Im Gespräch mit Kristin Lukas zum Thriller-Debüt

Wie eine Professorin für Immobilienmanagement dazu kommt einen Thriller zu schreiben? Sie geht einfach ihrer privaten Leidenschaft nach und schreibt ihr Debüt „Das Letzte, was du siehst“ vor der Szenerie in der sie sich am besten auskennt – die Immobilienbranche. Ihr Debüt spielt jedoch nicht nur vor einer ungewöhnlichen Kulisse für einen Kriminalroman, sondern bedient sich auch hoher Spannungen und Wendungen. Inmitten von diesem Geschehen befindet sich die Protagonistin Marie Wagenfeld, IT-Beraterin für Immobilienfonds. Sie ist es auch, die die brutal zugerichtete und enthauptete Leiche eines Kollegen entdeckt. Obwohl Marie eigentlich nur Zeugin ist, wird sie dennoch zusammen mit Kommissar Kellermann immer tiefer in die Ermittlungen gezogen – schließlich geht es ja um einen lieben Kollegen. Dabei stellt sich heraus, dass dieser alles andere als ein Unschuldslamm war: Unlautere Geschäftspraktiken, Kontakte in die SM-Szene und Erpressungsversuche sind nur wenige der Vergehen, die im Laufe der Ermittlungen aufgedeckt werden…

Frau Lukas, im Hauptberuf sind Sie Professorin für Immobilienmanagement. Wie sind Sie auf die Idee gekommen, einen Thriller zu schreiben?
In meinem Arbeitsumfeld an der Hochschule arbeitete ich intensiv mit einer guten Freundin zusammen. Gemeinsam haben wir etliche Fachartikel verfasst und Leitfäden zur Immobilienwirtschaft herausgegeben. Privat teilen wir die Leidenschaft für Krimi und Thriller. Von ihr stammte die Idee, einmal etwas ganz anderes zu machen. Für den Anstoß bin ich ihr sehr dankbar. Das Schreiben bereitet mir viel Freude und hat sich zu einer willkommenen Abwechslung entwickelt. Daher habe ich den Roman auch ihr gewidmet.

Wie viel ist der Realität entnommen, wie viel ist frei erfunden? Ist Marie Wagenfeld Ihr Alter Ego?
„Das Letzte, was du siehst“ ist mein erster Roman. Am Anfang habe ich mich gefragt, kann ich überhaupt einen Krimi schreiben, Spannung erzeugen, den Leser fesseln. Das war Herausforderung für mich genug und so habe ich es mir mit dem Hintergrund der Story einfach gemacht. Ich habe die Kulisse der Immobilienbranche gewählt, eigene Erlebnisse verwoben und mich auch bei der Darstellung der Personen von mir selbst und Charakteren aus der Branche inspirieren lassen. Letztendlich ist es immer ein Zusammenspiel aus Fiktion und Realität. Aber so viel kann ich verraten: Ich habe noch nie einen Toten entdeckt.

Wie reagiert Ihr Umfeld auf „Das Letzte, was du siehst“? Fühlt sich jemand auf die Füße getreten?
Bis jetzt habe ich noch keine Beschwerden gehört. Aber ich denke auch nicht, dass welche auftreten werden. Es handelt sich ja um fiktive Figuren. Sie sind zusammengesetzt aus Charakterzügen unterschiedlicher Menschen, die mir im Leben begegnet sind. Es wird sich daher auch kein Leser als Person in dem Roman wiederfinden.

Überrascht war mein Umfeld über die Härte des Romans. Manche Situation würden die Grenzen des Ekels überschreiten und nur schwer zu ertragen sein. Genau das wollte ich jedoch provozieren. Der Roman spielt immer wieder mit Machtkonstellationen. Menschen, die andere dirigieren und demütigen wollen. Diese Machtdemonstrationen spiegeln sich dann auch in den Szenen wieder.

Der Thriller besticht durch seine vielen Wendungen. Haben Sie das alles von Anfang an geplant?
Nein, ganz und gar nicht. Ich hatte eine grobe Idee, eine sehr vage Linie, die ich verfolgt habe und die sich dann im Laufe des Schreibprozesses weiterentwickelt hat. Wenn jemand sagt, er wüsste nach den ersten hundert Seiten, wer der Mörder ist, würde ich mich wundern. Zu der Zeit war mir der Täter selbst noch nicht bekannt. Ich mag es, mich von den Geschehnissen treiben zu lassen. Auch bei der Hintergrundrecherche stößt man auf interessante Aspekte. Plötzlich macht es Klick und ich weiß, dass ich genau diese Idee integrieren möchte.

Wo ist der Roman entstanden? Wann hatten Sie dazu die Zeit?
Ich bin beruflich viel unterwegs, besuche Unternehmen aus der Immobilienwirtschaft kreuz und quer in Deutschland und ziehe es vor, mit der Bahn zu reisen. Für mich ein idealer Ort, um mich dem Schreiben zu widmen. Ich höre dabei Musik, sodass mich die Hintergrundgeräusche nicht ablenken. Wenn ich nicht unterwegs bin und in meinem tagtäglichen Hochschulalltag Zeit zum Schreiben finde, ziehe ich ein Café jedem anderen Platz vor.

 Andere Autoren sprechen von der Angst vor dem weißen Blatt Papier? Kennen Sie dieses Gefühl?
Nein, das kenne ich zum Glück nicht. Mit fällt es leicht zu schreiben und mir fällt auch immer etwas ein. Dabei schreibe ich eine Geschichte erst mal zu Ende. So entsteht eine ungeheure Dynamik, während des Entwicklungsprozesses. Das Feilen an Textstellen und Figuren folgt dann erst im zweiten Schritt.

Ihre Protagonisten, die IT-Beraterin Marie Wagenfeld und der etwas wortkarge Kommissar Kellermann, sind ja ein sehr ungewöhnliches Ermittlergespann. Marie gerät nur zufällig in den Fall und wird von Kellermann instrumentalisiert. Hat ein solches Duo eine Zukunft, haben Sie Ideen für eine Fortsetzung? 
Ideen habe ich bereits viele. Die versuche ich jetzt, in einer Fortsetzung zu verarbeiten. Das Duo ist auch mir sehr ans Herz gewachsen und ich bin selbst gespannt, wie es mit den beiden weitergehen wird. Ich hoffe, es gelingt mir.

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