Interview mit Jung-Autor Henri Pose

Henri Pose, geboren 1995, wuchs in Hamburg auf und hatte schon als Kind den Traum, einmal ein Buch zu schreiben, was so spannend ist, dass die Leser es bis drei Uhr Morgens nicht aus der Hand legen können. Im Oktober 2016 erschien dann sein erster Thriller „Der letzte Schwan“ bei Midnight, einem Digital-Imprint des Ullstein Verlags. Der Hamburg-Krimi um Privatdetektiv David Brügge kam so gut an, dass sich Brügge ab dem 17. Februar um einen „Mord an der Alster“  kümmern muss. Wir haben mit Henri über seine Leidenschaft zu Schreiben und seine Inspiration für seine Thriller gesprochen. 

Wolltest Du schon immer schreiben? Magst Du uns Deinen Werdegang kurz schildern?

Ich habe relativ früh das Lesen für mich entdeckt und dann kam schnell der Wunsch zu schreiben dazu. Erst kleinere Geschichten, dann mit 14 oder 15 das erste Buch. Damals legte ich allerdings mehr Wert darauf mit Konventionen zu brechen, als eine spannende Geschichte zu erzählen. Einige Jahre lang probierte ich viel herum und veröffentlichte schließlich „Eridanos“ im Selbstverlag, einen experimentellen Thriller in Form einer Novelle: Die Handlung war symbolhaft geschildert und der Clou des Buches die Auflösung, die es ermöglichte, die Handlung auf acht verschiedene Arten zu interpretieren. Das ganze Konzept klingt inzwischen verrückt und ist auch tatsächlich sehr speziell, doch vielen Lesern hat gerade das gefallen. Etwas später habe ich die klassische amerikanische Kriminalliteratur („Hardboiled Krimis“) für mich entdeckt und war schwer beeindruckt. Wie die Autoren spannende Kriminalfälle mit literarischem Anspruch umsetzten, hielt mich Nächte lang wach. Ich dachte mir „So was möchte ich auch schreiben!“, doch ich hatte zwei Probleme: Ich lebte weder in den 1920ern noch in Amerika und wollte nichts schreiben, womit ich mich nicht wirklich auskannte. Also sanierte ich das Konzept und übertrug es ins Hamburg des 21. Jahrhunderts. Heraus kam „Der letzte Schwan“ und erschien in der Digitalsparte „Midnight“ des Ullstein Verlags. Dem Verlag gefiel das Buch so gut, dass es als erster Teil einer Reihe eingeführt wurde. Nun folgt darauf der zweite Teil namens „Mord an der Alster“.

Dein erster Krimi „Der letzte Schwan“ ist im Oktober 2016 erschienen, nun ist „Mord an der Alster“ erschienen. – Bauen die Bücher aufeinander auf?

Die Bücher sind unabhängig voneinander zu lesen. Man kann also problemlos bei „Mord an der Alster“ einsteigen. Natürlich werden diejenigen, die den Erstling gelesen haben, einige Charaktere wiedererkennen und bestimmte Anspielungen verstehen. Doch mir war es sehr wichtig, eine Krimi-Reihe zu schreiben, in der die einzelnen Fälle unabhängig voneinander sind. Ich als Leser mag es ja auch nicht, Buch 12 einer zwanzigteiligen Reihe empfohlen zu bekommen und dann erst einmal Band 1-11 lesen zu müssen.

Was hat Dich zu Deinen Büchern inspiriert?

Alle meine bisherigen Bücher spielen in Hamburg und die Stadt ist definitiv eine meiner größten Inspirationen. Es gibt jene berühmten Plätze wie die Außenalster und die Reeperbahn, aber auch wunderschöne geheime Ecken und überall etwas zu entdecken. Auch die Menschen haben eine bestimmte Art, wie sie leben und reden und erzählen. Ich liebe den trockenen Humor und die unverblümte Ehrlichkeit der Hamburger. Auch die Vielfalt der Kulturen und sozialen Schichten, die oft Tür an Tür leben, sind etwas, was man in der Form nicht in vielen Großstädten hat. Viele dieser Erlebnisse und Beobachtungen haben meine Romane beeinflusst.

Wer ist Dein Lieblingscharakter in den Romanen und warum?

Das ist eine schwierige Frage, weil mir beim Schreiben alle Figuren ans Herz gewachsen sind – selbst die Bösen, muss ich zugeben. Aber letztendlich muss ich mich für meinen Protagonisten entscheiden: David Brügge gerät zwar ein ums andere Mal in Schwierigkeiten und hat in seiner Vergangenheit viele Fehler begangen, doch wenn er vor die Wahl gestellt wird, entscheidet er sich für das Richtige. Außerdem hat er die Gabe, innerhalb von Sekunden die cleversten Antworten auf die fiesesten Fragen zu geben, und ist seinen Gegnern immer wieder einen Schritt voraus. Wie könnte man ihn nicht mögen?

Welche Szene war am schwierigsten zu schreiben?

In jedem meiner bisherigen Bücher gab es Szenen, an denen ich erst einmal nicht weiterkam und viel nachdenken musste, bevor ich ein weiteres Wort schrieb. „Mord an der Alster“ ging im direkten Vergleich sehr flüssig zu Papier. Womit ich mir allerdings bei jedem Buch schwertue, ist der Anfang: Beim Schreiben spielt immer die eigene Erwartungshaltung mit rein und gleichzeitig frage ich mich oft, was ein Leser jetzt denken würde. Viele Leser entscheiden bereits nach den ersten paar Seiten, ob ihnen ein Buch gefällt oder nicht, ob sie es zu Ende lesen oder nicht – ich verstehe das, denn mir geht es oft nicht anders. Allerdings übt dieses Wissen auch einen gewissen Druck beim Schreiben aus, mit dem man erst lernen muss umzugehen.

Du bist in Hamburg geboren und aufgewachsen, deine Krimis spielen nun in der Hansestadt – Wie viel Recherchearbeit ist trotz Deiner guten Ortskenntnis nötig gewesen?

Das war von Buch zu Buch sehr unterschiedlich. Für „Eridanos“ habe ich relativ wenig recherchiert, da das Buch entweder an fiktiven Orten in und um Hamburg spielt oder ich die Orte sowieso schon kannte. In „Der letzte Schwan“ sind zig Stunden Recherchearbeit geflossen, denn das Schauplatzkonzept des Buches war es, Hamburg von einer anderen Seite zu zeigen: Zum einen die weniger populären Stadtteile und Plätze, zum anderen aber auch unbekannte Orte. So spielt eine Szene in einer seit dem zweiten Weltkrieg stillgelegten U-Bahn Linie, die einmal quer unter der Hamburger Innenstadt verläuft. Eine andere Szene hingegen spielt in einem uralten Bunker. Ich war fasziniert von der Vorstellung, dass Menschen tagtäglich an diesen Orten vorbeigehen und nichts von deren Existenzen wissen – also vergrub ich mich in Archiven und Blogs, um alles über diese Orte herauszufinden. Für „Mord an der Alster“ habe ich einen anderen Ansatz gewählt, denn in gewisser Weise limitieren diese Schauplätze mich als Schriftsteller auch. Außerdem möchten nicht alle Leser so viel Hintergrundwissen über Orte mitgeteilt bekommen, die der Öffentlichkeit gar nicht zugänglich sind. Was hingegen fast alle Leser mögen – und auch ich als Autor –, sind Orte, die sie kennen oder problemlos besuchen können. Du kannst „Mord an der Alster“ lesen, die Strecken mit dem Auto abfahren und die Schauplätze besichtigen. Im übrigen war das auch meine Form der Recherche für das Buch: Ich habe die Schauplätze aufgesucht, mich hingesetzt und angefangen zu schreiben. Meist bin ich so lange dort geblieben, bis die Szene fertig gestellt war. Diese Art zu schreiben habe ich als sehr inspirierend empfunden und ich glaube, dass diese Form des Engagements für den Leser „erfühlbar“ ist. Was mir auch sehr viel Spaß gemacht hat, war es, spannende Hintergrundgeschichten bestimmter Orte an den Leser weiterzugeben, wie zum Beispiel die des „Schulterblatts“ im Hamburger Schanzenviertel oder des großen Brands von 1842 und der Folgen für die Stadt. Natürlich sind dem Realismus aber immer Grenzen gesetzt: So habe ich darauf verzichtet, den Leser mit zu vielen Straßennamen zu belasten oder, was den Standort einiger Häuser angeht, zu konkret zu werden. Ich möchte meinen Mitbürgern auf keinen Fall einen fiktiven Mord ins reale Haus schreiben.

Auch in Deinem zweiten Roman verfolgen die Leser die Arbeit des Privatdetektiv David Brügge. Werden wir noch mehr von Brügge lesen können? Wie geht es weiter?

Ich arbeite im Moment an verschiedenen Ideen und werde diejenige umsetzen, die mir am spannendsten erscheint. Ob und wann es einen nächsten David-Brügge-Roman geben wird, kann ich also noch nicht genau sagen. Die Figur und das ganze Drumherum bieten allerdings auf jeden Fall Stoff für mehr Geschichten.

Zum Schluss noch zwei allgemeine Fragen: Liest Du lieber digital oder analog?

Ich habe mich bewusst für „Midnight“ als die Digitalsparte des Ullstein Verlages entscheiden: Die Lesequalität der meisten eBook-Reader steht dem Printbuch in nichts nach und für mich als Viel-Leser ist es günstiger und bequemer – wer möchte denn schon mit fünf Kilo Büchern in den Urlaub fliegen? Allerdings muss ich gestehen, dass ich selbst noch nicht so lange digital lese und mir Bücher, die mich sehr begeistert haben, nachträglich nochmal in der Printversion besorge – ich glaube, das wird sich auch nicht mehr ändern.

Welches Buch oder eBook liegt aktuell auf Deinem Nachtschrank?

Im Moment lese ich wieder einmal „Gone Baby Gone“ von Dennis Lehane – einen der besten Teile seiner Kenzie & Gennaro Reihe, welche mich übrigens auch dazu inspiriert hat, selbst eine Krimi-Reihe zu schreiben. Ich bin immer noch davon fasziniert, dass man von Buch zu Buch mit ansehen kann, wie Lehane sich als Schriftsteller entwickelt hat. Obendrein sind die Geschichten wahnsinnig spannend und zugleich tiefschürfend erzählt. Großartig!

Vielen Dank, Henri, für das tolle Interview!

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