Rezension zu “Das Gewicht des Schmetterlings” Erri de Luca
Dieses kleine Buch ist ein beeindruckendes und bezauberndes Epos und der Beweis, dass man mit wenigen Seiten und einer dichten, kräftigen, lebendigen und poetischen Sprache große Literatur schreiben kann.
Dem italienischen Schriftsteller Erri de Luca, der erst im Alter von vierzig begann, zu schreiben und seither mehr als zwei Dutzend sehr erfolgreiche Bücher in Italien publizierte, ist mit Das Gewicht des Schmetterlings (auch erhältlich in der Print-Ausgabe) ein Meisterwerk gelungen, das in Italien zum Kultbuch wurde und das nun auch in Deutschland mehr und mehr Erfolg hat. Schon sein Der Tag vor dem Glück hat 2010 viele Menschen begeistert und seinem soeben erschienenen frühen Roman Montedidio wird es ähnlich ergehen.
Das Buch erzählt die Geschichte eines in die Jahre gekommenen Wilderes hoch in den Bergen und seines Gegenspielers, dem König der Gämsen. Seit Jahren beobachten die beiden sich gegenseitig, schieben das letzte Duell, den letzten Kampf auf. Doch als beide spüren, dass ihre Zeit gekommen ist, der Höhepunkt ihrer Kraft überschritten ist, kommt es zu einer schicksalhaften Begegnung.
Mit dichten Worten, eine ganz eigene Spannung aufbauend, erzählt Erri de Luca, wie sich da zwei Einzelgänger, ein Mensch und ein Tier aufeinander zu bewegen, langsam und unausweichlich, wie einem archaischem Naturgesetz gehorchend. Immer wieder taucht dazwischen ein weißer Schmetterling auf, der sich für kurze Zeit auf das Horn des Gämsenkönigs setzt.
Er, das heißt „das Gewicht des Schmetterlings“ wird am Ende den kaum spürbaren, aber höchst wirksamen Ausschlag geben, dass ein Ausgleich hergestellt wird zwischen zwei ganz besonderen Lebewesen.
Es ist ein Buch, an dessen Sprache man sich ergötzt, so schön beschreibt sie trotz Tod und Schwere ein Fest des Lebens und der Leichtigkeit. Ein großes Werk voller Schönheit und Poesie.
| Artikel drucken | Dieser Beitrag wurde von Winfried Stanzick am 18. Juli 2012 um 15:40 veröffentlicht und unter Rezensionen abgelegt. Du kannst allen Antworten zu diesem Beitrag durch RSS 2.0 folgen. Kommentare und Pings sind momentan deaktiviert. |




