Unsere Science Fiction Highlights für euch!

Unsere neue Science-Fiction Leserunde beschäftigt sich nicht nur mit dem Besuch der Außerirdischen, sondern geht weit darüber hinaus. In Joe Haldemans “Camouflage” leben bereits seit Urzeiten Außerirdische unter der Menschheit, die stets die Menschen studiert und versucht haben sich anzupassen – nicht immer erfolgreich. Timothy Truckle, ein besonders hässlicher, aber erfolgreicher Detektiv setzt sich in Gert Prokops “Wer stiehlt schon Unterschenkel?” mit den kriminellen Problemen der Reichen und Schönen auseinander und Juli Zeh entwirft in ihrem “Corpus Delicti” eine völlig neue Welt des 21. Jahrhunderts, in der ein gesundheitsfanatisches System als Diktatur vorherrscht. Diese und weitere Highlights stellen wir Euch heute genauer vor!

 

 

Camouflage
Der Science-Fiction Roman “Camouflage” von Joe Haldeman wurde mit dem Nebula Award ausgezeichnet.

Schon seit einer Million Jahre wandeln im Verborgenen zwei außerirdische Wesen auf unserer Erde. Diese Kreaturen wissen nichts voneinander, haben aber etwas gemeinsam: eine letzte Erinnerung an ein rätselhaftes, versunkenes Relikt und eine Verbundenheit zu Wasser. Das eine Wesen, der Wechselbalg, hat durch Anpassung überlebt, indem es die Gestalt von verschiedenen Organismen angenommen hat. Das andere, das Chamäleon, hat einzig und allein dadurch überlebt, dass es alles und jeden in seinem Weg vernichtet hat. Als der Meeresbiologe Russell Sutton das Relikt schließlich entdeckt und an die Meeresoberfläche holt, ruft es nach den beiden Kreaturen und fordert sie auf, nach Hause zu kommen. Von dem Relikt nach unzähligen Generationen endlich zusammengeführt, entscheidet das Chamäleon, dass auf dieser Welt nur Platz für einen von ihnen ist.

Wie der Titel “Camouflage” bereits beschreibt, steht im Zentrum des Romans das Konzept des Tarnens durch die äußerliche Veränderung der außerirdischen Wesen. Eines dieser Wesen – das Wechselbalg streift seit Urzeiten in verschiedenen Formen durch die Meere, stets instinktiv bemüht, an der Spitze der Nahrungskette zu stehen, obwohl es nicht einmal aktiv Nahrung zu sich nehmen muss. Erst in den 1930er Jahren entdeckt es die Menschen und versucht in Form eines Teenagers von ihnen zu lernen und sie zu studieren. Da ihm diese Spezies jedoch vollkommen unbekannt ist, macht es viele Fehler und lernt nicht geradlinig. Die Fehler werden zum Teil so groß, dass es sich nach einiger Zeit in einem Irrenhaus wiederfindet, wo es durch einen hohen Metabolismus keinen Schmerz spürt, dafür aber seine Gesundung vortäuscht und währenddessen weiter das Sozialverhalten der Menschen studiert.

Dann gibt es da noch das zweite Wesen, das Chamäleon. Im Gegensatz zum Wechselbalg weilt dies schon seit sehr langer Zeit unter den Menschen und hat es geschafft, viele Verhaltensmuster der Menschen anzunehmen. Dennoch ist sein Leben geprägt von Sadismus, Gewalt und Macht, stets auf der Suche einen Gleichgesinnten zu finden. “Camouflage” ist ein spannender Wissenschaftsthriller, der teils an historische Fakten anknüpft, wie etwa der Bataan-Todesmarsch der Japaner im Zweiten Weltkrieg. Außerdem wird durch die Augen der beiden unterschiedlichen außerirdischen Wesen die menschlichen Abgründe dargestellt, die menschliche Ethik und die Frage, was die Menschheit zum Aufgeben bereit ist.

Wer stiehlt schon Unterschenkel?

“Wer stiehlt schon Unterschenkel – Und andere Kriminalgeschichten” ist ein Sammelband von neun locker miteinander verknüpften Geschichten, deren Fortsetzung in dem Band “Der Samenbankraub” finden. Der Roman von Gert Prokop ist dem humoristischen Science-Fiction-Krimi-Genre zuzuordnen.

Wer stiehlt schon Unterschenkel? Und noch dazu dreimal! Ein unlösbares Rätsel, wie es scheint. Nicht für Timothy Truckle, den zwergenwüchsigen Teufelskerl, und dessen altehrwürdigen Computer Napoleon. Schließlich gilt Truckle nicht von ungefähr als der erfolgreichste Detektiv des 21. Jahrhunderts. Seine Klientel, die oberen Zehntausend, schätzt seinen Spürsinn. Vor allem dann, wenn es geboten scheint, die Polizei aus dem Spiel zu lassen, wendet man sich vertrauensvoll an ihn. Zugleich aber fürchtet sie ihn als unbestechlichen Mitwisser, und so ist es nur eine Frage der Zeit, bis sich die Ereignisse in seinem Leben auf dramatische Weise zuspitzen …

Die Kriminalgeschichten handeln von Detektiv Truckle, eine Art Sherlock Holmes der Upper Class. Er ist missgestaltet zwischen den Reichen und Schönen und bietet so den Gegensatz zur luxuriösen und glamourösen Welt, die ihn umgibt. Trotz seiner Arbeit genießt er allerdings die Vorzüge dieser Welt und lässt sich manchmal sogar mit Kunstwerken oder Rezepten bezahlen. Zu seinem Repertoire gehört ein Computer namens Napoleon, angelehnt an den kleinen, französischen Offizier, der Russland angriff. Dadurch wird der Roman zugleich politisiert, denn darin finden sich noch viele weitere kleine Anspielungen, die an die Sowjetunion erinnern lassen – auch an die DDR. Truckle selbst lebt in der Cyber-Zukunft der USA, die mittlerweile zu einem in sich geschlossenen Polizeistaat verkommen ist, wo die Reichen die Polizisten schmieren, um ihnen zu gehorchen. So stellt Prokop die beiden verschiedenen Systeme in seinem Roman gegenüber: Den Kapitalismus und den Sozialismus.

Corpus Delicti

Jung, attraktiv, begabt und unabhängig: Das ist Mia Holl, eine Frau von dreißig Jahren, die sich vor einem Schwurgericht verantworten muss. Zur Last gelegt wird ihr ein Zuviel an Liebe (zu ihrem Bruder), ein Zuviel an Verstand (sie denkt naturwissenschaftlich) und ein Übermaß an geistiger Unabhängigkeit. In einer Gesellschaft, in der die Sorge um den Körper alle geistigen Werte verdrängt hat, reicht diese Innenausstattung aus, um als gefährliches Subjekt eingestuft zu werden. Mia Holl will beweisen, dass ihr Bruder, verurteilt wegen einer angeblichen Vergewaltigung, unschuldig ist. Sie gerät also in Stellung gegen das System, hier »Methode« genannt, auch aus Liebe zu ihrem Bruder, der sich das Leben nahm.

Juli Zeh entwirft in “Corpus Delicti” das spannende Science-Fiction-Szenario einer Gesundheitsdiktatur irgendwann im 21. Jahrhundert. Sie zeichnet ein System, das alle und alles kontrolliert. Gesundheit ist zur höchsten Bürgerpflicht geworden. Die »Methode« verlangt ein festes Sportpensum ebenso wie die Abgabe von Schlaf- und Ernährungsberichten. Buchstäblich über jeden Schritt seiner Bürger ist dieser Staat informiert.

“Corpus Delicti” handelt von höchst aktuellen Fragen: Wie weit kann und wird der Staat individuelle Rechte einschränken? Gibt es ein Recht des Einzelnen auf Widerstand? Juli Zehs “Corpus Delicti. Ein Prozess” ist ein visionäres und ungeheuer spannendes Buch über unsere Zukunft – und unsere Gegenwart.

 

Die Hölle ist die Abwesenheit Gottes

Geschichten, die ein ganzes Universum enthalten: Die Wahrheit über den Turmbau zu Babel; der folgenreiche Erstkontakt mit einer außerirdischen Spezies; die Verzweiflung angesichts des Verlusts eines unersetzlichen Menschen; ein Zeitreiseabenteuer der anderen Art; und ein bestürzender Ausflug an die Grenzen des wissenschaftlich Machbaren …

Kein anderer Science-Fiction-Autor hat in den letzten zwanzig Jahren auch nur ansatzweise so viel Begeisterung ausgelöst wie Ted Chiang. Kein anderer Science-Fiction-Autor wurde für ein so schmales Werk mit mehr Preisen ausgezeichnet. Nun liegt endlich auch auf Deutsch ein Auswahlband mit seinen Erzählungen vor. Die erste Geschichte “Turmbau zu Babel” handelt von dem bekannten Turm in Babylon, dessen Bau nicht von Gott beendet wurde, sondern von den Menschen selbst. So waren sie kurz davor, die Himmelspforte zu durchbrechen…

Die zweite Story “Geschichte deines Lebens” bringt außerirdische Besucher auf die Erde. Sie beschreibt den Versuch der Menschen mit den Außerirdischen zu kommunizieren, diese müssen jedoch feststellen, dass sich sowohl Sprache und Schrift als auch die Sozialität und die Emotionen deutlich von den Menschen abheben. Aus diesem Grund müssen sie einen neuen Weg finden, um sich mit den Fremden zu verständigen.

Die dritte Erzählung “Die Hölle ist die Abwesenheit Gottes” handelt von einem Liebespaar, dass durch den Tod der Frau geschieden wird. Zumindest bei Kindern wird die Vorstellung verbreitet, dass die Existenz von Himmel und Hölle sichere Erkenntnisse der Menschheit sind, und diesen Glauben stellt Chiang auf die Probe. Die verstorbene Frau fährt tatsächlich in den Himmel ein. Der Mann kann sich irgendwie davon überzeugen, dass seine Frau, ihr Geist dort noch existent ist. Obwohl er einen Lebensweg führt, der ihn nach seinem Tod geradewegs in die Hölle bringen würde, schlägt er einen völligen Lebenswandel ein und vollführt Taten, an die er vorher nicht einmal gedacht hat, nur um seine Frau im Himmel wiedersehen zu können.

“Der Kaufmann am Portal des Alchemisten” stellt die Frage des Ursachen-Wirkungs-Mechanismus, wenn die Menschen irgendwann in der Lage sind, durch die Zeit zu reisen. Verschiedene Protagonisten berichten dort von ihren Zeitreiseerfahrungen und stellen verschiedene Theorien darüber auf. Beispielsweise kann man in das vergangene Geschehen eingreifen, aber beeinflusst damit nicht die Zukunft. Aber was, wenn doch?

Die letzte Geschichte “Ausatmung” von Ted Chiangs Sammlung präsentiert die Menschheit in einer völlig anderen Umgebung zu einer völlig anderen Zeit unter völlig anderen Bedingungen. Als wäre dies nicht unvorstellbar genug, haben die Menschen bereits eine völlig andere Anatomie durch die Evolution gewonnen und stehen vor ganz bestimmten neuen Problemen, die ihnen das Leben kosten könnten. Also doch gar nicht einmal soweit von unserer Realität entfernt.

Ein Rückblick aus dem Jahre 2000 auf 1887
Das Buch handelt von Julian West, einem jungen Amerikaner, der gegen Ende des 19. Jahrhunderts während einer Behandlung mit animalischem Magnetismus, einer Art Hypnose, in einen tiefen Schlaf fällt, der über hundert Jahre lang anhält. Als er aufwacht, findet er sich zwar noch an derselben Stelle, aber die Welt um ihn herum hat sich verändert. Der Erfolg dieses Romans ist vermutlich der praktischen Behandlung der ökonomischen Probleme Amerikas des ausgehenden 19. Jahrhunderts zuzuschreiben. Natürlich verfehlte die eingeflochtene Romanze, in der die Zukunftsbeschreibung eingebettet ist, nicht den Zeitgeschmack. Das Werk führte zu heftigen und kontroversen Diskussionen. Hunderte Bellamy-Gesellschaften wurden gegründet. Jedoch verblasste sein Ruhm genau so schnell, wie er begründet wurde. Seine 1897 veröffentlichte Fortsetzung Equality fand kaum noch Widerhall oder gar Befürworter. Kurz nach Erscheinen des Buches verstarb Bellamy an Tuberkulose.Edward Bellamy war ein amerikanischer Science-Fiction-Autor, der 1888 in Ein Rückblick aus dem Jahre 2000 auf das Jahr 1887 die Kreditkarte erfand. Er zählt zu den Pionieren des utopisch-amerikanischen Romans und gilt als literarischer Hauptvertreter des amerikanischen Reformsozialismus.

 

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