Die Schokoladenvilla – Maria Nikolai im Interview

Die Goldenen Zwanziger halten Einzug in die Schokoladenvilla: Wie war es für dich, die Geschichte weiterzuspinnen?

Es war wunderbar. Meine Figuren weiterzuentwickeln, sich auszumalen, wie sie nach mehr als zwanzig Jahren aussehen, was sich in dieser Zeit getan hat – das fand ich sehr spannend. Da sind Judith und Victor, die sich inzwischen ein gemeinsames Leben aufgebaut haben. Und die Zwillinge Karl und Anton, die inzwischen fast dreißig Jahre alt sind. Die beiden nun als Männer zu erleben und zeichnen zu dürfen, hat mich sehr berührt. Daneben gibt es eine neue Hauptprotagonistin, Serafina, die einige Geheimnisse im Gepäck hat. Und dann ist da noch ein Schatten aus der Vergangenheit, der das Rothmann-Imperium bedroht …

Eine Trilogie schreiben zu dürfen, ist ein anspruchsvolles Privileg. Ich genieße das – und habe sogar schon mit dem dritten Band begonnen.

Lass uns ein wenig in diese glamouröse Zeit eintauchen … Welche Stimmung herrschte in der Stadt?

Die Goldenen Zwanziger verbindet man oft mit Berlin, aber auch Stuttgart war zu dieser Zeit eine vor Lebenslust überschäumende Stadt. Es gab eine rege Künstlerszene, ein pulsierendes Nachtleben, riesige Lichtspielhäuser, Varietétheater und Sportveranstaltungen am Neckar, und die Wirtschaft brummte. Mit der Weißenhofsiedlung entstand ein Vorzeigeprojekt des Neuen Bauens, und das Autorennen am Schloss Solitude zog die Massen an. Diese einzigartige Atmosphäre habe ich versucht im Buch einzufangen.

Damals erlebten besonders die Frauen eine nie gekannte Freiheit – sie hatten das Korsett abgestreift, trugen die klassischen Zwanzigerjahre-Kleider mit tiefer Taille. Abends zeigten sie Haut in funkelnden Paillettenkleidern, trugen Stirnreifen, glitzernden Schmuck. Viele waren berufstätig und selbstbestimmt, tanzten durch die Nächte, liebten wie sie wollten. Natürlich traf das nicht auf alle zu. Aber in der Schokoladenvilla wollte ich diesen Aspekt betonen, deshalb auch der Titel GOLDENE JAHRE.

 

Verrätst du uns noch etwas mehr über die Figuren, die neu in der Schokoladenvilla auftauchen?

Gerne! Da ist zum einen Serafina, die mit ihrer lebendigen Art frischen Wind in die Schokoladenvilla bringt, aber auch eigene Herausforderungen. Serafina sieht Stuttgart mit den Augen einer jungen Berlinerin. Sie ist modern und unabhängig, lebensfroh und begabt. Ohne dass sie es möchte, sorgt sie bei den Rothmann-Brüdern für einige amouröse Verwirrung. Gleichzeitig wird ihr Neubeginn in Stuttgart aber von einem dunklen Geheimnis aus ihrer Vergangenheit überschattet … Und dann gibt es da noch die Französin Lilou: Sie verkörpert den schillernden Teil der Zwanzigerjahre und ist deshalb einzigartig. Auch wenn ich mich an diese Persönlichkeit erst herantasten musste, weil sie meiner eigenen überhaupt nicht entspricht, ist sie mir sehr ans Herz gewachsen. Umso mehr freut es mich, dass sie dennoch das Zeug zur Sympathieträgerin hat, sie ist mutig und klug und extrem unkonventionell.

Der erste Band der Schokoladenvilla-Trilogie war ein großer Erfolg. Wie hast du als Autorin das erlebt?

Das, was seit Erscheinen des ersten Bandes geschehen ist, war und ist überwältigend. Nicht nur, dass das Buch bereits nach einer Woche auf Platz 12 der Spiegel-Bestsellerliste stand – die ganze Resonanz ist bis heute kaum fassbar. Inzwischen hat sich eine wunderbare und unheimlich lebendige Schokoladenvilla-Fanbasis herausgebildet. Dort werden Leseerlebnisse genauso geteilt wie Kuchenrezepte, Einrichtungsideen und Humorvolles, Reiseerinnerungen und auch das ein oder andere persönliche Thema. Und natürlich zieht sich die Schokolade duftend und verlockend durch die Beiträge und Chats.

Leserbriefe sind Quelle der Freude und manchmal auch Inspiration für uns Autoren. Viele haben geschrieben, dass sie völlig in der Schokoladenvillawelt versunken waren, das ist für mich das größte und schönste Lob.

Dankeschön an Random House für das Interview!

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