Allesamt schon einmal im STERN erschienen, bewegen sich die hier nun als Buch zusammengefassten „Pöbeleien aus einem besetzten Land“ des Leipziger Stern-Journalisten Holger Witzel auf dem schmalen Pfad zwischen scharfsinniger Reportage und vorurteilsbeladener, bissiger Satire.

Seine Kolumnen beschreiben, was eine große Zahl von Bundesbürgern im Osten des Landes wirklich denkt und empfindet bei all der penetranten Musterelternschaft und teilweise krimineller Aufbauhilfe, die ihnen da in der letzten beiden Jahrzehnten aus dem Westen angedient wurden.

Man ist zunächst geneigt, seine Texte zu lesen als Satire, als eine Art Ostvariante der im Westen schon langem grassierenden permanenten Comedy auf allen Kanälen. Doch das, was Witzel da beobachtet und mit spitzer Feder beschreibt, sind Fakten, die man nicht einfach abtun kann. Sie treffen einen Kern der Wahrheit über den inneren Zustand unseres Landes, für den Witzel nur einen Vorschlag kennt: Schnauze Wessi!

Wenn er das als Überschrift zu seinen Kolumnen in Richtung Westen ruft zu einer Klientel, die Bücher aus einem Verlag liest, der bekannt ist für die christliche und liberale Orientierung seines Programms, verbindet sich bei ihm das möglicherweise mit der stillen Hoffnung, dass die Wessis ihren Mund nicht halten, sondern sich endlich ehrlich mit dem befassen, worauf er hinweisen will.