Interview mit Klaus Seibel zu seinem Sammelband „Strafe“

Klaus Seibel bewegt sich fließend zwischen Thrillern und Science Fiction. Seine Reihe rund um die „erste Menschheit“ findet sich regelmäßig auf den vordersten Plätzen der SciFi-Bestsellerliste wieder. Vor wenigen Wochen veröffentlichte er einen Sammelband der beiden Thriller „Strafe – Alte Sünden“ und „Strafe – Kein Vergessen“. Neben Spannung gehören zu seinen Markenzeichen: aktuelle Themen, gut recherchiert, leicht verständlich und angenehm zu lesen. Wir haben Klaus getroffen und zu der Entstehungsgeschichte des Sammelbands befragt.

 In „Strafe“ spielt religiös motivierte Folter eine Hauptrolle. Einen Großteil deiner Recherchen hast du aus dem Buch „Folter, Pranger, Scheiterhaufen“ von Wolfgang Schild bezogen. Wie bist du auf die Idee gekommen, einen Thriller über mittelalterliche Foltermethoden zu schreiben?

Zuallererst ging es mir um die Frage der Gerechtigkeit. Ist es gerecht, dass Täter besser schlafen als ihre Opfer? Das treibt die Foltermörder an. Sie wollen es nicht akzeptieren, dass diejenigen, die andere missbraucht und für ihr Leben geschädigt haben, mit einer Beichte davonkommen. Die mittelalterlichen Foltermethoden sind dann quasi in die Geschichte hineingewachsen. Da sich die Verbrechen und die Ungerechtigkeit im Raum der Kirche abgespielt haben, bin ich auf den Gedanken gekommen, wie eben diese Kirche im Lauf ihrer Geschichte Gerechtigkeit gehandhabt hat. Jetzt fallen die Methoden, die sie selbst für gut geheißen hat, auf ihre eigenen Priester zurück. Dabei war es sehr interessant, wie sehr sich diese mittelalterlichen Methoden bis in unsere Zeit und unsere Sprache gerettet haben. „Er schreit wie am Spieß“ – wo kommt das wohl her?

Inwiefern hat dein Studium der Theologie das Buch beeinflusst? Bisweilen äußert sich die Hauptfigur Xella recht kritisch zu Vatikan und Kirche.

Durch mein Theologiestudium habe ich Kenntnisse über die Bibel und die Kirchengeschichte, was der ganzen Geschichte eine fundierte Basis gegeben hat. Ich bin allerdings nicht katholisch, weshalb ich die (katholische) Kirche von außen betrachte. Dabei muss man fein zwischen den Menschen und der Institution unterscheiden. Ich habe dort ganz prächtige Leute kennengelernt, aber die Kirche als Institution ist etwas anderes. Gib einfach mal die Stichworte „Kirche“ und „Geldwäsche“ zusammen in Google ein und lass dich überraschen. Oder die Missbrauchsfälle, die ja erst nach langem Bohren der Öffentlichkeit ernsthaft angegangen wurden. Oder das Geld, das die Kirchen für Enteignungen kassieren, die zu Zeiten von Napoleon (!) geschehen sind. Heute noch, fast 500.000.000 Euro – jedes Jahr! Laufzeit: Unbefristet, in alle Ewigkeit. Eigentlich unfassbar. Ja, das sehe ich kritisch, aber das tue ich als Mensch und nicht als ehemaliger Theologe.

Aufgrund der Thematik geht es in beiden Teilen von „Strafe“ ziemlich blutig zu. Sprichst du mit diesen Thrillern eine andere Zielgruppe als mit deinen übrigen Thrillern an?

Ja, das ist so. Normalerweise bin ich kein Freund von Gewalt. Das Blut muss nicht in Strömen fließen, damit eine Geschichte spannend ist. In „Zehntausend Augen“ war es mir gerade wichtig zu beweisen, dass man einen Thriller sogar vollkommen ohne Mord schreiben kann. Obwohl die größte Verletzung nur ein blaues Auge ist, ist das eine wahnsinnig spannende Geschichte. Aber bei den Strafe-Bänden – das musste einfach mal sein.

War dir von vornherein klar, dass die Geschichte zwei Bücher umfassen wird?

Nein, zuerst wollte ich es bei dem Band „Strafe – Alte Sünden“ belassen. Genug Blut geflossen. Aber dann habe ich mich beim Schreiben entschieden, mir die Optionen für einen zweiten Band offen zu lassen. Der erste Band hat ein Ende, mit dem man zufrieden sein kann. Aber für die Leser, denen die Geschichte gut gefallen hat und die mehr über die Täter wissen wollen, habe ich dann „Strafe – Kein Vergessen“ geschrieben. Darin gibt es einige Überraschungen und es ist lange nicht alles so, wie es scheint. Plötzlich kann man Gut und Böse gar nicht mehr so klar unterscheiden. Vielleicht wird der Leser überrascht feststellen, dass er am Ende mehr für die Täter als für die Opfer zittert.

Beide Romane sind schon eine Weile auf dem Markt, aber Missbrauchsfälle in der Kirche sind noch immer ein aktuelles Thema. Kannst du dir vorstellen, in Zukunft noch einen dritten Teil zu schreiben, auch wenn die Geschichte in Band zwei zu einem runden Ende gefunden hat?

Ich liebe es nicht, ein Thema auszupressen, bis es nicht mehr schmeckt. Es gibt so unglaublich viel Neues in unserer Zeit, das in spannende Geschichten gegossen werden will. Im Herbst startet eine neue Reihe, in deren erstem Band es um Genversuche an Menschen geht. Klar sind die verboten, aber das ist Missbrauch von Kindern auch. Trotzdem ist das eine geschehen und das andere wird ebenso passieren. Jünger aussehen, schöner, stärker oder intelligenter sein? Vieles, was heute wie Science-Fiction klingt, ist gar nicht mehr weit weg. Die Zukunft ist viel näher, als wir denken. Hier warten so viele außergewöhnliche Geschichten, die ich unmöglich liegenlassen kann. Darum wird es gehen. Und wer über Neuigkeiten informiert sein will, oder mir Rückmeldung geben möchte, den lade ich ein, meine Homepage www.kseibel.de zu besuchen, oder mir zu schreiben: mail@kseibel.de. Ich freue mich sehr über Post von meinen Lesern.

 

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