Unser Buchtipp: “Der Block”!

Jérôme Leroy knüpft mit seinem im Februar 2017 erschienenen Kriminalroman “Der Block” an das erst kürzlich vorbeigezogene politische Geschehen in Frankreich an. Noch vor einer Woche stand nicht genau fest, ob die Parteivorsitzende Marine Le Pen des rechtsorientierten “Front National” die Präsidentschaftswahl gewinnen würde. Eben an diesem Punkt setzt auch “Der Block” an: Die Partei der äußersten Rechten – der Patriotische Block – steht kurz vor dem Einzug in die französische Regierung. Er beschreibt ein schreckliches Szenario, das doch immer realer zu werden scheint. Ein Noir, das eigentlich eine dystopische Situation beschreiben sollte, jedoch ist diese verdammt nah an der Realität. 

Wie bei einer klassischen Tragödie verfolgt der Autor seine beiden Protagonisten, zwei prototypische Mitglieder der Partei, durch nur eine einzelne Nacht, die die bürgerkriegsähnlichen Zustände in Frankreich beenden soll. Die wirklich plastisch kreierten Charaktere mit Meinungen, Gedanken und Emotionen zwingen dem Leser die rechte Meinung des “Blocks” auf, sodass dieser in die Position gerät, seine eigene Haltung ständig neu zu überdenken. Agnès, eine Art Abziehbild von Le Pen, führt als Parteivorsitzende die Verhandlungen der Partei. In jedem Fall stellt Leroy die etwas verzerrte Realität dar, um zu anonymisieren, um eigene Gedanken zu schaffen. Agnès’ Ehemann Antoine wartet in jener Nacht in der luxuriösen Pariser Wohnung auf die Wahlergebnisse und Stanko, der Chef des paramilitärischen Ordnerdienstes der Partei, versteckt sich zum besagten Zeitpunkt in einem schäbigen Hotelzimmer. Die beiden Männer begleitete eine langjährige Freundschaft, beide sind gemeinsam in den Rängen der Partei aufgestiegen. Sie haben vor nichts zurückgeschreckt und bereuen auch nichts. Doch nun braucht der “Block” Stanko nicht mehr, deshalb soll er morgen von seinen eigenen Leuten umgebracht werden.

Leroy beschreibt, die Gewalt und den Radikalismus, der sich wie eine Pandemie über Europa auszubreiten scheint. Im Nachwort schreibt der Autor selbst, dass die alten faschistischen Denkmuster nicht mehr zu genügen scheinen. Leroy erklärt ganz direkt, wie die Rechte denkt, fortbewegt und wie sie an so viel Macht kommen konnte. Er versucht wach zu rütteln und den Lesern begreifbar zu machen, dass diese Problematik nicht verschwindet, wenn man die Augen schließt. Ein hochaktueller und literarischer Thriller aus einem Milieu, das unter Hochdruck steht – nicht nur in Frankreich.

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