Unser Gedicht des Monats Mai

Portrait von August Strindberg (Richard Bergh, 1905)Heute ist der 100. Todestag von August Strindberg. Der als rastlos und wütend, egozentrisch und größenwahnsinnig verschriene Autor gilt als größter Dramatiker Schwedens, hat aber auch Romane, Novellen, Essays und Gedichte verfasst. 1849 in ärmliche Verhältnisse geboren, bemühte sich Strindberg nach dem Abbruch seines Sprachstudiums als junger Erwachsener zunächst erfolglos um die Aufnahme an einer Schauspielschule. Stattdessen wurde er Hauslehrer – und begann mit dem Schreiben.

Anlässlich des Todestag des heute vor 100 Jahren verstorbenen Dichters haben wir sein Werk „Schien mir´s, als ich sah die Sonne…“ zu unserem Gedicht des Monats Mai gemacht. Allen, die mehr über den Zeit seines Lebens an Depressionen und nervenaufreibenden Sinnkrisen leidenden Schriftsteller erfahren möchten, sei die gerade in der Neuauflage erschienene Strindberg-Biografie (auch erhältlich in der Print-Ausgabe) des renommierten schwedischen Autors Per Olov Enquist empfohlen.

Schien mir´s, als ich sah die Sonne…

Schien mir´s, als ich sah die Sonne,
daß ich schaute den Verborgnen:
Jeder Mensch genießt die Werke,
selig der das Gute übet.
Für die Zornestat, die du verübtest,
büße nicht mir Bosheit;
tröste den, den du betrübest,
gütig, und es wird dir frommen.
Der nur fürchtet, der sich hat vergangen:
gut ist schuldlos leben.

August Strindberg (1849 – 1912)