Gedicht des Monats März

Johann Wolfgang von Goethe (1749 – 1832)Anlässlich des 180. Todestages von Johann Wolfgang von Goethe am 22. März 2012 haben wir das Gedicht “Nähe” aus der Feder des wohl bedeutendsten deutschen Dichters zu unserem Gedicht des Monats gemacht.

Goethe, der zunächst als einer der wichtigsten Vertreter des Sturm und Drang galt, wurde in den 1790er Jahren zusammen mit Schiller, Herder und Wieland zum Wegbereiter der Weimarer Klassik. Besonders mit Schiller stand Goethe in regem geistigen Austausch. Eine viel zitierte Anekdote berichtet davon, dass Goethe in Schillers Unterlagen ein unvollendetes Gedicht fand: „Er saß auf ihres Bettes Rand und spielte mit den Flechten“, das ersterer prompt und ohne Wissen Schillers weiterführte mit den Worten: „Das tat er mit der linken Hand – was tat er mit der rechten?“

Nähe

Wie du mir oft, geliebtes Kind,
Ich weiß nicht wie, so fremde bist,
Wenn wir im Schwarm der vielen Menschen sind,
Das schlägt mir alle Freude nieder.
Doch ja, wenn alles still und finster um uns ist,
Erkenn ich dich an deinen Küssen wieder.

Johann Wolfgang von Goethe (1749 – 1832)