Karin Slaughter – unsere Autorin des Monats im Interview

Karin Slaughter bei eBook.deKarin Slaughter zählt zu den wichtigsten internationalen Thriller-Autorinnen, deren Bücher weltweit millionenfach verkauft werden. Bereits mit ihrem im Jahr 2003 erschienenen Debütroman Belladonna stürmte sie die internationalen Bestsellerlisten. Karin Slaughters Bücher sind nichts für schwache Nerven: Genial konstruierte Handlungen, glaubwürdige Charakter und Stoffe, aus denen Albträume gemacht sind, sind ihre Markenzeichen.
Besonders beliebt sind ihre Grant County-Thriller um Rechtsmedizinerin Sara Linton und Polizeichef Jeffrey Tolliver, die inzwischen eine Gesamtauflage von über 20 Millionen Büchern erreicht haben.

 

Heute erscheint ihr neuer Thriller “Ein Teil von ihr”:

Wir alle kennen unsere Mütter. Oder etwa nicht?

Wieder und wieder sieht Andrea Oliver das Gesicht ihrer Mutter Laura vor sich: gelöst, gutmütig, beherrscht – während sie einem Menschen das Leben nimmt. Nur knapp konnten sie beide einer grauenvollen Schießerei entkommen. Andrea will Antworten, doch stattdessen zwingt ihre Mutter sie in eine riskante Flucht. Weil sie verfolgt wird. Weil sie ein dunkles Geheimnis hat. Wer ist ihre Mutter wirklich?

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Karin Slaughter im Interview

zur Verfügung gestellt von HarperCollins

Seit 2001 schreiben Sie jedes Jahr einen neuen Thriller. Woher nehmen Sie Ihre Ideen?
Bei den meisten Büchern weiß ich nicht, woher die Inspiration kommt. Im Allgemeinen ist es ein “Was wäre wenn” -Moment. Das ist es, was mich reizt – eine Antwort auf die Frage “Was wäre wenn” zu finden. Obwohl ich viel Zugang zu realen Fällen habe, nehme ich nie einen in seiner Gesamtheit für eines meiner Bücher. Ich erinnere mich immer daran, dass diese Verbrechen echten Menschen zustoßen, und ich muss diese Tatsache ehren, nicht ausnutzen. Also wähle ich verschiedene Details aus verschiedenen Fällen aus und mische sie zusammen. Davon abgesehen gibt es nichts, was ein Autor von Kriminalromanen hervorbringen könnte, was im wirklichen Leben noch nicht passiert ist –  und das normalerweise weitaus schrecklicher.

Inwiefern unterscheidet sich der Schreibprozess eines Standalone im Vergleich zu dem eines Serienromans?
Standalone- und Serienromane haben jeweils ihre eigenen Herausforderungen. Es scheint, als wäre es einfacher, ein Will-Trent-Buch zu schreiben, weil ich ihn kenne und auch von Anfang an über Sarah [aus der Grant County-Reihe] geschrieben habe. Aber die Herausforderung besteht darin, neue Dinge über sie zu sagen, die nicht irritierend sind, wie zum Beispiel, dass Will plötzlich in den Weltraum geflogen ist und der Leser das nie gewusst hat. Ich muss dafür sorgen, dass der Leser die beiden genauso interessant findet wie ich. Mir gefällt die Beziehung von Will und Sarah und die Art, wie sie miteinander umgehen. Aber wenn ich an einem Standalone schreibe, ist die große Herausforderung, am Ende noch mal den Anfang zu lesen und sich zu fragen: Ist der Charlie am Ende dieses Romans noch derselbe wie der Charlie am Anfang? Ist er glaubwürdig? So habe ich es bei Cop Town – Stadt der Angst gemacht und dann bei Pretty Girls und vor Kurzem bei Die gute Tochter. Was auch immer die Figuren durchmachen, muss im Hinblick auf ihre Persönlichkeit Sinn ergeben. Ich möchte nicht, dass jemand, der sehr schüchtern ist, am Ende total tough daherkommt. Ich möchte, dass ihre „Reise“, wenn man es so ausdrücken kann, Sinn ergibt. Das ist manchmal schwieriger umzusetzen in einem Standalone- als in einem Serienroman, weil du als Autor deine Charaktere beim Schreiben selbst auch erst kennenlernst.

Welche Bücher haben Sie für das Thriller-Genre begeistert?
Flannery O’Connor ist einer meiner absoluten Favoriten und ich liebe jedes Wort, das sie geschrieben hat. Ihre Arbeit ist schockierend, urkomisch und manchmal brutal. Als ich ihre Kurzgeschichte A Good Man is Hard to Find las, überkam mich zum ersten Mal ein Gefühl der Ehrfurcht und die Erkenntnis, wozu ein Schriftsteller in der Lage ist. Als ich als kleines Mädchen aus einer sehr kleinen Stadt im Süden der USA ihre Werke las, war es aufregend zu sehen, dass eine Frau Geschichten erzählen konnte, die „in guter Gesellschaft“ eigentlich verpönt waren.

Slaughter ist Ihr richtiger Name – ist dies eine glückliche Fügung des Schicksals oder etwas, das sie als Autorin geformt hat?
Ich nehme an, es ist eine gute Sache, dass ich nicht beschlossen habe, Romanzen zu schreiben! Es ist mein richtiger Name, und ich habe als Kind einen hohen Preis dafür bezahlt. Ich wurde gnadenlos in der Grundschule gehänselt, und dann ging ich auf die Junior High School und glücklicherweise gab es wichtigere Dinge, um die ich mich sorgen musste. Als ich zum ersten Mal veröffentlicht wurde, habe ich nie verstanden, warum Leute mich immer gefragt haben, ob Slaughter wirklich mein Nachname ist. Ich sah die Verbindung nicht, weil es einfach immer mein Name war. Dann war ich in der Piccadilly U-Bahn-Station und ging eine dieser tückischen Rolltreppen hinauf und ich sah dieses massive Schild mit der Aufschrift “SLAUGHTER” und ich dachte “Wow, das ist bedrohlich”, und dann kam ich näher und sah die winzige “Karin” darüber und dachte: “Ohhhhh …”

Was würden Sie tun, wenn Sie keine Autorin geworden wären?
Eine Schriftstellerin zu sein ist buchstäblich das Einzige, was ich immer im Leben sein wollte, seit dem Kindergarten. Ich nahm immer an, man könnte nicht vom Schreiben leben (und das stimmt – ich bin mir sehr bewusst, wie viel Glück ich habe), also hatte ich Back-up-Pläne. Ich wollte Anwältin werden, ich wollte Comiczeichnerin werden, ich wollte Astronautin werden … all die coolen Jobs. Am Ende war ich Kammerjägerin, dann Malerin, dann Angestellte in einem Schilderladen, dann selbst Ladenbesitzerin. Am Ende haben sich all die Stunden, die ich in meiner Freizeit fürs Schreiben aufgewendet hatte, ausgezahlt, und ich veröffentlichte mein erstes Buch. Ich bin mir jeden Tag bewusst, dass ich einer der glücklichsten Menschen auf der Welt bin. Nicht viele Menschen verdienen ihren Lebensunterhalt mit genau dem Job, den sie schon immer wollten.

Ein Gedanke zu “Karin Slaughter – unsere Autorin des Monats im Interview

  • 30. August 2018 um 16:47
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    Schnelllebig. Heftig. Verwirrend, aber anregend. Dieses Buch war all das, und basierend auf anderen Büchern, welche ich von Karin Slaughter gelesen habe. Diese Adjektive sind das unverkennbare Markenzeichen ihrer Romane.

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