„Vertrauen und Betrug sind das Zentrum psychischer Spannung“: Im Gespräch mit JP Delaney

„Vertrauen und Betrug sind das Zentrum psychischer Spannung“, das sei der Grund, weshalb Psychothriller derzeit so verschlungen werden, ist sich JP Delaney sicher. Es geht einfach darum herauszufinden, ob wir dem Schriftsteller die Geschichte abkaufen und wie viel wahres tatsächlich in diesen Stories steckt. In JP Delaneys Thriller „The Girl Before“ geht es insbesondere um eine Frau, die ziemlich durchschnittlich ist – so, dass sich jede Leserin mit ihr identifizieren kann. Genau dieses psychologische Muster der Identifikation lässt einem einen kalten Schauer über den Rücken jagen – und der Slogan „Sie war wie du. Und jetzt ist sie tot“, welchen der Autor für seinen Thriller verwendet, trifft genau diesen Punkt. Im Gespräch nennt er uns die Details, die hinter der Geschichte stecken.

 

 

Wenn Sie neue Leute kennenlernen, fragen Sie sich dann oft, was deren dunkelste Geheimnisse sind?

Immer – aber noch viel häufiger frage ich mich, ob sie meine herausfinden!

Vertrauen Sie der Version einer Geschichte oder einem Erlebnis, die Ihnen jemand erzählt?
Ich glaube, dass genau das der Grund dafür ist, warum Psychothriller aktuell so beliebt sind – es geht darum, ob wir dem trauen können, was uns erzählt wird. Und das ist sehr aktuell – egal, ob wir uns nun fragen, wie viele der Facebook-Feeds unserer Freunde »aufbereitet« sind, oder ob es sich bei den Nachrichten, die wir lesen, um »Fake News « handelt. Vertrauen und Betrug sind das Zentrum psychologischer Spannung – wie sehr können wir den Menschen, die wir lieben, vertrauen und wie sehr können wir dem glauben, was uns erzählt wird?

Gibt es ein echtes Haus, dass Folgate Number 1 als Vorbild dient?
Folgate Number 1 ist eine Mischung aus verschiedenen Häusern, die von Architekten des Minimalismus entworfen wurden. Optisch ähnelt es am meisten einer Villa in der Schweiz. Deren Architekt Peter Zumthor ist selbst aber nicht annähernd so wie Edward!

Können Sie sich vorstellen, in einem Haus mit derart strengen Regeln und Anweisungen zu leben?
Ja, das kann ich, und ich glaube, dass das einer der Gründe ist, wieso das Buch bei den Lesern Anklang findet. Ich fühle mich angezogen von der Idee, ein schöneres, perfektes, diszipliniertes Leben zu leben, aber zugleich fühle ich mich auch davon abgestoßen, denn das Leben ist durcheinander, chaotisch, spontan und voller Liebe – und sollte es auch sein. Meine Frau und ich haben einen Sohn mit einer seltenen Erbkrankheit, was zwangsläufig die Sicht auf Begriffe wie »Schönheit« und »Perfektion« verändert. Deshalb kann ich von beiden Seiten darüber schreiben. Aber letztendlich ist es so: Wenn du Wände hast, die deine Kinder nicht bekritzeln können, dann hast du vielleicht die falschen Wände.

Was denken Sie über »Hightech-Leben « – glauben Sie, wir leben bald alle in intelligenten Häusern?
Eins der Dinge, die ich mit Folgate Number 1 gemacht habe, ist, die Technik eher altmodisch zu halten – die Technik ist eine Vision von Modernität, die allerdings zwanzig Jahre zurückliegt und nicht richtig funktioniert. Architekten mögen es zu glauben, dass sie die Zukunft vorhersagen können. Als Autor bin ich mehr daran interessiert, was passiert, wenn sie sie ein bisschen missverstehen.

Was möchten Sie unseren deutschen Lesern mitgeben?
Ich bin so begeistert, dass es mein Buch nun endlich in Deutschland zu kaufen gibt! Es ist die erste Übersetzung meines Romans, die erscheint – deshalb ist das alles noch sehr neu und aufregend für mich! 15 Jahre hat es gedauert, dieses Buch zu schreiben, daher habe ich sehr lange Zeit keine Ahnung gehabt, ob überhaupt irgendjemand The Girl Before je lesen wird, geschweige denn, ob das Buch bekannt werden würde. Und jetzt ist die Wirkung so außergewöhnlich. In jedem Land, in dem das Buch bisher veröffentlich wurde – in den USA, England, Irland und Australien –, wurde es augenblicklich zum Bestseller. Ron Howard wird Regie bei der Verfilmung für Universal führen – das ist es, wovon jeder Autor träumt, wenn er dafür bestimmt ist, auf seine Tastatur zu tippen.

Ich würde sagen, dass der Erfolg, den The Girl Before weltweit schon jetzt hat, bewegend ist – allerdings stört es mich als Autor wirklich, wenn Leute das Wort »bewegend« benutzen, wenn sie »sehr, sehr stolz « meinen …

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