Interview mit den Autoren Monaldi und Sorti

E_MonaldiSorti_Salai_01.inddDas international erfolgreiche Autorenduo Rita Monaldi und Francesco Sorti machte mit seinem brillant recherchierten Romanzyklus Imprimatur, Secretum und Veritas weltweit auf sich aufmerksam. Als das Journalistenpaar außerdem im Zuge seiner Recherchen ein Geheimnis um Papst Innozenz XI. lüftete, machte der Vatikan seinen ganzen Einfluss geltend, weshalb die Werke jahrelang in Italien nicht vertrieben werden durften. In Folge des Skandals leben die Autoren heute in Wien. Aktuell sind zwei neue Titel des Autorenduo Monaldi & Sorti vorab bei uns erhältlich: Die Entdeckung des Salaí und Die Zweifel des Salaí. Im Interview spricht das Autorenduo nun über die gemeinsame Recherchearbeit und ihre Suche nach der Wahrheit.

Liebe Rita, lieber Francesco, Sie haben beide als Journalisten gearbeitetbis Sie sich kennenlernten und anfingen, für Ihren ersten Titel (“Imprimatur”) zu recherchieren. Wann und weshalb haben Sie entschlossen, gemeinsam einen Roman zu schreiben?

Monaldi & Sorti: „Als Journalisten ist uns in Italien des Öfteren vorgekommen, diesen oder jenen Artikel nicht veröffentlichen zu können: Der Bericht störte eine Behörde, einen Politiker oder irgendeinen Prominenten. Unser Vorgesetzter wollte wohl auch Karriere machen – und nicht allzu viele Feinde haben. Wir wendeten uns also an die Vergangenheit: Dort konnte uns kein Chefredakteur sagen ‚Sorry, deine Geschichte darf nicht ans Tageslicht kommen!‘ Wir glaubten (eine nur zum Teil richtige Annahme), auf den Spuren der historischen Wahrheit gehen zu können, ohne auf unseren journalistischen Instinkt verzichten zu müssen.“

Haben Sie jeweils einen Schwerpunkt bzw. ein Fachgebiet?

Monaldi & Sorti: „Francesco hatte sich als Musikologe mit dem Kastraten Melani und seiner Familie jahrelang beschäftigt. Und Rita hatte sich als Philologin und Religionshistorikerin die Methodik der wissenschaftlichen Untersuchung angeeignet.“

Wenn ich so persönlich nachfragen darf: Sie sind verheiratet und arbeiten zusammen an wirklich aufwendig recherchierten Romanen – funktioniert das? Streiten Sie manchmal über den weiteren Verlauf einer / der Geschichte?

Monaldi & Sorti: „Es funktioniert super! Keiner von uns beiden könnte alleine einen Roman schreiben. Der andere muss immer mitmachen, sowohl bei den Recherchen in Archiven und Bibliotheken als auch beim Konzipieren des Plots sowie beim Schreiben. Sonst ist kein Spaß und keine Freude mehr – und daraus wird dann auch kein gutes Buch. Romantisch ausgedrückt: Jeder ist die Muse des anderen. Wir haben immer unsere (manchmal ziemlich verwickelten) Geschichten beim Spazierengehen mit unseren Kindern – z.B. im Wienerwald auf dem Weg zu irgendeinem Gasthaus, oder in Roms kleinen Gässchen zwischen Vatikan und Piazza Navona – aufgebaut. Einer hielt in den Händen einen Heft und machte Notizen zu den neuen Ideen, der andere schob den Kinderwagen – oder viceversa.“

Das klingt sehr harmonisch …!

Monaldi & Sorti: „Gestritten (aber in milder Form!) haben wir nur am Anfang. Das war teilweise auch lustig. Francesco hatte lange in einer Wochenzeitung für Wirtschaft und Finanzen gearbeitet. Das Umsteigen von trockener Berichterstattung auf einen ‚literarischen‘ Stil war nicht einfach! Auf Ratschlag von Rita unterzog sich Francesco einer strengen Therapie: die Lektüre der 7 Bände von Marcel Prousts ‚Suche nach der verlorenen Zeit‘ (Rita hatte sie schon in ihrer Jugend gelesen). Am Ende der Therapie, nach etwa 3 Jahren, geschah eine lustige, freudianische Episode: Francesco träumte, Proust zu sein, und einige Wolken im Himmel in raffiniertem, proustianischem Stil zu beschreiben! Da war das Eis gebrochen: Francescos Prosa hat endlich ‚geatmet‘! Natürlich sind inzwischen die Tonnen an Romanen, Essays, Archivalien und Manuskripten aus dem XVII. Jahrhundert dazugekommen, die wir für unsere Recherchen lesen mussten … Wir leben einfach in einer anderen Epoche. Zu Hause kein Fernsehen, keine Zeitungen, kein Hörfunk – nur Bücher und barocke Musik. Wir sind dem lieben Herrgott sehr dankbar, dieses Glück zu haben.“

Die meisten Ihrer Figuren sind historisch verbrieft. Wie viel Fiktion steckt in Ihren Werken?

Monaldi & Sorti: „Wenig Fiktion – und zugleich viel. Wenig Fiktion, weil die Rekonstruktion von Ortschaften, Gewohnheiten der Hauptfiguren, ihre Gebräuche, die Einrichtung ihrer Wohnungen oder ihr Vermögen bis ins kleinste Detail (auf Basis von Testamenten, Privatbriefen, Porträts o.ä.) wiedergegeben sind. Und viel Fiktion, weil die unvermeidlichen Lücken zwischen den historischen Ereignissen und das Vorhandensein von unzähligen Rätseln in der ‚offiziellen‘ Geschichtsschreibung einem Autor unglaublich viel Spielraum lassen. Für uns bedeutet Schriftstellerei nicht nur vage Träume über ein schönen ‚Anderswo‘, sondern auch die Aufgabe, die Leser auf eine Reise uns an Bord mitzunehmen – eine Reise, auf der wir nach der Wahrheit suchen.“

Das Interview mit Rita Monaldi & Francesco Sorti führte Susanne Helene Schmitz, Lektorin bei dotbooks

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