Rezension zu “Ehrliche Arbeit” von Norbert Blüm
Viele haben sich geäußert zur Finanzkrise und zu der unendlichen Gier des Finanzkapitalismus. Viele Milliarden an Steuergeldern sind geflossen, nicht nur in Deutschland, um die durch massive Spekulationen vor dem Konkurs stehenden Banken zu retten. Und was machen sie, kaum sind sie wieder aus dem Schneider? Sie machen gerade so weiter, die regelrecht unmoralischen Gehälter und Boni der Manager und Investmentbanker sind höher als je zuvor. Und auch die Anleger verhalten sich so, als sei nichts geschehen. In einer Rezension im März 2009 schrieb ich zu dem Buch Der amerikanische Virus des FAZ-Journalisten Rainer Hank, damals eine der ersten Veröffentlichungen zum Crash:
„Gegen den übereinstimmenden Konsens aller am Diskurs Beteiligten, dass es die Gier der Investmentbanker und der Hedgefonds war, die die Weltwirtschaft in den Abgrund getrieben hat, formuliert Rainer Hank im vorliegenden Buch eine überfällige Gegenstimme zu jener auf allen Kanälen formulierten Empörungsrhetorik, die immer außer acht lässt, dass es eben auch die sogenannten kleinen Leute waren, die sich mit billigen Krediten gerne verführen ließen, und mit dem Run auf die große Rendite für ihre Spareinlagen zu der Gesamtgier nicht unwesentlich beigetragen haben.“
Norbert Blüm, dem man in der Rezeption auch dieses Buches wieder den uralten Vorwurf machen wird, er habe gesagt, die Renten seien sicher und so Millionen von alten Leuten in die Irre geführt, versucht in Ehrliche Arbeit eine schonungslose Kritik und einen „Angriff auf den Finanzkapitalismus und seine Raffgier“ zu formulieren.
Nach einer schon oft so oder anders gelesenen Analyse der Lage unter der Überschrift „Geld regiert die Welt“ kommt er in seinem zentralen Teil des Buches, „Ehrliche Arbeit“, zu seinen Kernthesen, indem er den arbeitenden Menschen, seine Bedürfnisse und seine Würde in den Blick nimmt. Dabei identifiziert er die ehrliche Arbeit als ein „Vehikel der Selbsterfahrung des Menschen“, die zu einem sinnvollen Leben dazugehört. „Aus dem Zwiespalt zwischen Elend der Armut und Hybris der Technokratie wird sie uns möglicherweise retten. Denn einerseits bewahrt sie uns durch Existenzsicherung vor dem tierischen Überlebenskampf, andererseits rettet sie uns durch ihre existenzielle Schwer davor, uns ins unkörperliche Mühelosigkeit aufzulösen.“
Norbert Blüm ist geprägt durch die christliche Soziallehre und hat allen „liberalen“ Moden widerstanden. Hier spricht ein überzeugter Christ und Sozialpolitiker alter Schule und legt eine kluge Analyse der modernen Wirtschaftswelt vor und er wagt auch Prognosen darüber, wie ein tragfähiges Zukunftskonzept aussehen muss. Man muss nicht mit allem übereinstimmen, was er sagt, aber wenn es keine klare, von einer christlichen Position her formulierte Sozialethik auch für die Arbeitswelt mehr gibt, dann hat der Finanzkapitalismus endgültig gesiegt. Auf Kosten der Menschen und ihrer Würde, auf Kosten der Natur und ihrer Zukunft, auf Kosten des Lebens schlechthin.
| Artikel drucken | Dieser Beitrag wurde von Winfried Stanzick am 18. April 2011 um 09:15 veröffentlicht und unter Neuheiten, Rezensionen abgelegt. Du kannst allen Antworten zu diesem Beitrag durch RSS 2.0 folgen. Kommentare und Pings sind momentan deaktiviert. |




