Rezension zu „Die Spionin“ von Paulo Coelho

Paulo Coelho ist ein Autor, von dem ich bis vor kurzem noch nichts gelesen hatte, obwohl ich es mir immer wieder vorgenommen habe. Paulo Coelho, geboren 1947 in Rio de Janeiro, lebt heute mit seiner Frau Christina Oiticica in Genf. Alle seine Romane, insbesondere Der Alchimist, Veronika beschließt zu sterben, Elf Minuten und zuletzt Untreue, sind Weltbestseller, wurden in 81 Sprachen übersetzt und erreichten eine bisherige Weltauflage von über 210 Millionen Exemplaren. Seine Reflexionen und die Themen seiner Bücher regen weltweit Leser zum Nachdenken an und dazu, ihren eigenen Weg zu suchen. Mit seinem kürzlich erschienenen Roman Die Spionin über das Leben von Mata Hari hat er nun genau meine Lesevorliebe getroffen. Warum ich Die Spionin dann in einem Rutsch durchgelesen habe und so angetan davon bin, verrate ich Euch in diesem Beitrag. 

Worum geht es?

Paulo Coelho verleiht in Die Spionin Mata Hari eine eigene Stimme. In einem (fiktiven) Brief, den sie kurz vor ihrer Hinrichtung aus dem Gefängnis an ihren Anwalt schreibt, lässt er Mata Hari ihr Leben noch einmal revuepassieren: ihre unglückliche Ehe in Niederländisch-Ostindien, ihre Erfolge als exotische Tänzerin und wie es in den Wirren des Ersten Weltkriegs zur Anklage wegen Spionage und als Doppelagentin kam.

Wie fand ich … den Einstieg?

In einem Prolog stellt Paulo Coelho dem eigentlichen Brief von Mata Hari deren Hinrichtung voran. In einer einzigen Szene wird dieses Ereignis in einem sehr sachlichen und nüchternen Tonfall beschrieben, der sich auf reine Fakten beschränkt. Dass damit das Ende von Die Spionin vorweggenommen wird, störte mich nicht im Geringsten. Schließlich handelt es sich bei der Protagonistin um eine historische Person, deren Tod ohnehin bereits jedem bekannt ist. Dennoch gelang es Paulo Coelho durch seine Beschreibung, mit welcher Gefasstheit Mata Hari ihrem eigenen Tod entgegentritt, mich noch neugierig auf diese außergewöhnliche Frau zu machen, als ich ohnehin schon war. Der Einstieg weckte bei mir die Erwartung, in dem Roman zu erfahren, was für eine Persönlichkeit Mata Hari eigentlich war und wie es zur Anklage und Verurteilung kam.

… den Handlungsverlauf?

Bei Briefromanen habe ich ja immer etwas Angst, dass der Schreiber zu sehr springt, bestimmte Dinge vorwegnimmt oder zu weit abschweift. Als stark strukturiert denkender Mensch ist es mir immer ein Graus, wenn der rote Faden einer Erzählung kaum oder gar nicht mehr zu erkennen ist. Glücklicherweise folgt Paulo Coelho aber weitestgehend einem chronologischen Aufbau, so dass der Handlungsverlauf stets klar war. Dennoch ist es – wie es sich für einen Brief gehört – natürlich ein stark subjektiv gefärbter Text. Immer wieder werden Mata Haris Interpretationen und Mutmaßungen eingestreut. Auch erklärt sie ihre wichtigsten Lebensentscheidungen. So wirkt der Handlungsverlauf von Die Spionin in sich sehr schlüssig. Obwohl letztlich nur bekannte Fakten genannt werden, hatte ich das Gefühl, Mata Hari tatsächlich ein Stück näher zu kommen.

… den Schluss?

Am Schluss überraschte mich Paulo Coelho noch einmal, in dem er die Sicht auf den Spionageskandal um eine weitere, neutralere Perspektive erweitert. Auf Mata Haris sehr langen Brief über ihr Leben folgt in einem dritten Teil der Brief ihres Anwalts. Darin gibt dieser seine Einschätzung zum Spionageprozess, Mata Haris Verhalten im Gerichtssaal und der Rolle der Ankläger wieder. Auch wenn am Ende nicht alle Fragen beantwortet werden und einiges Spekulation bleibt, entsteht so doch ein deutlicheres Bild davon, was an den Spionagevorwürfen, die gegen Mata Hari erhoben wurden, tatsächlich dran war. Sie selbst gibt sich im ihrem Brief an diesem Punkt nämlich erstaunlich naiv.

… die Sprache und die Gestaltung?

Die Spionin lässt sich angenehm und flüssig lesen. In nur ein paar Stunden hatte ich es verschlungen. Der Tonfall beider Briefe wirkt so glaubhaft, dass ich mir immer wieder in Erinnerung rufen musste, dass es sich um Fiktion handelt. Zu diesem authentischen Eindruck trägt sicher auch die schöne Gestaltung des Buches bei, das gleich mehrere Schwarz-Weiß-Abbildungen von Mata Hari sowie einen Anhang mit einigen historischen Zeitungsmeldungen enthält.

Weniger überzeugend wirkten auf mich hingegen Sätze wie dieser:

Ich bin eine Frau, die im falschen Jahrhundert geboren wurde.(Seite 24)

Dass Mata Hari dies tatsächlich über sich selbst gedacht haben soll, halte ich für sehr unwahrscheinlich. Dazu fehlte ihr wahrscheinlich der nötige zeitliche wie persönliche Abstand zur eigenen Lebensgeschichte.

Wie gefiel mir das Buch insgesamt?

Ich habe Die Spionin gerne und mit wachsender Begeisterung gelesen. Paulo Coelho schreibt sehr lebendig und spannend, so dass es mir schwerfiel, das Buch wieder aus der Hand zu legen. Tatsächlich habe ich es mehr oder weniger am Stück durchgelesen.

Obwohl ich vorher bereits einiges über Mata Hari gelesen hatte, wurde mir mit Die Spionin nicht langweilig. Allein die schöne Erzählperspektive machte das Buch für mich interessant. Auch inhaltlich konnte ich einiges neues erfahren. Vor allem über die Vorwürfe der Doppelspionage hatte ich bis dato noch nicht viel erfahren. Diesen Lebensabschnitt beleuchtet Paulo Coelho besonders intensiv, in dem er mit Mata Haris Anwalt eine zweite Perspektive hinzufügt.

Dass bis zum Schluss offenbleibt, ob die Anklage nun gerechtfertigt war oder ob Mata Hari, die durch ihre Kunst Zugang zu den höchsten Kreisen erlangte, einfach zu viel wusste und Opfer einer Verschwörung wurde, empfand ich keineswegs als Manko. Es ist Teil des Mythos um Mata Hari.

Die Spionin ist ein kurzweilig geschriebenes Buch um eine faszinierende Frau mit einem großen Freiheitsdrang. Paulo Coelho verleiht Mata Hari darin eine sehr authentische Stimme und macht den Mythos um eine der ersten Erotikstars wieder lebendig. Mich konnte das Buch restlos überzeugen.

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