In der Nacht vom 31. Oktober auf den 1. November ist Halloween und alles steht im Zeichen von Geistern, Hexen und anderen gruseligen Gestalten. Seinen Ursprung hat das seit hunderten von Jahren begangene Fest am Vorabend zu Allerheiligen in Irland. Es beruht auf der Vorstellung, dass in dieser einen Nacht die toten Seelen derer, die im vergangenen Jahr gestorben sind, an den Ort ihres früheren Lebens zurückkehren können.

Aus diesem Grund ist unser Gedicht des Monats Oktober „Das Gespenst“ von Charles Baudelaire (1821 – 1867) geworden. In seinem Gedichtband Die Blumen des Bösen versammelt der 1821 in Paris geborene Lyriker eine Reihe dunkler, morbider Werke, darunter auch dieses Gedicht. Die Veröffentlichung des Buches in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zog einen Prozess nach sich, in dem man Baudelaire die Verletzung der öffentlichen Moral vorwarf. Heute gilt er als einer der bedeutendsten französischen Lyriker und als einer der wichtigsten Wegbereiter der literarischen Moderne in Europa.

 

Das Gespenst

 

Charles Baudelaire (1821 - 1867)

Bösen Engeln will ich gleichen,
Fahlen Blicks mich zu dir schleichen,
Gleiten an dein Lager sacht,
Wie ein Schattenspuk der Nacht.

Schenken dir zu tausend Malen
Küsse kalt wie Mondesstrahlen,
Wie die Schlange schlüpfrig feucht,
Die um Gruft und Steine kreucht.

Kommt der bleiche Tag daher,
Ist die Stelle kalt und leer
Bis die Abendnebel brauen. –

Wenn es Andrer Kunst gelingt,
Dass dich Zärtlichkeit bezwingt,
Will ich Herr sein durch das Grauen.

Charles Baudelaire (Übersetzung: Terese Robinson)