Interview mit Bestsellerautor Cay Rademacher

Cay-Rademacher_Das-Luftschiff„Sobald es dramatisch wird, ist jede Eindimensionalität futsch.“ Bestseller-Autor Cay Rademacher im Gespräch über die Vorzüge des Spannungsgenres, journalistische Zufälle und seinen neuen Roman “Das Luftschiff“, der zuerst bei eBook.de erhältlich ist.

Den spannenden Roman “Das Luftschiff” von Autor Cay Rademacher gibt es derzeit zuerst bei uns im eBook.de Shop!

Herr Rademacher, Sie sind ein bekannter Spannungsautor: Was reizt Sie an diesem Genre?

Die Antwort wird Sie überraschen: Es ist die Spannung … Als Autor bin ich Egoist, ich schreibe das, was ich auch gerne lesen würde, und spannende Bücher sind nun einmal spannender als unspannende.

Zudem schält sich in außergewöhnlichen Situationen der Charakter einer Person klar heraus. Dadurch treten Schattierungen zutage, es entstehen unerwartete Ambivalenzen. Wir alle können, wenn wir wollen, im gewöhnlichen Leben freundlich, ausgeglichen, harmlos, hilfreich sein – kurz: rundum ‚gut‘. Sobald es jedoch dramatisch wird, ist jede Form von Eindimensionalität futsch. Wenn die Welt in Flammen aufgeht, ist kaum noch jemand unter uns ausschließlich gut. Wir zeigen plötzlich Angst, Schwäche, Gier, Brutalität und all das, was wir in uns selbst nie, nie, niemals vermutet hätten. Und so etwas ist nicht nur für Leser spannend, sondern auch für mich als Autor.

Sie bringen Ihre Figuren also in Extremsituationen …

… und das mit dem größten Vergnügen, ja!

Wie kam es zu Ihrer Begeisterung für Luftschiffe?

Journalistischer Zufall. Ich habe für die Zeitschrift Geo eine Reportage über die Renaissance der Luftschiffe geschrieben, also über jene Techniker und Tüftler, die heute noch oder wieder von den schwebenden Giganten träumen. Dafür habe ich – um mir sozusagen einen historischen O-Ton einzufangen – unter anderem Eugen Bentele interviewt, der in der goldenen Zeit der Luftschiffe auf Graf Zeppelin und Hindenburg als Besatzungsmitglied gefahren ist. Er war an Bord der Hindenburg, als diese in Flammen aufging, und die Geschichte, wie er dem Tod im letzten Moment entkam, hat mich sofort gepackt. Und, voilà, schon war ich mit dem Luftschiffer-Virus infiziert.

Wie viele Tatsachen findet der Leser in Ihrem Roman “Das Luftschiff”?

Als der Hindenburg im Frühjahr 1937 über Lakehurst verbrannte, war Graf Zeppelin gerade zwischen Südamerika und Europa unterwegs. Es war eine reguläre Langstreckenverbindung – aber man darf nicht vergessen, dass diese Saurier der Lüfte langsam waren. Und so war Graf Zeppelin noch mehrere Tage von seinem Ziel entfernt, als die Funknachricht von der Katastrophe in Lakehurst kam. Diese Ausgangslage ist authentisch, ebenso wie etwa die meisten technischen Details, die Beschreibung des Luftschiffes, der Kabinen und so weiter.

Der Plot allerdings ist erfunden: Es war kein Attentäter an Bord von Graf Zeppelin. Zumindest ist darüber nie etwas bekannt geworden. Genau diese Was-wäre-wenn-Frage ist das, was mich hier interessiert hat: Was wäre gewesen, wenn sich ein zu allem entschlossener Täter an Bord jener schwebenden Gasbombe versteckt hätte? Graf Zeppelin fuhr über den Atlantik – da konnte man nicht einfach landen, die Polizei rufen, das Luftschiff durchsuchen und danach die Reise fortsetzen. Da musste es zum Showdown unter der riesigen Wasserstoffblase kommen. Für einen Autor gibt es kaum eine Grundsituation, die so einladend und herausfordernd ist.

Zum Inhalt wollen wir an dieser Stelle nichts verraten – aber gibt es vielleicht eine Figur, die Sie besonders mögen?

Da die Personen alle meine Geschöpfte sind, mag ich selbstverständlich jede von ihnen – auch und gerade die Bösewichte.

Aber wenn ich einen Favoriten nennen muss, dann ist es Walter Jaeger. Der ist Journalist wie ich – auch wenn es sonst kaum Ähnlichkeiten zwischen uns gibt –, er symbolisiert aber vor allem eine kleine Verbeugung meinerseits: Während der Weimarer Republik gab es tatsächlich einen Walter Jaeger bei der Frankfurter Zeitung. Der war Amerika-Korrespondent, ein guter zudem – und ist heute praktisch vergessen. Grund genug also für eine, sagen wir homöopathische, literarische Ehrung.

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