Beiträge getaggt mit Israel
Rezension zu “Zweite Person Singular” von Sayed Kashua
27. Apr
Mit großem Geschick und literarischem Können verwebt der israelische Autor Sayed Kashua in seinem neuen Roman „Zweite Person Singular“ die Geschichte zweier arabischer Israelis. Beide haben die, manchmal uneingestandene, große Sehnsucht, ihre arabische Herkunft zu verleugnen und so zu werden wie die anderen, die jüdischen Israelis.
Schon in seinen beiden ersten Romanen, die vom großen Publikum wenig beachtet wurden, „Tanzende Araber“ (2002) und „Da ward es Morgen“ (2005) hat sich Sayed Kashua mit großer Sensibilität und zum Teil beißender Kritik mit dieser Bevölkerungsgruppe beschäftigt, zu der er selbst gehört. 1975 geboren, lebt er mit seiner Familie im palästinensischen Teil des Dorfes Beit Safafa bei Jerusalem.
Zwei Hauptpersonen werden in diesem Buch in wechselnden, sich im Laufe des Romans auf wundervoll komponierte Weise immer weiter aufeinander
Rezension zu “Wir haben noch das ganze Leben” von Eshkol Nevo
04. Jul
Das im Frühjahr 2007 ebenfalls bei DTV unter dem Titel Vier Häuser und eine Sehnsucht erschienene Romandebüt von Eshkol Nevo, einem 1971 in Jerusalem geborenen Israeli, hatte damals nicht ohne Grund nach seinem Erscheinen in Israel bei der Kritik und bei einer großen Leserschar erhebliches Aufsehen erregt. Es erzählt die Geschichte und den Alltag einiger Menschen und es gelingt ihm, mit diesen wenigen, sicher nicht repräsentativen Figuren, ein Gesellschaftsbild en miniature zu malen; ein Bild einer zerrissenen Gesellschaft, die um ihr Überleben kämpft, die sich andauernd mit schweren, traumatischen und sich der Gegenwart permanent in den Weg stellenden Vergangenheiten konfrontiert sieht, und die dennoch von einer Sehnsucht durchzogen ist, die die Menschen am Leben hält und sie die Hoffnung nicht verlieren lässt.
Rezension zu “Die Umarmung” von David Grossman
17. Apr
Wofür ist eine Umarmung gut? Warum wurde sie erfunden? Und warum ist sie für jeden Menschen so unendlich wichtig?
Das schon 2010 in Tel Aviv erschienene Bilderbuch von David Grossman mit dem Titel Die Umarmung gibt darüber für Menschen jeden Alters eine tiefsinnige und überzeugende Auskunft. Als Ben und seine Mutter an einem schönen Nachmittag einen Spaziergang durch die Felder machen, sagt sie ihrem Sohn etwas, was schon viele Mütter zu ihrem Kind gesagt haben: “Ich habe dich lieb, keiner auf der ganzen Welt ist so wie du!“
Rezension zu “Ein Staat für Palästina?” von Sari Nusseibeh
29. Mrz
Zu der 2008 ebenfalls bei Kunstmann erschienenen Autobiografie des palästinensischen Philosophen Sari Nusseibeh „Es war einmal ein Land“ schrieb der jüdische Publizist Leon Wieseltier damals in der New York Times Book Review: „Ein zutiefst bewundernswertes Buch eines zutiefst bewundernswerten Mannes. Sari Nusseibehs herausragende Qualitäten, sein Entwurf eines liberalen Nationalismus, sein Eintreten für Gewaltlosigkeit inmitten des Terrors, seine Humanität in einem inhumanen Konflikt sind etwas, was einen verzweifeln lassen könnte, weil es so selten ist.“
Rezension zu “Schimons Schweigen” von Vladimir Vertlib
16. Mrz
Wie viele andere Schriftsteller jüdischer Herkunft kreist auch der 1966 in Leningrad geborene und 1971 mit seinen Eltern nach Israel ausgewanderte österreichische Schriftsteller Vladimr Vertlib in seinen Büchern um die Themen der jüdischen Identität und der Erfahrung von immerwährenden Zwischenstationen eines Exils, das kein Ende nehmen will. „Zwischenstationen“ war auch der Titel eines seiner ersten Bücher, mit dem er 1999 einem größeren Publikum auch außerhalb Österreichs bekannt wurde und in dem er seine verschiedenen Aufenthaltsorte in verschiedenen Ländern der Welt beschreibt. Denn die Familie Vertlibs verließ Israel schon bald wieder, und nach vielen Stationen und einem erneuten fehlgeschlagenen Versuch, in Israel Fuß zu fassen, landete sie Anfang der achtziger Jahre in Wien. In einem Land, in dem gerade die Waldheim-Affäre hohe Wellen schlug und nicht nur bei der jüdischen Bevölkerung Österreichs hohe Wellen schlug.




