Rezension zu „House of God“ von Samuel Shem

19012664_19012664_xlWir freuen uns, euch heute eine weitere Gastrezensentin vorstellen zu dürfen: Isabell Schuster bloggt unter Tinkerbells´s Bücherwelten über ihre liebsten und ständigen Begleiter: natürlich Bücher! Isabell ist „überzeugt davon, dass ein Buch wesentlich mehr ist als beschriebene, Wort befüllte Seiten.“ – Diesem Motto können wir uns natürlich nur anschließen! Ihre erste Rezension für den eBook.de Blog hat sie zu Samuel Shems House of God verfasst. Samuel Shems bissiger Blick auf den Klinikalltag in einem amerikanischen Krankenhaus ist mittlerweile zum Bestseller avanciert. Wir wünschen viel Spaß beim Lesen!

Es ist DIE Pflichtlektüre für angehende Mediziner, solche, die auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt werden müssen und an den Beruf eines Arztes eine zu beschönigende Vorstellung haben. Teilweise zählt es in Medizinvorlesungen als eine Pflichtlektüre bei einigen Professoren, doch selbst unter Studenten ist dieses Buch „House of God“ absolut keine Neuigkeit mehr, eher etwas, was man als Student oder spätestens, wenn es ins Praktische Jahr geht, gelesen haben muss.

Der 30-jährige Dr. Roy Basch ist unser Hauptprotagonist, der eben ein solches Praktisches Jahr, ein „Internship“, durchläuft auf einer internistischen Station im städtischen Krankenhaus, dem „House of God“. Den Internisten / Interns untergeordnet sind die BMS – Anhänger der Best Medical Schools, ihm dagegen übergeordnet dreht sich alles um die Residents (Ärzte in Facharztausbildung), die Fellows, Privates und die Leggos – ein etwas anderer Ausdruck für Chefärzte. Patienten, junge wie alte, halbtote wie auch kerngesunde, gehen täglich ein und aus im House of God.

Shems Roman führt episodenhaft uns durch das Praktische Jahr von Basch, zeigt uns Eindrücke, was ein Arzt bereit ist zu tun, was nicht, unter welchen Bedingungen die Ärzte arbeiten müssen und an vielen Stellen bekommt man den Eindruck, dass sich heutzutage kaum etwas geändert hat und wenn man bedenkt, dass dieses Buch 1970 spielt, ist man wahrlich schockiert.
Sarkasmus und Zynismus sind fast ausschließlich die einzigen Stilmittel gepaart mit bösem, schwarzem Humor, der sich gegen sich selbstverherrlichende Ärzte richtet, die in ihrer Illusion leben, noch heilen zu können. Klar wird, dass die Patienten unter diesen Einstellungen zu leiden haben, sie müssen es tun und werden sogar noch in Schubläden gesteckt, aus denen sie nur schwer herauskrabbeln können. Sie fügen sich. Sind willenlose Leidensträger. Der Glaube an seltsame, obskure Behandlungsmethoden von Basch und seinen Kameraden nimmt immer mehr zu, von Seite zu Seite bis dann die Eskalation droht. Sozusagen ist das auch der einzige Spannungsbogen, den man hier erahnen kann. Um keine Details hierüber zu verraten, enthalte ich mich dieses Mal. Schade ist, dass es alles vorweg nimmt für euch. Lest es selbst, ihr wisst dann genau, was ich meine.

Szenen, in denen deutlich herauskommt, was man im „House of God“ erwarten kann, äußern sich hier wie folgt: „Heute ist mir klar, dass Sex im House of God etwas Zynisches, Trauriges, Krankhaftes war, denn wie alles, was wir im Houe of God taten, war auch der Sex ohne Liebe.“ Nicht nur, dass Patienten in Schubkästen gesteckt werden, auch werden sie mit ihren Leiden kaum ernst genommen und solche, die ohnehin simulieren, werden hier als „Gomer“ bezeichnet. Mit ihnen wird gerade im ersten Drittel von Shem’s Roman sehr viel gespielt, es werden Umgangsregeln den Interns mitgeteilt, oder es kommt zu permanenten Äußerungen der abwertenden Art, wie hier beispielsweise: „Vor meiner Zeit im House of God habe ich alte Leute gemocht. Jetzt sind sie keine alten Leute mehr, jetzt sind sie Gomers, und ich mag sie nicht mehr, kann sie nicht ausstehen.“ (S.  28) Und das nur, weil man durch Alter genau das verloren hat, was menschlich erscheinen mag. Das ist einer der Gründe, die immer wieder zwischen den Zeilen zu lesen sind.

Im „House of God“ sind erschütternde Beschreibungen, latenthaftes Verhalten angehender Ärzte, Melancholie und Zynismus ein steter Begleiter, etwas, dass der Leser niemals abschütteln wird. Es ist eine Art Erlebnisbericht, eine Erfahrung, die immer weitergegeben werden kann für all die Träumer unter den angehenden Ärzten. Zwar ohne Spannungsbogen, viel an Handlung bis auf merkwürdige Behandlungspraktiken, kann man kaum einen hohen Anspruch an Shems Werk stellen.
Der Umgang unter- und miteinander, der sich nicht nur in zig Beziehungen und Verstrickungen untereinander in Form von unzähligen Liebesbekundungen, paradoxen Sexszene und Wünschen äußert, ist eine nette Form der kurz bis mittelfristigen Unterhaltung des Lesers und nichts, was gut vorantreibend und spannend wirkt, ganz nach dem Motto: „Solange Sie nur halb für die Aufnahme zuständig sind, machen Sie auch nur die halbe Untersuchung.“ (S. 124)

Samuel Shem schreibt hier unter seinem Pseudonym, sein richtiger Name lautet Stephen Bergman, der Professor an der Harvard Medical School ist. Autobiographische Züge lassen sich hier durchaus vermuten – und wer „Scrubs – Die Anfänger“ kann sich ohnehin denken, dass dieses Buch ein Muss für jeden Fan ist.

Lust bekommen? House of God bekommt ihr als eBook und Taschenbuch natürlich in unserem Shop!

 

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