10 Fragen an Laura Kneidl zu ihrem Roman „Someone New“

Laura Kneidl - AutorIn deinen eigenen Worten: Worum geht es in „Someone New“? Wie würdest du deinen Roman beschreiben??

In „Someone New“ begleiten die Leser*innen Micah, deren Leben auf dem Kopf steht, seit ihr Zwillingsbruder Adrian unfreiwillig als schwul geoutet wurde. Ihre gemeinsamen Eltern haben ihn verstoßen, woraufhin er untergetaucht ist. Micah macht sich große Sorgen und begibt sich auf die Suche nach ihm. Dafür gibt sie ihren Studienplatz in Yale auf und zieht aus ihrem Elternhaus aus. Im ihrem neuen Wohnhaus angekommen, trifft Micah auf ihren Nachbarn: Julian.

Die beiden kennen sich bereits, denn versehentlich ist Micah dafür verantwortlich, dass Julian Monate zuvor seinen Job als Kellner verloren hat. Sie möchte sich dafür gerne entschuldigen, aber er weist sie immer wieder ab. Doch Micah gibt nicht auf, denn sie mag Julian, sehr sogar, und spürt, dass zwischen ihnen eine ganz besondere Verbindung besteht.

„Someone New“ ist in meinen Augen nicht nur ein Roman über die Liebe, sondern es ist auch eine Geschichte über Selbstfindung, Freundschaft und Akzeptanz.

Someone New als eBookSomeone New“ ist dein bereits dritte Roman im LYX-Verlag, wie fühlt es sich an die Möglichkeit zu haben, deine Ideen umzusetzen?

Ich bin sehr glücklich darüber von einem Verlag wie LYX unterstützt zu werden und ich bin dankbar für die Chance meine Geschichten so erzählen zu dürfen, wie ich es möchte. Denn gerade „Someone New“ ist ein für mich besonderer Roman, den ich in Kooperation mit einem anderen Verlag vermutlich nicht so hätte verwirklichen können.

Deine Protagonistin Micah ist ein sehr interessanter und vor allem kein gewöhnlicher Charakter. Sie hegt eine Vorliebe für Graphic Novels und Superhelden, trägt eine ausgefallene Frisur und benimmt sich manchmal mehr wie ein Kind, als eine erwachsene Frau. Gab es eine Inspirationsquelle zu dieser Figur?

Nein, eine Inspirationsquelle gab es nicht, sondern ganz viele, nämlich all meine Freunde und auch mich selbst. Micah wurde von mir so gestaltet, dass sie in meinen Augen meine perfekte, beste Freundin wäre. Sie ist witzig, nimmt das Leben nicht so ernst, aber entzieht sich auch nicht ihrer Verantwortung, wenn es um wichtige Dinge geht. Ihr moralischer Kompass ist meinem sehr ähnlich und auch viele meiner Freunde haben ähnliche Denkansätze. Außerdem lieben fast alle meine Freunde Bücher und/oder Comics und mögen Filme und Serien über Superhelden, daher ist Micah in meinen Augen gar nicht so ungewöhnlich.

In deinem Roman fällt sofort auf, dass die Figuren einen Querschnitt der Gesellschaft darstellen. Da ist zum Beispiel Micahs beste Freundin Lilly, die früh schwanger geworden ist und sich seitdem in der Rolle als Mutter wiederfindet. Außerdem Micahs Bruder, der homosexuell ist oder Auri, der schwarz ist und zusammen mit seiner besten Freundin Cassie, die weiß ist, Cosplay als sein großes Hobby pflegt. Wie wichtig ist dir Diversity? Und findest du, dass das Thema in der Literatur generell zu wenig Beachtung findet?

Diversity ist mir in meinen Geschichten sehr wichtig, aber ich muss gestehen, dass war nicht immer so. Ich habe nicht bewusst exklusiv geschrieben, aber meine früheren Romane waren Abbildungen anderer Bücher, die ich gelesen habe, und Abbildungen meines Lebens, wie ich es kannte.

Als weiße, cis* Frau, die in einem katholischen Dörfchen in Franken aufgewachsen ist, hatte ich in meiner Kindheit und Jugend nicht viele Berührungspunkte mit Menschen, die eben nicht christlich, weiß und cis waren und ich kannte vielleicht eine Handvoll Personen, die sich der LGBT+ Community zugehörig gefühlt haben; was teils auch daran lag, dass sie nicht geoutet waren.

Das hat sich geändert, als ich nach Stuttgart gezogen bin und begonnen habe, mich online über Social Media auszutauschen. Dadurch habe ich sehr viele großartige und interessante Menschen kennengelernt, die mir erst vor Augen geführt haben, wie bunt diese Welt wirklich ist.

Meine New Adult Romane sollen die Wirklichkeit abbilden, daher ist Diversity ein sehr wichtiges Thema für mich geworden. Und ja, ich bin der Meinung, dass es in der Literatur generell zu wenig Beachtung findet. Hätte mehr Repräsentation in den Büchern stattgefunden, die ich früher gelesen habe, hätte ich vielleicht schon früher erkannt, wie vielfältig und wunderbar unsere Welt ist. Inzwischen ist ein Umdenken bemerkbar, aber ich glaube, es ist auch noch immer sehr viel zu tun.

In deinem Roman geht es unter anderem um Micah, die Kunst studieren möchte, und um ihren Bruder Adrian, der Homosexuell ist. Beides wird von deren konservativen Familie nicht akzeptiert. Dabei glauben wir, dass wir in einer aufgeklärten, freien Gesellschaft leben. Hast du selbst Erfahrungen gemacht, dass unsere Gesellschaft doch längst noch nicht so weit ist, wie wir denken?

Ich persönlich habe diese Erfahrung noch nicht machen müssen, aber ich habe Freunde und Bekannte, die das leider nicht von sich behaupten können. Daher gibt es auf jeden Fall noch immer viel Aufklärungsarbeit zu leisten, sowohl im Großen, als auch im Kleinen. Denn selbst vermeintlich aufgeklärte Menschen (und da schließe ich mich nicht aus), haben oft noch Vorurteile oder Klischees im Kopf, denen sie sich womöglich noch nicht einmal bewusst sind, weil sie so alltäglich geworden sind, dass man sich überhaupt nicht mehr kritisch mit ihnen auseinandersetzt.

Aufmerksame Leser werden sofort bemerken, dass du einen Protagonisten aus „Berühre mich., Nicht.“ In deinem Buch eingeschleust hast. Siehst du deine Romane als eine große „Welt“, die zusammenhängt?

Absolut. Meine New-Adult-Romane spielen alle in unserer Zeit. „Berühre mich. Nicht.“ ist im Oktober 2017 und „Verliere mich. Nicht.“ im Januar 2018 erschienen, die Handlung der Bücher umspannt auch ziemlich genau diesen Zeitraum. Und die Erzählung von „Someone New“ setzt erstmalig im Juni 2018 ein. Dazu lass ich auch gerne aktuelle Weltgeschehen oder Pop-Kulturelle-Ereignisse einfließen, so dass sich meine Leser*innen mit den Protagonisten verbunden fühlen. Und wenn Micah aus „Someone New“ und Luca aus „Berühre mich. Nicht.“ beide „Iron Man“ mögen, muss diese Welt einfach zusammenhängen.

Micah ist ein großer Fan von Filmen und Serien, die dadurch natürlich eine große Rolle in deinem Roman spielen. Bist du selbst ein Serienjunkie? Und wenn ja, welche Serie hast du zuletzt gesehen?

 Ich liebe vor allem Serien, aber leider fehlt mir oft die Zeit dafür. Außerdem neige ich immer zu extremen Binge-Watching, weshalb ich im Moment gerne Serien anschaue, die ich bereits früher gesehen habe, wie beispielsweise Friends, Veronica Mars oder Prison Break, damit ich den Ausgang der Handlung bereits kenne und es mir leichter fällt, auch mal wieder den „Aus“-Knopf zu drücken.

Es wird zu deinem Buch neben der Paperback-Ausgabe noch eine limitierte Sonderausgabe geben. Wie fühlt sich das an? Und was ist das Besondere an der Ausgabe?

Die Sonderausgabe wird als Hardcover mit Schutzumschlag erscheinen und alle Exemplare wurden von mir persönlich handsigniert. Zusätzlich gibt es in dieser Ausgabe Illustrationen, gezeichnet von Gabriella Bujdosó. Im Vor- und Nachsatz des Buches gibt es drei farbige Illustrationen zu den Charakteren und im Buch selbst gibt es mehrere Schwarz-Weiß-Illustrationen, welche Szenen aus der Geschichte zeigen. Ich bin sehr stolz auf diese Sonderausgabe und hoffe, sie gefällt den Lesern!

In deinem Buch geht es sehr viel um Identität und Identitätsfindung – wer man eigentlich ist und wie man sein sollte, um akzeptiert zu werden. Du baust starke Charaktere in diese Entwicklungsprozesse ein. Was möchtest du damit deinen Lesern vermitteln?

Dass sie ihr eigenes Glück nicht in den Erwartungen anderer Menschen suchen sollen. Es gibt kein Richtig oder Falsch, wenn es um die eigene Identität und das eigene Leben geht, auch wenn uns die Gesellschaft das manchmal glauben lassen will.

Versteckt euch nicht hinter irgendwelchen Idealen, sondern bleibt euch selbst treu. Das ist manchmal leichter gesagt, als getan, aber am Ende des Weges lohnt es sich immer, denn jeder Stolperer hat euch geholfen, die Person zu werden, die ihr sein wollt.

Wer oder was hat dir beim Schreiben von „Someone New“ am meisten geholfen?

Die größte Hilfe waren mir wohl meine Sensitivity Reader. Denn wie bereits erwähnt, spielt Diversity in „Someone New“ eine große Rolle, weshalb ich mich nicht nur auf meinen eigenen Erfahrungen stützen konnte, denn ich weiß einfach nicht, wie es ist ein schwarzer oder schwuler Mann in unserer Gesellschaft zu sein. Zwar nehme ich diese Perspektiven innerhalb von „Someone New“ nicht ein, aber auch der Blick von außen (durch Micah) sollte stimmig sein, damit die betroffenen Charaktere nicht wie leere Hüllen, sondern wie echte Menschen wirken, mit denen sich die Leser*innen identifizieren können.

*Als Cis-Mann/Cis-Frau werden diejenigen bezeichnet, deren Geschlechtsidentität dem Geschlecht entspricht, das ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde.

Dieses Interview wurde uns mit freundlicher Genehmigung von Bastei Lübbe zur Verfügung gestellt.

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