3 Fragen an Margit Ruile

Videomanipulation und die Verbreitung verfälschter Informationen über das Internet – diese Themen sind seit dem Varoufakis/Böhmermann-Mittelfinger-Skandal und der Präsidentschaftswahl in den USA aktueller denn je. In “Dark Noise” entspinnt Margit Ruile einen vielschichtigen und gleichwohl beängstigenden Thriller um die Frage wie sehr wir der Bilderflut um uns herum vertrauen können.  Wie die Wahlmünchnerin auf die Idee zum Buch kam und wo sie die Gefahren der fortschreitenden Digitalisierung sieht, erzählt sie in unserem Interview.

Ihr Protagonist Zafer arbeitet als Retuscheur und ist für die Nachbearbeitung von Bildern und Videos zuständig. Ein ungewöhnlicher Beruf – wie kommt´s?
Nach meinem Regiestudium an der Filmhochschule arbeitete ich eine Weile in einer Postproduktionsfirma. Es war die Zeit nach dem Schleichwerbungsskandal in der ARD und die Bildbearbeiter waren dort in mühevoller Kleinarbeit damit beschäftigt, die Firmenlogos aus den betroffenen Sequenzen wieder heraus zu retuschieren. Als ich das gesehen habe, wurde mir klar: Wenn man diese Werbebotschaften retuschieren kann, kann man auch Überwachungsvideos manipulieren. Damit war der Grundstein für “Dark Noise” gelegt.

Das zentrale und brandaktuelle Thema von “Dark Noise” ist die digitale Manipulation von Wahrheit: Zafer retuschiert ein Überwachungsvideo und löst damit eine folgenschwere Kette von Ereignissen aus. Versteckt sich zwischen den Zeilen ein erhobener Zeigefinger, der in Richtung fortschreitender Digitalisierung deutet?
Ich hoffe, dass sich nirgendwo ein erhobener Zeigefinger versteckt. Erhobene Zeigefinger passen nicht in die Literatur. Ich versuche, aus der Realität heraus eine spannende Geschichte zu entwickeln und greife dabei aktuelle Themen auf. Die fortschreitende Digitalisierung der Welt betrifft  jeden Bereich unseres Lebens und dieser Wandel wirft Fragen auf: Was ist in der digitalen Parallelwelt echt? Kann ich den Produktbewertungen im Internet trauen oder wurde jemand dafür bezahlt? Kann ich den Bildern trauen, die ich sehe? Kameras – überwachen sie uns oder beschützen sie mich? In “Dark Noise” stehen diese Fragestellungen im Fokus und setzen wichtige Impulse für die Handlung des Thrillers.

Auch Worte können die Wahrheit und deren Wahrnehmung beeinflussen – kann man hier eine Parallele zwischen dem Beruf des Autors und des Retuscheurs entdecken? 
Solange man Fiktion schreibt und sie als solche deklariert wissen alle, dass das, was man schreibt, erfunden ist. Niemand wird erwarten, den echten Zafer im wirklichen Leben zu treffen. Insofern retuschiert man die Wirklichkeit nicht, man schafft schlicht eine neue. Anders ist es, wenn jemand über tatsächliche Ereignisse berichtet. Hier wird in gewisser Weise ein Bild bearbeitet, ein bestimmter Ausschnitt gewählt oder etwas weggelassen. Darum wird es immer wichtiger zu überprüfen aus welcher Quelle eine Nachricht stammt. Kann ich dem Medium oder dem Berichterstatter trauen? Hat der Autor des Berichts das Ereignis wirklich erlebt? Wie seriös ist das Medium, in dem er publiziert? Was mich im Moment  bedenklich stimmt ist, dass selbst offensichtliche Unwahrheiten geglaubt werden, solange sie nur ins Weltbild passen. Insofern ist Manipulation gerade ein Riesenthema. In jeder Hinsicht.

Das eBook im Shop downloaden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.