Lucinda Scala Quinn, Mad HungryDie italienischstämmige Lucinda Scala Quinn, TV-Köchin, Food-Journalistin und Kochbuch-Autorin aus den USA, stellt in ihrem dritten Kochbuch Mad Hungry Rezepte, Tipps und Ideen vor, die „Männer und Jungs satt und glücklich“ machen sollen. Lesen Sie hier, was sie im Interview darüber sagt. In ihrer Heimat ist das Buch bereits ein Bestseller, jetzt ist es auch auf Deutsch erschienen.

Auf 276 Seiten präsentiert Lucinda Scala Quinn allerlei Rezepte für Frühstück, Mittagessen, Abendessen und Nachtisch. Von Bagels mit Speck und altmodischen Pancakes über Rindfleisch-Empanadas, Kubanischen Schweinebraten und die klassischen Hamburger bis hin zu süßen Schokoladen-Eclairs und dem obligatorischen amerikanischen Apple-Pie sind da vielerlei Köstlichkeiten von einfach bis raffiniert versammelt. Außerdem stellt sie allgemeine Informationen und Improvisationsideen sowie verschiedene Variationsmöglichkeiten zu den einzelnen Rezepten vor und präsentiert allerlei nützliche Küchen-Tipps. Wie man selbst getrocknete Tomaten herstellt, was man gut einfrieren kann, was man mit übrig gebliebenem Reis machen kann, welche Chilis die richtigen für welches Gericht sind und was der Unterschied ist zwischen Tortillas, Burriots, Enchiladas und Tacos ist, erfährt der geneigte Leser zum Beispiel. Dabei hält sie ein gutes Gleichgewicht zwischen dem Rezeptteil und ihren informativen Tipps und Ideen. Jetzt reinblättern

Die Rezepte selbst muten recht amerikanisch an. Und getreu ihrem Motto von Gerichten für wirklich hungrige Esser legt sie wenig Wert auf kalorienarme Zutaten – im Gegenteil: Da kommt reichlich Mayonnaise, Käse, Butter und viel, wirklich viel Fleisch zum Einsatz. Mit Fett als Geschmacksträger macht das viele der Rezepte wirklich lecker und wem das zu viel ist, der kann ja leicht auf die fettreduzierten Ausweichprodukte zurückgreifen.

Zur Aufmachung: Der Leineneinband, das dicke Papier und das ansprechende Retro-Design machen schon einiges her. Die Fotos von Lucinda Quinn und ihrer Familie wirken authentisch und die Abbildungen der Gerichte stimmig. Bei den schönen Fotos fragt man sich: Warum nicht mehr davon? Denn längst nicht zu jedem Rezept gibt es ein Bild. Schade eigentlich. Ansonsten kann man wenig beanstanden, die Rezepte sind übersichtlich und strukturiert dargestellt, die nützlichen Tipps und Variationsmöglichkeiten sinnvoll abgesetzt. Das funktioniert wirklich gut.

Ein Tipp noch: Versuchen Sie, den Titel des Buches und einige der guten Ratschläge nicht allzu ernst zu nehmen. Denn nicht nur der Einband ist im nostalgisch anmutenden 50er Jahre-Stil gehalten. Auch das vermittelte Weltbild und das traditionalistische Rollenverständnis wirken zuweilen ein wenig klischeebehaftet. Während die Optik dabei wirklich ansprechend und originell daherkommt, mag der eine oder andere Leser (bzw. die eine oder andere Leserin) vergebens nach dem Witz suchen, der sich hinter dem vielsagenden Untertitel verbirgt.

Lucinda Scala QuinnZwar fordert Quinn in ihrem Buch, Mütter sollen sich beim Kochen gerne mal eine helfende männliche Hand organisieren (vornehmlich zum Saubermachen) und ihren Männern und Söhnen beibringen, selbst zu kochen, doch bleibt der Tenor was die Zuständigkeiten betrifft eindeutig. Warum hat sie nicht einfach kein Kochbuch für Männer an Männer gerichtet, mag man sich fragen. Wenn es da heißt: „Egal wie viel Zeit sie haben: Braten Sie eine Zwiebel an, zerpflücken Sie ein wenig frisches Basilikum oder braten Sie ein schönes Stück Fleisch. Mehr braucht es nicht, um den Sinnesspeicher eines Mannes zu füllen und dafür zu sorgen, dass sich die Familie wohlfühlt“, oder „Essen ist für sie [die Männer] unwichtig, bis mal keines da ist, dann machen sie einem das Leben zur Hölle. Aber wir kochen gern für sie. Unser Essen erhält sie gesund und froh […]“, fühlt man sich doch irgendwie erinnert an einschlägige Werbespots aus den 50er Jahren. Aber wie gesagt: Wenn man sich daran nicht stört oder das Ganze nicht so ernst nimmt, gibt es in “Mad Hungry” leckere Rezepte und einige nützliche Tipps zu entdecken.

Zum Nachkochen jedenfalls haben wir Lucinda Scala Quinns Rezept für Lasagne ausgesucht. Dazu wird zuerst eine einfache italienische Tomatensauce gekocht, die als Basis für die leicht abgewandelte Bolognese dient. Praktisch: Davon kann man wirklich gleich mehr kochen und die Sauce dann portionsweise einfrieren. Ich habe der Sauce, die bei Quinn aus Olivenöl, Knoblauch, Chili, Tomaten aus der Dose, Salz, Butter und frischem Basilikum besteht, noch Zwiebeln, etwas Oregano und Zitronensaft hinzugefügt und das Ganze wie angegeben etwa 30 Minuten köcheln lassen. Das ergab eine schöne Konsistenz und schmeckte schon für sich ziemlich lecker.

Für die Lasagne habe ich Nudelplatten genommen, die man nicht vorkochen musste, deswegen konnte es gleich mit der Sauce losgehen. 5 grobe Bratwürste werden scharf angebraten (wer Salsiccias bekommt, kann auch die benutzen) und ca. 20 Minuten bei schwacher Hitze in der Pfanne gelassen, bis die Schnittflächen kross sind. Für den Bechamel-Ersatz werden dann Ei, Ricotta und Pecorino (alternativ Parmesan) zu einer homogenen Masse vermengt. Soweit klappte alles erstaunlich gut.

Beim Schichten der Lasagne hatte ich ein bisschen Schwierigkeiten, einzuschätzen, wie viel Sauce, Ricotta-Creme, Bratwurst und Nudeln ich pro Schicht verwenden sollte, denn ich hatte Skrupel, bei den ungekochten Lasagneplatten wie angegeben 1/3 der Menge übereinander zu schichten und habe deshalb ein paar mehr und dafür dünnere Schichten gemacht. Letztendlich hat es aber doch ganz gut geklappt. Ich hätte nur vielleicht eine größere Auflaufform nehmen sollen, denn am Ende türmte sich auf den einzelnen Lasagneschichten ein ordentlicher Käseberg aus Mozzarella und Pecorino und tröpfelte stetig auf den Boden meines Backofens.

Beispielseite Mad HungryWirklich hilfreich war der Tipp, die Lasagne nach dem Backen für 10 bis 15 Minuten ruhen zu lassen, so lässt sie sich gut schneiden und zerfällt nicht so schnell. Bei den Mitessenden (allesamt männlich) kam die Lasagne sehr gut an, mir selbst war es anteilig ein bisschen zu viel Ricotta-Pecorino-Masse im Vergleich zur Tomaten-Bratwurst-Sauce, aber das ist wirklich eine Geschmacksfrage und lässt sich beim nächsten Mal leicht anpassen. Ansonsten schmeckte es wirklich gut, war relativ leicht zuzubereiten (die Tomatensauce extra zu kochen muss meines Erachtens nicht zwingend sein, aber wenn man noch ein bisschen davon eingefroren hat, geht es ja auch ruckzuck) und schmeckte auch am nächsten Tag noch.

Fazit: Ein leckeres Lasagnerezept, das mit Bratwurst satt Hackfleisch, Ricotta statt Bechamelsauce und Pecorino und Mozzarella statt Parmesan und geriebenem Gouda o.ä. schön würzig und etwas besonderer schmeckt als die klassische Lasagne.

Übrigens: In ihrem Mad Hungry Blog stellt Lucinda Scala Quinn regelmäßig einige ihrer Rezepte vor.