Rezension zu Gregor Webers Thriller “Asphaltseele”

cover-gregor-weber-rezensionMit Asphaltseele präsentiert Gregor Weber bereits seinen dritten Kriminalthriller – wieder mit Erfolg. Gregor Weber ist  aber nicht nur Schriftsteller, sondern ebenso erfolgreicher Schauspieler. Vor allem ist er uns als Hauptkommissar Stefan Deininger im “Tatort” bekannt. Nach seinem Bestseller über das Geschehen in deutschen Profiküchen (“Kochen ist Krieg“) legte er mit “Feindberührung” seinen ersten Kriminalroman vor. Jeder Roman mit anderem Inhalt und anderen Ermittlern, nur eins ist beständig: Webers persönliche militärische Ausbildung wird in jedem seiner Romane thematisiert. Auch sein neu geschaffener Protagonist in seinem neuesten Thriller Asphaltseele, hat eine militärische Vergangenheit, die gleichzeitig für die Handlung des Buches eine Schlüsselfunktion erfüllt.

Während eines privaten Besuchs im Rotlichtmilieu im Bahnhofsviertel von Frankfurt, gerät der Kriminalkommissar Ruben Rubeck zufällig in eine Schießerei, wobei er einen Mann niederstreckt. Unmittelbar nach diesem Vorfall wird er von der Polizei vernommen und auch für den nächsten Tag auf das Revier zitiert, um seine Aussage noch einmal im nüchternen Zustand zu bestätigen. Zu seiner großen Verwunderung, taucht dort neben seinen Kollegen, auch ein gestriegelter Mann im Anzug vom LKA auf, der der Befragung persönlich beiwohnen möchte, was eher unüblich ist. Später erfährt Rubeck von der “LKA-Kante” (wie er ihn liebevoll getauft hat) persönlich, auf wen der Kommissar eigentlich geschossen hat: Der kosovarische Gangsterboss Palokaj, der wegen krimineller Machenschaften nach Deutschland gekommen ist. Da er unter falscher Identität agiert und seine wahre Identität für tot gehalten wird, bleibt der Polizei nichts Anderes übrig, als darauf zu warten, dass der Kosovo-Albaner einen schweren Fehler begeht. Aus diesem Grund beauftragt die LKA-Kante Rubeck mit dem Auftrag, zu Palokajs Bodyquard – besser noch, zu seinem Schatten zu werden, denn nicht nur die Kriminalpolizei kennt Palokajs Vorgeschichte und will diesen aus dem Weg räumen. Die Folgen dieser Entscheidung bekommt Rubeck schnell zu spüren: Bedrohliche Lebenssituationen, eine Verfolgungsjagd und Zivilisten in Gefahrensituationen. Obwohl er sich dadurch endlich wieder lebendig fühlt, ist er dennoch ein Gesetzeshüter, der die Regeln einzuhalten hat. Kein Wunder also, dass sein Chef absolut nicht glücklich mit der Situation ist und Rubecks Entscheidungen nur widerwillig akzeptiert.

Im Mittelpunkt des gesamten Kriminalthrillers steht der 47-jährige Kriminalkommissar Ruben Rubeck, ein desinteressierter, hartgesottener, von seiner Frau geschiedener Asphaltbeißer mit Soldatenausbildung. Früher war er bei der Fahndungspolizei – also ein Profi, aber mittlerweile ist kein Jagdinstinkt mehr vorhanden, was auch der Grund für seinen niederen Dienstgrad ist, obwohl er bereits seit 15 Jahren bei der Polizei arbeitet. Hinzu kommt, dass er auch rund um die Uhr daran arbeitet, seinen Körper zu Grunde zu richten: Er raucht wie ein Schornstein und säuft wie ein Loch – früher war er Boxer, heute ist das höchste der Gefühle ein Sprint im Monat, damit die Wampe nicht noch breiter wird. Rubeck wirkt unsympathisch, wie eine Person, der man erst einmal lieber aus dem Weg gehen möchte, aber dies lässt der Autor nicht zu: Die Gedankenwelt und die ganz eigene Persönlichkeit Rubecks begleitet den Leser durch das gesamte Buch, bis man anfängt, den ruppigen Bullen kennen zulernen, ihn verstehen lernt und letztlich sogar durchaus sympathisch findet, denn Rubeck ist tatsächlich einer von den Guten!

Grund für die Nähe zum Kriminalkommissar ist die Ich-Perspektive, dessen Stil das Buch wie ein roter Faden durchzieht. Ein weiterer positiver Nebeneffekt ist, dass die individuelle sowie persönliche Erzählweise dafür sorgt, in die Story des Thrillers hineingezogen zu werden. Gregor Weber schafft es, mit wenigen Worten des Kommissars, Bilder im Kopf zu erzeugen, die die Umgebung völlig plastisch wirken lassen. Die direkte Rede der handelnden Figuren sind überwiegend im Frankfurter-Slang geschrieben. Die sorgt zusätzlich für Atmosphäre.

Nichtsdestotrotz wirkt die Einordnung von Asphaltseele als Thriller über weite Strecken der Handlung deplatziert. Ich hatte vorerst das Gefühl, dass sich keine richtige Spannung über die Handlung des Romans hinweg aufbauen wollte, dabei bietet die Story durchaus potenzial. Anstatt den Bogen bis zum Zerbersten zu spannen, wird dieser eher flach gehalten, indem das actionreiche und durchaus interessante Szenario mit viel Humor und Sarkasmus heruntergespielt wird. Dann ist mir jedoch aufgefallen, dass das an der ganz persönlichen Art von Ruben Rubeck liegt, denn mit seiner abgeklärten Art, hat er tatsächlich jede Situation im Griff, obwohl seine Einfälle alles andere als sicher und Regelwerk konform sind. Er ist dennoch ein Profi. Ich bin sehr beeindruckt davon, wie dimensionsreich die Figur des Kriminalkommissars gestaltet ist, sodass sie sich auf die ganze Leseart des Buches auswirkt. Rubeck hat einfach die Kontrolle über jede Situation, egal wie gefährlich oder undurchsichtig sie auch ist, bis dann am Ende die große Wendung kommt, wo auch dem völlig ruhigen und abgeklärten Kommissar die Situation gänzlich aus den Händen gleitet. Denn Weber kommt mit einem Finale daher, das mir wirklich Gänsehaut verschaffte. Diese Wendung war absolut unvorhergesehen und unerwartet, sodass mir nach Beenden des Buches erst klar geworden ist, dass sich der Spannungsbogen des Thrillers wie eine Welle über die Strecken der Handlung aufgebäumt hat, die erst am Ende zusammengebrochen und über alles hinweg geschwemmt ist.

Mit Asphaltseele ist Gregor Weber ein wirklich fantastischer Thriller gelungen, der seinen wahren Charakter erst auf den zweiten Blick entblößt. Sein Protagonist bewegt sich während der gesamten Handlung auf einem so schmalen Grad zwischen knappen Witzen und actionreichen Szenen, dass das eBook nur an Facettenreichtum gewinnt. Ich muss sagen, dass ich Ruben Rubeck zum Ende des Buches wirklich ins Herz geschlossen habe. Mit ihm ist das Fundament für eine ganze Reihe an Kriminalfällen für Ruben Rubeck gelegt. Ich würde mir wünschen, dass es einen weiteren Fall für ihn gibt.

“Asphaltseele” im eBook.de Shop downloaden.

© Random House / Sebastian Weidenbach

© Random House / Sebastian Weidenbach

Über den Autoren

Gregor Weber, geboren 1968 in Saarbrücken, ist Schauspieler und vor allem als Hauptkommissar Stefan Deininger im „Tatort“ bekannt. Außerdem ist er Stabsunteroffizier der Reserve. Er lebt mit seiner Frau Tanja Weber und zwei Kindern in einem Doppelautorenhaushalt in der Nähe von München.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.