Frau aneinander vorbei, hat weder Kraft noch Mut, daran etwas zu ändern, dazu die Geldsorgen mit dem Geschäft – dann kann ich das schon nachvollziehen.

Jockel Tschiersch: Wenn ich abhaute, dann würde ich meiner Frau schon einen Zettel hinlegen und schreiben ,Bin noch mal weg’… Aber im Ernst, ich denke, dass mir das Schreiben hilft, immer mal wieder meinem Alltag zu entfliehen. Aber der Schorsch würde keinen Roman schreiben und auch nicht schauspielern. Der ist gefangen in seinem Hier und Jetzt. Deswegen muss er ja immer mal wieder raus mit seinem Doppeldecker, ohne Abwechslung hält man ein Leben nicht aus.

Florian Gallenberger: Ich glaube, die Fantasie, mit einem Schlag alles hinter sich zu lassen und abzuhauen, kennt wohl jeder. Ich persönlich fühle mich aber zu vielen Menschen und Dingen zu sehr verbunden, um einfach so zu verschwinden. Da verabschiede ich mich lieber immer mal wieder in die Geschichte des einen oder anderen Films und komme dann nach einiger Zeit glücklich wieder in mein normales Leben zurück.

Haben Sie noch einen großen Lebenstraum, den Sie sich erfüllen möchten? Was wäre Ihre Reise?
Florian Gallenberger: Ich habe keinen vorformulierten Lebenstraum, den ich erreichen oder mir erfüllen möchte. Ich glaube, die entscheidende Reise, auf der wir uns alle – jeder auf seine Art – befinden, ist die Reise zu uns selbst, wirklich derjenige zu werden, der wir sind. Diese innere Reise hört vermutlich niemals auf, doch äußere Reisen und Begegnungen mit anderen Menschen und Kulturen können dabei eine wichtige Inspiration und Hilfestellung sein. Ich hoffe einfach, dass ich diesen Weg weiter gehe, mich nicht zur Ruhe setze, weiter empfänglich bleibe für das, was kommt und so dem Leben die Türe offen halte, damit es mich innerlich wie äußerlich immer wieder fortträgt.

Jockel Tschiersch: Ich habe in meinem Leben das Glück gehabt, dass ich schon ganz schön viele Träume verwirklicht habe. Und damit meine ich jetzt nicht Geld oder Autos, Wohnungen oder Häuser, sondern Dinge, die ich erlebt habe. Es gibt aber schon noch einen Traum: Ich würde gerne mit meiner ganzen Familie einmal quer durch die Vereinigten Staaten fliegen, mit meinem Flieger, und dann von Amerika wieder zurück nach Berlin über Grönland, Island, Schottland, England, Frankreich und direkt landen auf dem Flughafen Tegel! Der neue Berliner Flughafen wird bis dahin bestimmt noch immer nicht offen sein…

Elmar Wepper: Bei mir ist es weniger ein Traum, als ein Prozess: Ich versuche, mit dem Älterwerden sorgsamer mit meiner Zeit zu sein und sehr achtsam mit den Menschen umzugehen, die mir am Herzen liegen und die gemeinsame Zeit mit ihnen bewusst aufzunehmen. Das können auch kleine Dinge sein. Wenn ich zum Beispiel mit meiner Frau und unserem Hund spazieren gehe und wir über die unterschiedlichsten Dinge reden. Freiheit ist für mich, wenn ich über meine Zeit frei verfügen kann.

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