Veronique Olmi, In diesem SommerSeit vielen Jahren schon treffen sich jedes Jahr am 14. Juli, dem französischen Nationalfeiertag drei Paare in einem Ferienhaus in der Normandie, direkt am Meer. Das Haus gehört Delphine und Denis, der ein erfolgreicher und sehr wohlhabender Manager ist. Ihre Ehe ist seit Jahren schon in einem sehr prekären Zustand; sie stehen kurz vor Trennung, können es sich aber beide noch nicht eingestehen. Ihr Umgang miteinander ist schmerzhaft lieblos und kalt, besonders schlimm schon seit Jahren für ihre beiden Kinder, und auch kleine Versuche daran etwas zu ändern, scheitern schon in der Sekunde, in der sie unternommen werden.

Ihre beiden Kinder sind von Kind auf mit dabei, genau wie Nicolas und Marie. Nicolas ist ein sehr engagierter Lehrer, der vor drei Jahren eine schwere Depression hinter sich gelassen hat, dauernd in Sorge, die Symptome könnten zurückkehren. Über die Ursache seiner Krankheit hat er seine Frau im Unklaren gelassen, bis er sich im Verlauf des Wochenendes ihr öffnet. Eine von zahlreichen Befreiungen, die die Menschen dort in dem Ferienhaus von sich selbst und ihrer belastenden Vergangenheit erleben. Auch Marie hadert, älter werdend, mit ihrer stockenden Schauspielerkarriere, in der ihr nur noch Großmütterrollen angeboten werden – eine Katastrophe für ihr ohnehin angeschlagenes Selbstbewusstsein.

Und da ist noch Lola, die dritte im Bunde, die bisher jedes Jahr einen neuen jüngeren Liebhaber mitgebracht hat nach Coutainville, einen früher heimeligen Ort, der sich aber genauso verändert hat wie die drei Paare, die seit über zwei Jahrzehnten dort hinfahren über den 14. Juli.

Über eine gewisse Zeit der Lektüre haben mich die nichtssagenden, gelangweilten und frustrierten Personen und vor allem ihre knappen und zynischen Dialoge regelrecht abgestoßen. Langsam, ganz langsam bringt Veronique Olmi mit großer Kunst und Sensibilität etwas Bewegung in die vereisten Beziehungsstrukturen. Und das hängt nicht nur damit zusammen, dass ein gewisser Dimitri auftaucht, ein Jugendlicher, der mit Jeanne, der Tochter der Hausherren anbändelt.

Man ahnt schon vor dem Ende, dass hier vieles nicht so bleiben kann und wird, wie es war und ist, ist aber dennoch recht positiv überrascht davon, wie einzelne Personen dann doch ihr Leben in die Hand nehmen.

In diesem Sommer ist ein unterhaltsamer Roman, der nie seicht wird. Er ist weitaus mehr als ein leichter Sommerroman. Sein Thema kann (Vorsicht!) die eigenen Beziehungsfragen und die eigenen „Leichen im Keller“ durchaus wachrütteln.