Matt Haig – unser Autor des Monats im Interview

Matt Haig hat bereits einige Romane und Kinderbücher veröffentlicht, die mit verschiedenen literarischen Preisen ausgezeichnet und in über zwanzig Sprachen übersetzt wurden.
Er wurde 1975 in Sheffield geboren und wuchs in Nottinghamshire auf. Er studierte Englisch und Geschichte in Leeds. Im Laufe seines Lebens arbeitete er bereits als Müllmann (3 Wochen), in einem Callcenter (2 Tage), im Media Sales (2 Monate), als Tellerwäscher (1 Nacht) und in einem Nightclub auf Ibiza (2 Jahre). Dann beschloss er, sich ganz dem Schreiben zu widmen. Seine eigenen Erfahrungen mit Depressionen und Angststörungen sind auch stets ein zentrales Thema in seinen Büchern.

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Eine Hymne auf das Leben

Die Mitternachtsbibliothek

Die Mitternachtsbibliothek als eBook epub

Stell dir vor, auf dem Weg ins Jenseits gäbe es eine riesige Bibliothek, gesäumt mit all den Leben, die du hättest führen können. Buch für Buch gefüllt mit den Wegen, die deiner hätten sein können.
Hier findet sich Nora Seed wieder, nachdem sie aus lauter Verzweiflung beschlossen hat, sich das Leben zu nehmen. An diesem Ort, an dem die Uhrzeiger immer auf Mitternacht stehen, eröffnet sich für Nora plötzlich die Möglichkeit herauszufinden, was passiert wäre, wenn sie sich anders entschieden hätte. Jedes Buch in der Mitternachtsbibliothek bringt sie in ein anderes Leben, in eine andere Welt, in der sie sich zurechtfinden muss. Aber kann man in einem anderen Leben glücklich werden, wenn man weiß, dass es nicht das eigene ist?

Interview mit Matt Haig über Die Mitternachtsbibliothek

Matt Haig, wovon handelt Ihr neuer Roman?

In meinem neuen Roman “Die Mitternachtsbibliothek” geht es um eine Frau namens Nora, die sich zwischen Leben und Tod in einer Bibliothek wiederfindet. Es ist eine magische Bibliothek, eine unendliche Bibliothek, in der die Bücherregale ewig weitergehen und jedes Buch eine andere Version ihres Lebens ist – wenn sie es so gelebt hätte. Sie bekommt damit die Chance, ihr Leben noch einmal zu erleben, oder einen Vorgeschmack auf das Leben, wenn sie ihr Bedauern rückgängig machen würde, um zu sehen, welcher Weg der richtige für sie wäre.

Wie geht Nora mit ihren Entscheidungen um?

Nora geht mit den Entscheidungen in ihrem Leben ziemlich schlecht um. Sie beginnt im Buch sehr deprimiert, weil sie das Gefühl hat, dass sie zu viele falsche Entscheidungen in ihrem Leben getroffen hat. Und nun bietet sich ihr die Gelegenheit zu sehen, wie die Dinge hätten anders sein können: Wenn sie eine Schwimmkarriere verfolgt hätte, wäre sie eine olympische Medaillengewinnerin geworden. Sie bekommt zu sehen, wie sie eine Top-Gletschergeologin wird, die in Norwegen arbeitet, sie bekommt zu sehen, dass sie ein Rockstar wird, und sie bekommt zu sehen, wie es ist Ehefrau und Mutter zu sein. Sie bekommt all diese Dinge zu sehen. Und das führt dazu, dass sie mit der Entscheidung konfrontiert wird, was davon das Richtige für sie ist, und das ist das zentrale Thema in dem Roman.

Gibt es Ihrer Meinung nach ein Richtig oder Falsch bei Ihren eigenen Entscheidungen?

Es haben alle nur diese eine Zeitlinie, also werden wir nie wissen, ob die Dinge besser oder schlechter wären. Das Einzige, was ich in meinem eigenen Leben gelernt habe, ist, dass sehr oft die Dinge, von denen wir denken, dass wir sie wirklich wollen, nicht notwendigerweise die Dinge sind, die uns glücklich machen. Und sehr oft führt eine schlechte Erfahrung in unserem Leben zu einem besseren Ergebnis weiter unten in der Linie. Z.B. war ich in meinen Zwanzigern ziemlich krank – psychische Probleme und das war schrecklich und ich würde es nicht noch einmal durchleben wollen. Doch so viele Dinge in meinem späteren Leben waren gut und sind nur durch diese Erfahrung entstanden: das Gefühl der Dankbarkeit und der Akzeptanz darüber, wo ich im Leben bin. Es gibt keine Möglichkeit zu wissen, welches Leben das perfekte Leben für uns wäre.

Was fasziniert Sie an der Idee der parallelen Leben?

Ich war schon immer von parallelen Leben besessen, zumindest seit ich vor über zehn Jahren angefangen habe, Schriftsteller zu sein. Immer wenn man Romane schreibt, schreibt man sozusagen ein paralleles Leben, weil man über eine Welt schreibt, die anderswo stattfindet. Und besonders im Internetzeitalter, wo wir mit so vielen verschiedenen Möglichkeiten konfrontiert sind, wie unser Leben sein könnte, und so viele Leute unseren Instagram- oder Facebook- oder Twitter-Account sehen. Was auch immer es also ist. Dass wir unweigerlich mit dem Gedanken enden, was wäre wenn… Zudem befinden wir uns in einem Zeitalter, in dem das Internet die Realität paralleler Leben um uns herum geschaffen hat, und so denke ich, dass wir alle irgendwie bewusst oder unbewusst über parallele Existenzen nachdenken.

Wie nahe kommt Noras Depression Ihrer eigenen?

Wirklich sehr nahe. Im allerersten Entwurf von “Die Mitternachtsbibliothek” schrieb ich über eine männliche Figur. Der Grund, warum ich den Mann in Nora änderte, war, dass er mir fast zu nahe war. Ich konnte nicht wirklich sehen, wer die Figur war. Es war fast so, als würde man zu nah in den Spiegel schauen und dann kann man sich selbst nicht mehr sehen, weil man eigentlich nicht weiß, wie man in den Augen eines anderen aussieht. Indem ich ihn in Nora verwandelte, sah ich sofort jemanden, der nicht ich war, und ich konnte die Figur sehen. Und in gewisser Weise war es einfacher, das in der Fiktion zu tun, als in einem Sachbuch, denn in einem Sachbuch, das ich vorher geschrieben hatte, ist man sich bewusst, dass man über reale Menschen schreibt. Man schreibt über seine Eltern, seinen Partner, man schreibt über sich selbst, und sein eigenes Leben. In der Fiktion hingegen hat man die Freiheit, sich darüber keine Gedanken machen zu müssen. Man muss sich keine Sorgen machen, Menschen zu verletzen oder sonst etwas. Man kann einfach frei sein. Und das ist eine der Freuden der Fiktion, wichtige Themen zu erforschen.

Sie sind sehr aktiv auf Twitter, mit enorm vielen Followern. Wie nehmen Sie für sich die Sozialen Medien wahr – sehen Sie darin auch eine Verantwortung?

Ja, ich denke, es bringt eine Verantwortung mit sich. Ich habe das auf die harte Tour gelernt, vor allem auf Twitter, wo ich mich mit allen möglichen Leuten gestritten habe. Wenn man über psychische Gesundheit spricht, gibt es bestimmte Dinge, die man nicht sagen kann, und bestimmte Dinge, die man sagen kann, und da sollte man sehr achtsam sein. Und auch in meinem eigenen Leben habe ich gemerkt, besonders im Jahr 2020, dass es so etwas wie ein Zuviel gibt. Man braucht auch mal eine Auszeit. Es gibt viele positive Aspekte von Social Media, besonders als Autor, um mit den Lesern zu kommunizieren, aber es gibt auch eine Menge Nachteile. Ich stelle jetzt sicher, dass ich scrollfreie Sonntage habe, an denen ich nicht auf mein Telefon oder meinen Computer schaue, und ich versuche auch unter der Woche, mein Telefon nicht mit ins Bett zu nehmen. Ich bin der Typ Mensch, der sehr süchtig wird, daher brauche ich diesen mentalen Freiraum.

Vielen Dank an Droemer Knaur für das Interview!

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