Im Gespräch mit Felicia Yap: „Ich bin eine Geschichtenerzählerin durch und durch“

Autorenfoto Felicita Yap

Wusstet ihr, dass Felicia Yap die besten Ideen für ihre Bücher auf Reisen kommen? Besonders produktiv ist sie in Flugzeugen und öffentlichen Verkehrsmitteln. Die Autorin liefert mit „Memory Game – Erinnern ist tödlich“ ein fulminantes Debüt. Unvorstellbar, dass Sie erst vor kurzem ein Programm zu Kreativem Schreiben an der Faber Academy abschloss. Im Interview erzählt Felicia Yap über die Inspiration zum Schreiben und die Arbeit an ihrem ersten Buch.

Liebe Frau Yap, erzählen Sie unseren Lesern doch kurz etwas über Sie.
Ich bin in Kuala Lumpur, Malaysia, aufgewachsen. Am Imperial College in London studierte ich im Hauptfach Biochemie und schob einen Doktor in Geschichte der Universität Cambridge hinterher. Ich habe für The Economist sowie die Business Times geschrieben, war als Zellbiologin tätig, als Historikerin im Bereich Kriegsgeschichte unterwegs, ich war Dozentin an einer Universität, Journalistin für technologische Themen, Theaterkritikerin, habe auf Flohmärkten verkauft und als Laufsteg-Model gearbeitet. Ich lebe in London und bin Absolventin eines „Writing a Novel“-Programms der „Faber Academy“.

Warum haben Sie sich dazu entschieden, Autorin zu werden?
Ich bin eine Geschichtenerzählerin durch und durch – und wollte einfach immer nur gute Storys erzählen. Und dann wollte ich diese einfach niederschreiben, schon seit Kindesbeinen an. Um genauer zu sein, wollte ich schon immer einen fesselnden, mitreißenden Roman mit zahlreichen Drehungen und einer fulminanten Wendung am Schluss (die hoffentlich in Erinnerung bleiben wird!) erschaffen. Eine Geschichte, die den Leser bis zur letzten Zeile in Atem hält.

Wo finden Sie Inspirationen für Ihre Romane?
Meine Ideen kommen eigentlich immer dann zu mir, wenn ich auf Reisen und generell unterwegs bin. So fiel mir auch der Schluss zu „Memory Game – Erinnern ist tödlich“ (und außerdem noch einige der finalen Drehungen und Wendungen) ein, als ich im Zug von London nach Winchester saß. Das ist übrigens auch der Grund dafür, dass eine meiner Hauptfiguren Anna May Winchester heißt. Tapetenwechsel und neue Umgebungen bringen in mir die besten Einfälle zum Vorschein. Am produktivsten bin ich in Flugzeugen (besonders auf Langstreckenflügen, auf denen ich stundenlang ungestört arbeiten kann), in Zügen, in Bussen, in Cafes und auf Flughäfen. Das ist vielleicht auch der Grund dafür, dass „Memory Game – Erinnern ist tödlich“ in mehr als 30 Ländern geschrieben wurde. Ziemlich gut kann ich übrigens auch in Hotelzimmern arbeiten. Nur aus diesem Grund habe ich mich 2016 mehrere Male in ein Hotel nahe des Londoner City Flughafens eingebucht. Einzig, um ungestört arbeiten zu können. Inspirationen erscheinen wie durch Zauberhand, wenn ich auf Neues oder Unerwartetes stoße. Ich liebe Veränderungen und die Bewegung – sie entfachen immer wieder neue Möglichkeiten.

An welcher Geschichte arbeiten Sie im Moment?
Momentan sitze ich an der Vorgeschichte zu „Memory Game – Erinnern ist tödlich“, sie trägt den Titel „Today“. Bisher komme ich auf 58.000 Wörter. Der Roman spielt im Jahr 1990 und zeigt einen jungen Detective Hans Richardson (er ist zum Zeitpunkt des Geschehens 17 Jahre alt). Seine Freundin Liesl von Meier wird vermisst und er an den Fall gesetzt, um ihn zu lösen. Ebenso spielt ein junges Pärchen eine Rolle – Jonathan und Emma, die sich einen Tag vor ihrem 23. Geburtstag begegnen und ineinander verlieben (der Tag, bevor sie ihr Kurzzeitgedächtnis verlieren). Zwei an einem Tag trifft „Minority Report – Today“ ist zugleich Thriller als auch rührende Liebesgeschichte. Im Kern dreht sie sich um wahrgenommene und verpasste Möglichkeiten. Der Werbeslogan für das Buch lautet: „Was, wenn heute der letzte Tag wäre, an den du dich erinnerst?“

Wer sind Ihre Lieblingsautoren? Und warum?
Ich liebe die Bücher Kazuo Ishiguros – besonders die Titel Als wir Waisen waren und Alles, was wir geben mussten. Zu meinen Lieblingsbüchern zählen außerdem noch Zwei an einem Tag von David Nicholls, The Humans von Matt Haig, Die Geisha von Arthur Golden und Die Frau des Zeitreisenden von Audrey Niffenegger. Ich liebe wirklich große Erzählkunst und Bücher, die die Welt nach der Lektüre verändert erscheinen lassen.

Was ist Ihre Lebensphilosophie?
Weniger ist mehr. (Das lässt sich auch wunderbar aufs Schreiben projizieren. Ich glaube, dass wirklich gutes Schreiben einfach und unangestrengt rüberkommen sollte).

Was machen Sie, wenn Sie nicht schreiben?
Ich liebe Gesellschaftstanz. Eines Tages wäre ich gerne professionelle Turniertänzerin. Ich gehe außerdem leidenschaftlich gerne tauchen. Ich neige tatsächlich dazu, meine Urlaubsziele bewusst so auszuwählen, dass ich dort meinem Hobby frönen kann. Besonders gerne tauche ich hinunter zu alten Kriegswracks – speziell zu Torpedos/U-Booten, die in der Nordsee liegen. Sehr gern schwimme ich dort, wo Haie sind, und versuche unter Wasser immer, sie ausfindig zu machen. Tauchen in Höhlen ist auch klasse.

Wo fanden Sie die Inspiration für Ihren Roman?
Die Idee zu „Memory Game – Erinnern ist tödlich“ kam mir Ende 2014, als ich auf dem Weg zu einer Tanzprobe war. Ich wohnte damals noch in Cambridge. Es war eigentlich nur eine einfache Frage, die ich mir stellte: „Wie löst man einen Mordfall, wenn man sich ausschließlich an gestern erinnern kann?“ Die Idee fesselte mich augenblicklich so sehr, dass ich fast die gesamte Probe – sehr zum Ärger meines Tanzpartners – überlegte, wie so ein Mord geschehen konnte. Am nächsten Tag setzte ich mich hin und schrieb los.

Wer ist Ihre Lieblingsfigur im Roman und warum?
Detective Hans Richardson. Ich hatte anfangs wirklich Schwierigkeiten, ihm eine Stimme zu geben und musste für die Schöpfung seines Charakters sehr hart arbeiten. Normalerweise denke ich nämlich eher nicht wie ein männlicher Kriminalpolizist. Er ist meine Lieblingsfigur, weil er sein Leben bisher komplett aus eigener Kraft gemeistert hat und stets hart für seine Ziele arbeiten muss. Und er birgt eine Menge Geheimnisse – er quält sich, er ist ziemlich allein. Ich bin ein großer Fan von den weiblichen Kriminalbeamtinnen in M.J. Arlidges Roman Eeny Meeny und von Saga Noren, der Hauptdarstellerin in Die Brücke (skandinavische TV-Serie). Wir haben uns ein wenig an ihren typgerechten traditionellen Persönlichkeiten orientiert, als wir Hans Charakter kreierten. Besonders in Bezug auf seine hin- und hergerissenen inneren Monologe und seiner seltsamen Verschrobenheit (dazu zählen z.B. seine Krawatte mit dem Pi-Motiv und seine Angewohnheit, Schach mit sich selbst zu spielen.)

Was meinen Sie – welchen Lesern wird Ihr Buch gefallen?
Ich würde gerne diejenigen Leser erreichen, die sich gerne in spannenden und fesselnden Geschichten verlieren. Der typische Leser von „Memory Game – Erinnern ist tödlich“ ist vom Typ her wahrscheinlich eher offen und neugierig. Ich hoffe sehr, dass mein Buch Leser erreicht, die auf anspruchsvolle Thriller/Kriminalgeschichten stehen. Und natürlich möchte ich auch nicht auf die Leser verzichten, die gerne Liebesgeschichten lesen… oder auch Geschichten über Außenseiter, die allen Widrigkeiten zum Trotz am Ende siegen. Ich wünsche mir, dass Lesern, denen die klassische Polizeiarbeit am Herzen liegt, die Figur des Hans Richardson (der im Übrigen auch in Folgebüchern immer wieder mit dabei sein wird) gefällt. Ich glaube auch, dass Menschen, die schon einmal unter Gedächtnisverlust litten (oder einen an Alzheimer oder Demenz erkrankten Menschen pflegten) ein besonderes Interesse an meinem Buch haben könnten.

Lust bekommen? Das spannungsgeladene Werk erscheint am 25. September und ist bei uns natürlich bereits vorbestellbar!

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