Wie sie in die Welt zog, um sich zu finden: Im Gespräch mit Anika Landsteiner

Anika Landsteiner hat bereits 15 verschiedene Länder bereist und sowohl ihre Eindrücke als auch Empfindungen dazu in einem Roman verfasst. Dabei haben sie die „Allein-Reisen“ neue Erfahrungen gelehrt und dazu beigetragen, zu sich selbst zu finden und ihren Charakter zu formen. Mit ihrem Buch „Gehen, um zu bleiben“ möchte sie die Menschen dazu motivieren, ihre Komfortzone zu verlassen und sich hinaus in die weite Welt zu wagen, um ihren eigenen Fernwehdurst zu stillen. Ihren Fokus setzt Landsteiner dabei besonders auf den Aspekt, unbegründete Vorurteile, persönliche Ängste und gefährlichen Pauschalisierungen auszumerzen und ihren Leserinnen und Lesern einen Weg zu zeigen, unvoreingenommen über das Thema „Reisen“ nachzudenken.

Du hast schon weite Teile der Welt bereist, allein in deinem Buch berichtest du von 15 verschiedenen Ländern. Welche Reise bleibt dir besonders in Erinnerung und warum?
Die Reise, mit der auch das Buch anfängt: Kalifornien 2010. Ich hatte seit Jahren an die Westküste der USA gewollt, weil Kalifornien für mich damals für Freiheit und Andersartigkeit stand aufgrund des verrückten Venice Beach und San Francisco, wo sowohl Hippie- als auch Schwulenbewegungen stattgefunden haben. Also kaufte ich ein Flugticket und bin spontan für zwei Wochen dorthin. Die Reise hat mich einiges gelehrt, von Liebeskummer unterwegs, dem Alleinesein auf Reisen und vieles mehr.

Was muss eine Reise beinhalten, damit du von ihr begeistert bist?
Ich liebe den Ozean und bin fasziniert von seiner Vielfältigkeit, von der Unterwasserwelt und wie ihr ihn besser schützen können und müssen. Deshalb verschlägt es mich oft an paradiesische Strände, vor allem Natur generell ist mir sehr wichtig auf Reisen – tolle Metropolen stehen definitiv an zweiter Stelle. Ein weiterer wichtiger Punkt für mich sind die Menschen. Wenn ich mit Einheimischen oder anderen Reisenden ins Gespräch komme, mich das inspiriert oder herausfordert, denke ich mir manchmal: Alleine dafür hat es sich gelohnt, hierherzukommen, wo auch immer das „hier“ gerade ist.

Gibt es etwas in deinem Reisegepäck, das auf keiner Reise fehlen darf?
Ich würde gerne etwas Romantisches antworten, doch am wichtigsten ist tatsächlich mein Handy, und zwar aus einem ganz einfachen Grund: Ich reise gerne mit leichtem Gepäck und in meinem iPhone ist alles drin, was ich brauche, beispielsweise Offlinekarten mit GPS, hilfreiche Apps, beispielsweise zur Währungsumrechnung, Musik und Hörbücher und natürlich der Zugang zum Internet, ohne den ich meine Arbeit nicht machen kann. Und sollte es mal passieren, dass meine Kamera kaputt geht oder geklaut wird, bietet das Smartphone einen ganz guten Ersatz.

Welche Länder und Kulturen stehen in Zukunft noch auf deiner Liste?
So viele in alle Himmelsrichtungen. Island reizt mich sehr, obwohl es derzeit so überlaufen ist. Was Städte angeht, interessiert mich Buenos Aires am meisten und zum Thema Kultur: Papua-Neuguinea.

Du möchtest mit deinem Buch auch Menschen motivieren, die Komfortzone zu verlassen und sich in die Welt zu trauen. Warum liegt dir das am Herzen?
Weil ich immer wieder in Gesprächen merke, wie viele Menschen bei Themen mitreden, von denen sie keine Ahnung haben. Weil sie sich von eigenen und meist vollkommen unbegründeten Vorurteilen, persönlichen Ängsten und gefährlichen Pauschalisierungshaltungen leiten lassen. Ich bin der Überzeugung, dass das Reisen den Charakter positiv formen kann, weil es den Blick auf so viele verschiedene Dinge beeinflusst: Umwelt, Tierschutz, nachhaltiges und bewusstes Leben, Sinn für Gleichberechtigung, Offenheit, Selbstständigkeit und Mut – die Liste der positiven Einwirkungen ist endlos. Je mehr man auf Reisen über andere lernt, desto mehr lernt man über sich selbst und das wiederum wirkt sich auf das direkte Umfeld aus.

Was war die schlimmste Erfahrung, die du während des Reisens je gemacht hast und wo musstest du dich selbst am meisten überwinden?
Ich habe das Glück, bisher kaum schlimme Erfahrungen erlebt zu haben, doch wenn ich eine nennen müsste, dann ist es der Tod eines Mannes in Malawi, der von einem Auto überfahren wurde. Ich war mit zwei weiteren Leuten im Wagen gesessen, wir hatten angehalten, doch unsere Hilfe kam zu spät. In dem Chaos an der Unfallstelle entstand dann das Gerücht, dass wir die Täter gewesen seien – der eigentliche Unfallverursacher hatte Fahrerflucht begangen. Ich bin noch in derselben Nacht zum Flughafen gefahren. Das Gefühl, für den Tod eines Menschen beschuldigt zu werden, werde ich nie vergessen.
Was Überwindungen angeht: Das steht oft auf dem Programm. Beispielsweise, als ich zum ersten Mal durch dichten kolumbianischen Dschungel lief, der Guide mit der Machete voraus – ich leide schon immer unter einer ziemlich stark ausgeprägten Arachnophobie …

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