Waltraut Barnowski-Geiser, Vater, Mutter, Sucht„Warte nicht bis der Sturm vorbei ist, sondern lerne, im Regen zu tanzen“.

Mit dieser Weisheit einer unbekannten Quelle leitet die Musiktherapeutin Waltraut Barnowski-Geiser ihr Buch Vater, Mutter, Sucht
Wie erwachsene Kinder suchtkranker Eltern trotzdem ihr Glück finden können
ein. Seit vielen Jahren hat sie sch unter anderem auf die Arbeit mit Menschen spezialisiert, die unter einer familiären Suchtbelastung leiden.

Denn wenn der Vater oder die Mutter trinkt oder einer anderen Sucht verfallen ist, dann ist nicht nur die Kindheit eines Menschen von schweren Problemen überschattet, sondern oft auch sein ganzes weiteres Leben. Die Gefahr, selbst süchtig zu werden, ist nicht weniger groß als die, in einer in der Kindheit erlernten Co-Abhängigkeit immer wieder Beziehungen zu suchtkranken Menschen aufzunehmen, die das persönliche Leid nur noch vergrößern und das erlittene Trauma endlos zu wiederholen scheinen.

Die Autorin geht dem genau nach, lässt immer wieder Betroffene erzählen und beschriebt sehr detailliert, dass niemand allein krank ist, sondern dass es in der Regel eine Suchtfamilie ist, die zur Krankheit führt.

Sie beschreibt die sieben Stärken und die sieben Wunden erwachsener Suchtkinder und wie man sie nutzt bzw. bearbeitet.

Die sieben Stärken überschreibt sie mit der „Kraft des Dennoch“:

• Ich schaffe das! – Belastbarkeit
• Ich gebe nicht auf! – Durchhaltevermögen
• Ich stehe zu Dir! – Treue
• Ich komme mit allen gut zurecht! – Soziale Kompetenz
• Ich kann mich gut in anderen einfühlen! – Feinfühligkeit
• Ich bin schnell und flexibel! – Managerqualitäten
• Um mich herum sind alle gut drauf! – Stimmungsexperten

„Auf den Spuren des Tabus“ geht sie den sieben Wunden von Suchtkindern nach:

• Die Wunde der Täuschung – „Es ist doch gar nichts!“
• Die Wunde der Isolation – Wie es innen aussieht, geht niemand etwas an!
• Die Wunde der Gefühlsüberschwemmung – Taumel zwischen Schuld und Sehnsucht
• Die Wunde der Verstrickung – Suchtkinder im Sog der Abhängigkeiten
• Die Wunde der Leere – Von Beziehungsjunkies und Beziehungsabstinenten
• Die Wunde der Heimatlosigkeit – Von der unendliche Suche der Suchtkinder
• Die Wunde der Entwertung – Wenn alles ver-rückt!

Mit einem 7-Schritte Programm zu einem glücklichen Leben bietet sie am Ende des Buches betroffenen Lesern eine Übungsreihe an, mit der sie sich selbst auf die Spur kommen bzw. sich selbst auf eine neue Spur setzen können.

Das abschließende Stärkungsritual hat mir gut gefallen, es ist für alle Menschen hilfreich, auch für die, die keinen Suchthintergrund haben:

1. Ich achte auf mich!
2. Ich schütze mich.
3. Ich würdige meine Belastung, ich würdige meine Stärken.
4. Ich spüre den Boden, der mich trägt – ich finde meinen Standpunkt.
5. Ich öffne mich.
6. Ich drücke aus, was mich bewegt.
7. Ich verbinde mich mit anderen.