Rezension zu “Das entehrte Geschlecht” von Ralf Bönt
Als im vergangenen Jahr die Journalistin Ursula März in einem Artikel forderte, man solle bitte einmal zwei Jahre nicht mehr von der Emanzipation der Frau reden, da fühlte sich der Schriftsteller Ralf Bönt (Die Entdeckung des Lichts) angesprochen und reagierte mit einem Artikel in der Süddeutschen Zeitung, in dem er ein solches Moratorium begrüßte, denn dann habe man mal Zeit, um von den Männern zu reden: „Es ist – mit oder ohne Moratorium – an den Männern, endlich ihre eigenen Ansprüche auf Freiheiten zu formulieren.“
Und Bönt ließ Taten folgen, nachdem er für seinen Artikel großen Zuspruch erfahren hatte. Er unterbrach die Arbeiten zu einem neuen Roman und schrieb seine wohl schon seit vielen Jahren mit sich herumgetragenen Gedanken nieder in einem Manifest: Das entehrte Geschlecht (auch erhältlich als Taschenbuch). „Mich macht frei, was nicht ist wie ich, denn dann muss ich nicht sein wie es“, sagt er an einer Stelle und formuliert so die Beziehung und das Verhältnis nicht nur zwischen Frauen und Männern, sondern auch das der Männer untereinander.
In einer Zeit, in der sich junge Frauen darüber zu beklagen beginnen, die Männer, denen sie begegneten, seien ihnen zu weich und schwammig, in einer Zeit, in der Hunderttausende von Männern in den vergangenen zwei Jahrzehnten andere, neue Erfahrungen mit ihren Kindern und ihren Frauen gemacht haben, indem sie sich eingelassen haben auf sie, ihre Prioritäten verändert und zu überraschenden Erkenntnissen über sich selbst gekommen sind, haben sie sich dennoch, anders als die Frauen seit den siebziger Jahren fast gar nicht vernetzt. Jeder kämpft und verändert sich allein oder eben nicht.
Jetzt ist es an der Zeit, das zu ändern und das Bönt`sche Manifest will wie eine Initialzündung dafür wirken: “Jetzt werden Männer Maßnahmen ergreifen, um die emotionale und physische Ausgrenzung aus der Familie zu beenden. Männer werden aufhören, sich als reine Funktionsträger zu begreifen. Der Mann wird seinen Körper respektieren und Eigenliebe entwickeln, die sich nicht auf sekundäre Eigenschaften und seine Leistungsfähigkeit beziehen, sondern unkonditioniert auf seine bloße Existenz. Er wird sich lieben und bemerken ob er geliebt wird oder nicht.“
Und er wird, so möchte der Rezensent hinzufügen, sein für richtig und authentisch gehaltenes Verhalten, seine Gefühle nicht mehr deshalb unterdrücken, weil es irgendeinem anderen nicht gefällt, sei es nun seine eigene Partnerin oder irgendjemand sonst: „Mich macht frei, was nicht ist wie ich, denn dann muss ich nicht sein wie es.“
| Artikel drucken | Dieser Beitrag wurde von Winfried Stanzick am 18. April 2012 um 08:07 veröffentlicht und unter Rezensionen abgelegt. Du kannst allen Antworten zu diesem Beitrag durch RSS 2.0 folgen. Kommentare und Pings sind momentan deaktiviert. |




