Brigitte Guggisberg über ihren Roman „Willkommen in der Provence“

Brigitte Guggisberg ist in der Schweiz und in den USA aufgewachsen und hat Volkswirtschaft und Medienwissenschaften in Basel mit einem längeren Aufenthalt in Aix-en-Provence studiert. Sie war als Beraterin für das Schweizer Parlament, als Journalistin, als Tanzkritikerin und im Topmanagement der Finanzindustrie tätig. Inzwischen ist sie an die Universität Basel zurückgekehrt und hat mit „Willkommen in der Provence“ nun ihren ersten Roman geschrieben. Wir haben mit der vielseitigen Autorin über die Idee zum Roman und Aix-en-Provence als Schauplatz gesprochen.

Wie sind Sie auf die Idee für diesen Roman gekommen?

Durch eine unglaublich elegante und äußerst liebenswerte Dame, die ich vor zwei Jahren in einem winzigen Dorf in der Provence kennengelernt habe. Sie war für mich geradezu die Verkörperung des berühmten Pariser Chic und ich war sehr erstaunt zu erfahren, dass sie in dem kleinen Dorf ein Chambre d’hôte führt. Wir waren drei Tage zu Gast in ihrem schönen Haus und auf der Rückfahrt zurück in Schweiz konnte ich nicht aufhören, mir allerhand Geschichten über sie auszudenken. So ist – auf der Route du Soleil von Lyon nach Genf – der Kern von Vivianne entstanden.

Würden Sie uns Ihre Protagonistin Vivianne vorstellen?

Charmant, spritzig, lebenslustig und manchmal ziemlich frech. Mit ihr wird es nie langweilig. Sie sieht auch in schlimmen Situationen die komische Seite und wird dann gerne mal zur Drama Queen. Aber Vivianne ist auch ein Stehaufmännchen. Mit viel Selbstironie, einer großen Schachtel Schokoladen-Eclairs und einem neuen Paar Schuhe kann sie jede Situation bewältigen.

… und deren Mann Victor?

Er sieht eigentlich sehr gut aus mit seinen strahlend blauen Augen. Geld hat er auch und er liebt es zu kochen! Alles in allem ist er als Ehemann also ein toller Fang, aber das hat Vivianne mit den Jahren ein wenig vergessen. Sie hält ihn für ziemlich berechenbar und – seien wir ehrlich – ein wenig langweilig. Bis er dann plötzlich verschwindet und sie ganz neue Seiten an ihm kennenlernt.

Ohne Victor muss Vivianne sich neu erfinden – und  beherbergt wildfremde Touristen in ihrem Haus in Aix-en-Provence. Eine großartige Idee oder einfach nur verrückt?

Ich finde sie großartig. Die Welt zu Gast im eigenen Haus. Allerdings ist es auch eine Herausforderung. Ihre Gäste bringen Vivianne so manches Mal gewaltig auf die Palme und ans Ende ihrer Nerven. Aber sie findet auch neue Freunde. Ausgerechnet dort, wo sie sie nie erwartet hätte.

Warum Aix-en-Provence als Schauplatz?

Aix ist ein bisschen Heimat für mich, aber gleichzeitig auch der Ort, an dem das Leben einfach leichter ist als zu Hause. Unbeschwert und beschwingt. Voller Sonnenschein. Vielleicht ist es das strahlende Licht, der Duft der Mimosen oder das leuchtende Rot der Bougainvilleas in den Altstadtgassen –  keine Ahnung. Aber in Aix-en-Provence habe ich ein Dauerlächeln auf dem Gesicht und möchte am liebsten ständig singen.

Wie sieht für Sie ein perfekter Tag in Südfrankreich aus?

Durch einen Sonnenstrahl geweckt werden, der durchs Fenster fällt. Beim Boulanger an der Ecke einen kleinen Café trinken und ein Croissant essen. Morgens über den Markt schlendern und diese unglaublich bunten und duftenden Früchte und Blumen bestaunen. Dann einen kleinen Pastis zum Aperitif trinken und ein paar Oliven naschen. Und anschließend den Nachmittag auf einem Liegestuhl unter den Bäumen an sich vorbeiziehen lassen, bis man sich am Abend mit Freunden auf dem Cours Mirabeau zu einer großen Fisch- und Meeresfrüchteplatte trifft.

Ihre Lieblingsszene in dem Roman?

Viviannes zweite Begegnung mit Félix. Schon beim ersten Zusammentreffen hat ihr dieser Mann außerordentlich gut gefallen und nun wäre es besonders wichtig, einen guten Eindruck zu machen, aber naja … leider spuckt Vivianne bei diesem Plan dann das Schicksal dazwischen.

Vivianne bekommt tatkräftige Unterstützung von ihren Freundinnen. Welche Rolle spielen diese für den Roman und was bedeutet Freundschaft für Sie?

Die Freundinnen sind Bezugs- und Angelpunkt in all den Veränderungen, die Vivianne durchläuft. Auch wenn die Freundschaften nicht immer nur einfach sind, ihre Freundinnen sind das Netz, das Vivianne hält. Das gilt für mich selber natürlich auch. Im Leben gute Freundinnen zu haben ist ein riesiges Geschenk. Schlechte Zeiten werden durch sie weniger schlimm und die guten Zeiten werden noch besser.

Was hat Ihnen beim Schreiben am meisten Spaß gemacht?

Das Eintauchen in ein ganz neues Leben und dabei jede Menge neue Leute kennenzulernen. Nach einem Tag am Schreibtisch hatte ich immer das Gefühl, wahnsinnig viel erlebt zu haben. Obwohl sich diese Geschichten natürlich alle nur in meinem Kopf und auf dem Bildschirm abgespielt haben, fühlte es sich für mich sehr real an.

Was lesen Sie am liebsten?

Ich lese alles und am liebsten viel davon. Habe ich eine Autorin erst mal entdeckt, muss ich sofort alle ihre Bücher haben. Und mit sofort meine ich sofort. Auch wenn das mitten in der Nacht sein sollte. Deshalb ist für mich persönlich das E-Book eine geniale Erfindung. Ich neige dann zu nächtlichen Download-Exzessen. Im Moment habe ich die Schweizer Autorin Milena Moser (wieder)entdeckt und, ganz anders im Stil, Vea Kaiser. Deren drittes Buch kann ich kaum erwarten. Vorwärts machen, liebe Frau Kaiser …

Haben Sie wie Vivianne schon einmal die Erfahrung gemacht, sich ganz neu zu erfinden?

Ich bin sehr neugierig und liebe es, mich und mein Leben zu verändern. Vermutlich ist das eine Eigenschaft, die ich aus meiner Kindheit mitgenommen habe. Wir sind sehr oft umgezogen und haben auch einige Jahre im Ausland gelebt. Alle paar Jahre eine neue Schule, neue Freunde, eine neue Sprache … Aber eben auch die Gelegenheit, sich selber ein wenig neu zu erfinden. Das Schreiben war bei diesen Veränderungen immer eine Konstante in meinem Leben. Schon als Kind habe ich leidenschaftlich gerne Geschichten geschrieben und die dann oft als Hörspiel inszeniert und mit meinem brandneuen Kassettenrecorder aufgezeichnet. Meine bedauernswerte Familie musste sich dann am Abend zur Hörspielsession versammeln. Damals ging das Geschichtenfieber sogar so weit, dass mich meine Mutter eines Nachts beim Schlafwandeln fand. Ich war auf dem Weg zum Kassettenrecorder …

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