Preis der Leipziger Buchmesse 2015 – Erstmals Gedichtband ausgezeichnet

Als einer der Höhepunkte der Leipziger Buchmesse gilt die Preisverleihung des „Preis der Leipziger Buchmesse“ – und in diesem Jahr sorgte diese für eine Überraschung. Zum ersten Mal in der Geschichte des renommierten Buchpreises wurde ein Gedichtband ausgezeichnet.

Jan-Wagner-RegentonnenvariationenJan Wagner räumte mit seinem Gedichtband „Regentonnenvariationen“ den Preis für die Kategorie Belletristik ab. Und schon der Klappentext liest sich wie ein Gedicht: Der Garten, in dem die Regentonne steht, ist phantastisch weit, reich und offen – eine Welt. In diesem Lyrikband geht es in die Natur mit all ihren kunstvollen Variationen des Lebens. Jan Wagner lässt den Giersch schäumen, dass einem weiß vor Augen wird, nimmt Weidenkätzchen und Würgefeige, Morchel und Melde, Eule, Olm und Otter ins poetische Visier, zoomt ran, überblendet assoziativ, bis der Blick sich weitet und man weiß, für einen Augenblick zum Wesen der Dinge vorgedrungen zu sein. Es ist immer wieder ein Wunder, wie es diesem Lyriker gelingt, Bilder zu schaffen, die in einem Halbvers Stimmungen heraufbeschwören – bis längst Vergessenes oder nie Gesehenes vor Augen steht. Auf unserer To-Read-Liste stehen die „Regentonnenvariationen“ jetzt ganz weit oben! Für alle empfehlenswert, die mit Wagners Stimme im Ohr und seinen Sprachbildern vor Augen einmal laut Juryurteil „zum Wesen der Dinge“ vordringen möchten.

philipp-ther-die-neue-ordnung-auf-dem-alten-kontinentNoch gar nicht lange her ist das 25-jährige Jubiläum des Mauerfalls und genau da setzt auch Preisträger der Kategorie Sachbuch / Essayistik Philipp Ther in seinem Sachbuch „Die neue Ordnung auf dem alten Kontinent. Eine Geschichte des neoliberalen Europa.“ an. Vorurteile und oftmals sehr emotional und idelogisiert geführte Debatten zum deutschen Wiedervereinigung thematisiert er unaufgeregt, informativ und dabei sprachlich sehr ansprechend. Ther verfolgt in erster Linie jedoch eine gesamteuropäische Perspektive und zieht eine Zwischenbilanz, die für breite Diskussionen sorgen wird: Was funktionierte besser – radikale Schocktherapien oder schrittweise Reformen? Welche Lehren lassen sich im Hinblick auf die gegenwärtige Krise der südeuropäischen Länder ziehen? Und warum wurde Berlin wirtschaftlich von Städten wie Warschau oder Prag überholt? Mit diesem Buch bleiben keine Fragen mehr zur neuesten deutschen und europäischen Geschichte offen und helfen die Machtgefüge und Strukturen zu verstehen. Damit ermöglicht Ther uns allen einen objektiven Blick auf die aktuell politisch und wirtschaftlich schwierige Phase der EU.

amos-oz-judasIn der dritten Kategorie Übersetzung konnte sich Mirjam Pressler mit ihrer Übersetzung des Romans „Judas“ von Amos Oz durchsetzen. Der Autor kam selbst auch zur Preisverleihung und lobte Presslers Übersetzung in den höchsten Tönen: „Ein literarisches Werk in eine andere Sprache zu übersetzen ist wie ein Violinkonzert auf dem Klavier zu spielen. Und du bist eine großartige Pianistin“. Der Roman handelt von einer Liebesgeschichte in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts und stellt gleichzeitig Wandel, Hoffnung und Verzweiflung Jerusalems in den Vordergrund. Überhaupt ist der literarische und kulturelle Austausch zwischen Deutschland und Israel ein Schwerpunkt bei der diesjährigen Leipziger Buchmesse.

Die drei Preise sind jeweils mit 15.000 Euro dotiert und spiegeln das Urteil einer siebenköpfigen Jury aus Literaturkritikern und Journalisten wieder. Wir sind gespannt, was wir von den Preisträgern in Zukunft noch zu sehen, beziehungsweise zu lesen, bekommen. Alle Neuheiten und preisgekrönten Titel finden Sie natürlich auch bei uns im Shop!

Das Bloody Cover 2012 steht fest

Stefan Kiesbye, Hemmersmoor (Bloody Cover 2012)In diesem Jahr bereits zum 11. Mal verliehen, kürt das „Bloody Cover“ als echter Publikumspreis das originellste, stimmigste, markanteste Krimi-Cover des vergangenen Jahres. Zur Wahl standen 12 Finalisten-Cover aus über 400 Neuerscheinungen von deutschen Autoren, die die „Ehrenwerte Gesellschaft Münchens“ nominierte. Mehr als 2.500 Krimifans wählten daraus das Bloody Cover 2012.

Seit dieser Woche steht der Gewinner fest: Stefan Kiesbyes literarischer Krimi Hemmersmoor (auch erhältlich in der Print-Ausgabe) trägt das schönste Cover des Jahres. Die Gestaltung des Umschlags geht auf das Konto der Münchner Agentur Herburg Weiland, die dafür ein Foto von Henrik Trygg/Corbis verwendete. Im Mittelpunkt der Geschichte steht ein kleines Dorf im norddeutschen Teufelsmoor nach dem Zweiten Weltkrieg, in dem immer wieder die Rede von Wiedergängern und Irrlichtern ist, und das ein düsteres Gemenge aus Aberglauben, Inzest und Brutalität überschattet.

Manfred Bomm, Blutsauger (Platz 2)Peter Schwindt, Lebenslang (Platz 3)Auf Platz zwei schaffte es Blutsauger von Manfred Bomm, in dem dubiose Forschungen an Stammzellen erschreckende Folgen haben. August Häberle ermittelt in seinem elften Fall – und stellt bald fest, dass mit dem verunglückten Arzt, der nach einem Autounfall schwer verletzt in die Klinik eingeliefert wird, etwas nicht stimmt.

Der bedrückende Thriller Lebenslang von Peter Schwindt, in dem eine Mutter sich mit der Entführung, Misshandlung und Ermordung ihrer zehnjährigen Tochter konfrontiert sieht, belegte den dritten Platz des Bloody Cover 2012.

Der Georg Büchner-Preis 2011 geht an Friedrich Christian Delius

Georg BüchnerDer 1943 im Rom geborene deutsche Schriftsteller Friedrich Christian Delius erhält den diesjährigen Georg Büchner-Preis. Bereits seit 1951 wird der Preis an herausragende Schriftsteller verliehen. Pünktlich zum 60jährigen Jubiläum wird das Preisgeld von 40.000 auf 50.000 hochdotiert. „Als kritischer, findiger und erfinderischer Beobachter hat er in seinen Romanen und Erzählungen die Geschichte der deutschen Bewusstseinslagen im 20. Jahrhundert erzählt“, so die Begründung der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung. Des Weiteren wurden seine souveräne Erzählkunst und seine „politisch hellwachen, ideologieresistenten und menschenfreundlichen Texte“ gelobt. Die Preisverleihung findet am 29. Oktober im Staatstheater Darmstadt statt.

Im Hessen aufgewachsen, veröffentlichte Delius noch als Schüler ab 1961 erste Gedichte. Der Schritt zum Germanistikstudium fiel nicht schwer, und 1970 promovierte er bei Walter Höllerer an der TU Berlin. Zunächst war Delius eine Zeitlang für die Verlage Klaus Wagenbach und Rotbuch tätig, seit 1978 aber arbeitet er als freier Schriftsteller. Seinem ersten veröffentlichten Werk, der Gedichtsammlung Kerbholz, folgten bald zahlreiche weitere, die ihm viele Auszeichnungen mit verschiedenen Literaturpreisen bescherten. Sein neuester Roman Die Frau, für die ich den Computer erfand von 2009 erschien im Januar dieses Jahres als Taschenbuch. Heute lebt Delius in Rom und Berlin.

Stöbern Sie hier in allen Titeln von Büchner-Preisträger Friedrich Christian Delius. Deutscher Buchpreis, Friedenspreis des deutschen Buchhandels, Preis der Leipziger Buchmesse, Jugendliteraturpreis und vieles mehr: hier gibt es Informationen zu weiteren Literaturpreisen.

Hier sehen Sie eine Übersicht über die bisherigen Preisträger des Georg-Büchner-Preises:

1951 Gottfried Benn | 1952 nicht verliehen | 1953 Ernst Kreuder | 1954 Martin Kessel | 1955 Marie Luise Kaschnitz | 1956 Karl Krolow | 1957 Erich Kästner | 1958 Max Frisch | 1959 Günter Eich | 1960 Paul Celan | 1961 Hans Erich Nossack | 1962 Wolfgang Koeppen | 1963 Hans Magnus Enzensberger | 1964 Ingeborg Bachmann | 1965 Günter Grass | 1966 Wolfgang Hildesheimer | 1967 Heinrich Böll | 1968 Golo Mann | 1969 Helmut Heißenbüttel | 1970 Thomas Bernhard | 1971 Uwe Johnson | 1972 Elias Canetti | 1973 Peter Handke | 1974 Hermann Kesten | 1975 Manès Sperber | 1976 Heinz Piontek | 1977 Reiner Kunze | 1978 Hermann Lenz | 1979 Ernst Meister | 1980 Christa Wolf | 1981 Martin Walser | 1982 Peter Weiss | 1983 Wolfdietrich Schnurre | 1984 Ernst Jandl | 1985 Heiner Müller | 1986 Friedrich Dürrenmatt | 1987 Erich Fried | 1988 Albert Drach | 1989 Botho Strauß | 1990 Tankred Dorst | 1991 Wolf Biermann | 1992 George Tabori | 1993 Peter Rühmkorf | 1994 Adolf Muschg | 1995 Durs Grünbein | 1996 Sarah Kirsch | 1997 H.C. Artmann | 1998 Elfriede Jelinek | 1999 Arnold Stadler | 2000 Volker Braun | 2001 Friederike Mayröcker | 2002 Wolfgang Hilbig | 2003 Alexander Kluge | 2004 Wilhelm Genazino | 2005 Brigitte Kronauer | 2006 Oskar Pastior | 2007 Martin Mosebach | 2008 Josef Winkler | 2009 Walter Kappacher | 2010 Reinhard Jirgl

Die criminale 2011: Vom 4. bis 8. Mai am Niederrhein

Coverausschnitt Ursula Poznanski, ErebosKnisternde Spannung ist garantiert, wenn am 04. Mai die criminale 2011 startet. Das Literaturfestival für Autoren und Leser des deutschsprachigen Krimis findet in diesem Jahr zum bereits 25. Mal statt. Nach der offiziellen Eröffnung im Krefelder Stadttheater am Abend des 04. Mai werden im Verlauf des Krimifestes insgesamt 260 Autoren aus Deutschland, Österreich und der Schweiz in über 100 Veranstaltungen live zu hören sein. Mönchengladbach, Krefeld, Viersen und Nettetal sowie 15 weitere Städte des Niederrheins werden so zum Tatort von jeder Menge Mord und Totschlag.

Petra Busch, Schweig still, mein KindAls Höhepunkt des Festivals gilt die große Preisverleihung am 07. Mai, in der die „Oscars unter den Krimipreisen“, der „Friedrich-Glauser-Preis“ für die Sparten Kurzkrimi, Debüt, Roman und Lebenswerk, sowie der “Hansjörg-Martin-Preis” für Kinder- und Jugendkrimis, verliehen werden. Unter den Nominierten der Kategorie „Roman“ sind neben anderen Die Stunde des Schakals von Bernhard Jaumann, das bereits mit dem Deutschen Krimipreis 2011 ausgezeichnet wurde und Fischfutter von Klaus Stickelbroeck. Um die Auszeichnung als „bester Debütroman“ konkurrieren unter anderem Schweig still, mein Kind von Petra Busch, das für das schönste Krimi-Cover des Jahres („Bloody Cover 2011″) nominiert ist, und Rita Falks Winterkartoffelknödel, das wochenlang in den SPIEGEL Bestsellerlisten vertreten war. Dass der diesjährige „Ehrenglauser“ an den Bremer Kriminalschriftsteller Jürgen Alberts geht, steht bereits fest. Und neben drei weiteren Autorinnen können sich Ursula Poznanski für Erebos und Irma Krauß für Glücksgift Hoffnungen auf die Auszeichnung mit dem Kinder- und Jugendkrimipreis machen. Als besonderes Schmankerl wird die preisgekrönte Schauspielerin Mechthild Großmann, die sich unter anderem als Staatsanwältin im Münster-Tatort einen Namen machte, aus den ausgezeichneten Werken vorlesen.

Ein weiteres Highlight des Krimifests ist das Krimi-Dinner, das es zum Beispiel möglich macht, zwischen den einzelnen Gängen ausgewählter Menüs die Lesungen der criminale zu genießen. Zudem sorgt der 1. FC Criminale mit seinem Fußballspiel gegen den FC Himmelsstürmer für sportliche Unterhaltung. Ihrem erklärten Ziel, das Interesse für den deutschsprachigen Kriminalroman zu stärken und ihn der medialen Öffentlichkeit näherzubringen sowie Kontakte zwischen Autoren und Publikum einerseits und dem gegenseitigen Austausch unter den Schriftstellern andererseits zu ermöglichen, wird die criminale wahrscheinlich wieder gerecht werden. Die nächste criminale ist für den Hochsauerlandkreis geplant und soll vom 25. – 29. April 2012 stattfinden.

Preis der Leipziger Buchmesse – Die Nominierten

Logo Preis der Leipziger Buchmesse Die Nominierungen für den “Preis der Leipziger Buchmesse” 2011 stehen fest. Aus 480 Büchern und drei Kategorien wählte die prominente Jury die preisverdächtigen Veröffentlichungen aus. Die öffentliche Preisverleihung findet am Donnerstag, den 17. März 2011, 16.00 Uhr auf der Leipziger Buchmesse statt. Hier sehen Sie alle Nominierten auf einen Blick.

Seit mittlerweile 6 Jahren wird der mit 45.000 EUR dotierte Preis jeweils am ersten Messetag verliehen. Eine siebenköpfige Jury kürt die Gewinner aus den Kategorien Belletristik, Sachbuch/Essayistik und Übersetzung. In diesem Jahr begrüßt die Jury neben Dr. Jens Bisky (Süddeutsche Zeitung), Dr. Adam Soboczynski (DIE ZEIT) sowie der Vorsitzenden Verena Auffermann vier neue Mitglieder. Anspruch der Jury ist es, herausragende deutschsprachige Neuerscheinungen und Übersetzungen zu ehren.

Belletristik

Wolfgang Herrndorf: Tschick Für die Kategorie Belletristik sind in diesem Jahr Anna Katharina Fröhlich für ihren Roman Kream Korner nominiert, den die Jury „eine Wundertüte, szenisch wie sprachlich“ nennt, Peter Stamm für Seerücken, einen Erzählungsband über ein paar im Urlaub und den etwas traurigen Norden Italiens, und Wolfgang Herrndorf für sein Road-Movie in Büchergestalt Tschick. Außerdem ist der österreichische Arno Geiger für seinen poetisches und berührendes Buch mit dem Titel Der alte König in seinem Exil über den an Alzheimer erkranken Vater der Jury eine Nominierung wert, ebenso wie Die Liebe zur Zeit des Mahlstädter Kindes von Clemens J. Setz, in dem die Jury „Labyrinth aus Zärtlichkeit, Gewalt, Liebe und Gemeinheit“ sieht.

Sachbuch

Karen Duve: Anständig essenIn der Kategorie Sachbuch bzw. Essayistik sind Patrick Bahners für seine Streitschrift zur deutschen Angst vor dem Islam Die Panikmacher nominiert, Andrea Böhm für Gott und die Krokodile, eine abenteuerliche Reise durch den Kongo, und Henning Ritter für seine Notizhefte, deren „meisterhaften Aphorismen“ die Jury lobt. Außerdem nominiert sind die Hannah Arendt-Fachfrau Marie Luise Knott für ihr einfühlsames Buch Verlernen. Denkwege bei Hannah Arendt sowie Karen Duve für Anständig essen, ein originelles Plädoyer für bewussteres und reflektierteres Essen.

Übersetzung

Leo Tolstoi: Krieg und FriedenIn der Kategorie Übersetzung schließlich sind Barbara Conrad für ihre Übersetzung von Leo Tolstois Krieg und Frieden aus dem Russischen nominiert, Teréza Mora für die Übersetzung von Péter Esterházys Produktionsromans aus dem Ungarischen und Maralde Meyer-Minnemann für António Lobo Antunes‘ Mein Name ist Legion aus dem Portugiesischen. Die Übersetzung des anoymen Fatrasien. Absurde Poesie des Mittelalters aus dem Altfranzösischen brachte Ralph Dutli eine Nominierung ein, ebenso wie Dagmar Ploetz für ihre Übersetzung von Carlos Busqueds Unter dieser furchterregenden Sonne aus dem argentinischen Spanisch.