Interview mit Jugendroman-Autorin Angela Kirchner


Angela-Kirchner_Ueber-den-Daechern-wir-zweiMit “Über den Dächern wir zwei” hat die Romanautorin Angela Kirchner ihren ersten großen Roman veröffentlicht. In dem Jugendbuch beschreibt sie auf feinfühlige und humorvolle Weise die besondere und erste große Liebe von Mina und Theo: 
Ein Unfall stellt die geordnete und einsame Welt der 17-jährigen Mina auf den Kopf und lässt sie einen vorsichtigen ersten Schritt auf ihren Nachbarn Theo zu machen. Auf Theo, der es liebt, über den Dingen zu schweben. Dessen Rückzugsort ein Garagendach ist. Und der schon ewig heimlich in Mina verschossen ist. Finden die beiden so unterschiedlichen Außenseiter zusammen? Im Interview plaudert Angela Kirchner nun über die Entstehung ihres ersten Romans und gibt spannende Einblicke in ihr Leben als Schriftstellerin.

 

Das Interview führt Antonie Pongratz vom Blog Die fabelhafte Welt der Bücher

Liebe Angela, erzähl uns ein wenig von dir – was sollten deine Leser über dich wissen?

Ich bin 33 Jahre alt, Ehefrau meines Weltkönigs, Mama eines zweijährigen Wunderprinzen und Frauchen eines vierjährigen durchgeknallten Labradorrüden, der nicht umsonst den Namen Poopsie trägt. Ich schreibe, seit ich dreizehn bin, aber die meiste Zeit kürzere Geschichten, Szenen und Dialoge, die mir so in den Kopf gekommen sind. „Über den Dächern wir zwei“ ist der erste Roman, den ich vollendet habe, und ich freue mich, ihn nun endlich in die Welt hinauslassen zu dürfen!

Was inspiriert dich und lässt in deinem Kopf gerade diese eine Geschichte entstehen?

Oh, da gibt es eine ganze Menge. Ich liebe zum Beispiel Marvel-Filme, die Figuren sind so unglaublich gut gezeichnet und in den Plot eingebettet, das grenzt für mich schon an Magie. Auch Serien wie „Pushing Daisies“, „Suits“, „Gotham“ oder gut gemachte Animes inspirieren mich immer wieder. Am wichtigsten sind mir dabei die Dialoge. Wenn die nicht stimmen oder ins Leere führen, schalte ich ab. Eine weitere unerschöpfliche Quelle von Ideen sind Bilder. Seit ich auf Twitter und Instagram unterwegs bin, folge ich mehr Illustratoren als Autoren, und ich schaue mir auch auf Pinterest immer gerne Storyboards zu Romanen an. Das ist so spannend! Mit Bildern kann man Stimmungen hervorragend transportieren und wiedergeben. Wenn ich irgendwann mal so gut schreiben kann, dass in den Köpfen der Leser solche Bilder entstehen, bin ich meinem Ziel ein großes Stück näher gekommen.

Und wie kam dir die Idee zu „Über den Dächern wir zwei” ?

Ehrlich gesagt, hatte ich die Story überhaupt nicht geplant. Als ich damals auf dem Portal von Oetinger34 zugelassen wurde, habe ich gerade an einer Fantasy-Geschichte geschrieben, die in einer völlig anderen Welt spielt. Aber leider hatte ich mich zu dem Zeitpunkt auch gerade übel festgeschrieben. Ich wusste nicht, wie es weitergehen sollte mit der Figuren, mit dem Plot. Also habe ich mich lieber auf die nächste Einsendeaufgabe für meinen Schreibkurs Kinder-/Jugendbuch gestürzt. Ich sollte einen Dialog schreiben, der in einem Jugendbuch vorkommen könnte, und so ist die zweite Dachszene zwischen Mina und Theo entstanden. Komischerweise flutschte es bei dieser Story sofort wie geschmiert, ich hatte gleich eine Vorgeschichte im Kopf und viele Ideen, wie es weitergehen könnte.
Ich habe „Über den Dächern wir zwei“ anfangs gar nicht unter der Prämisse geschrieben, das Ergebnis eines Tages veröffentlichen zu wollen. Die Figuren waren einfach da, sie haben einfach agiert, und ich habe zugehört und mitgeschrieben. Die Geschichte wird ja aus Minas Sicht erzählt. Ich wollte die Veränderungen beschreiben, die in ihr stattfinden. Ich mag ihre spröde, oft etwas unbeholfene Art. Und Theo hat so einen tollen Humor, er steht so herrlich über den Dingen und – hach, Theo ist eben Theo, und dafür liebe ich ihn.

Wie entwickelst du deine Charaktere und wie behältst du den Überblick – Flipchart oder Notizen? 

Anfangs habe ich auf Karteikarten geschrieben, aber das wurden mit der Zeit dann doch recht viele. Irgendwann während des Schreibens bin ich glücklicherweise über befreundete Autoren auf das Schreibprogramm Scrivener gestoßen (Scrivener for President by the way!), das unter anderem auch großartige Vorlagen für Charakter-Skizzen mitbringt. Seitdem nutze ich nur noch die. Entwickelt werden die Figuren üblicherweise beim Putzen, Gassigehen oder anderen irre anspruchsvollen Tätigkeiten, die es meinen Gedanken erlauben, auf Reisen zu gehen.

Wird es eine Fortsetzung zu „Über den Dächern wir zwei“ geben? 

Eine Fortsetzung ist aktuell zwar nicht geplant, doch sag niemals nie. Die Vorgeschichte ist im Grunde ja bereits erzählt, da könnte ich mir höchstens ein, zwei Kurzgeschichten vorstellen, die das Ganze ein wenig besser ausleuchten. Ein direkter Nachfolger – Lust darauf hätte ich auf jeden Fall. Ich will jetzt nicht spoilern, aber es gibt ja durchaus die ein oder andere offene Frage am Ende.

Was planst du denn als Nächstes? Gibt es neue Projekte uns kannst du schon ein wenig verraten?

Sogar schon mehrere! Da wartet noch immer die Fantasy-Geschichte, mit der ich auf Oetinger34 gestartet bin. Dann eine weitere Contemporary-Story mit leicht mystischen Einschüben. Mein aktuelles Hauptprojekt handelt jedoch von einem jungen Mann, der das Pech auf Lebenszeit gepachtet hat und plötzlich ein Held sein soll. Mir gefallen Geschichten von Antihelden, die ihre Situation mit einer ordentlichen Prise Humor zu meistern wissen. Und genau so etwas möchte ich gerne schreiben. Ich hoffe, es gelingt mir.

Wie sieht dein Schreibplatz aus und was macht ihn für dich zur idealen Inspirationsquelle?

Mein Schreibplatz ist momentan leider noch sehr unaufregend, aber ich hoffe, das ändert sich bald. Ich möchte irgendwann mal einen richtig großen Schreibtisch mit Platz für meine Lexika, Duden und Notizbücher. So einen alten Holztisch mit Schubladen und Gebrauchsspuren. Das wäre toll!
Unentbehrlich sind für mich meine Pinnwand, meine Prokrastinier-Freunde und der Blick auf mein Buchregal. Sobald meine Gedanken sich festfressen, beschäftige ich mich kurz damit. Das hilft mir, die Konzentration wiederzufinden.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag als Schriftstellerin für dich aus ?

Die sind leider sehr, sehr selten, weil es einfach zu viel außenrum zu tun gibt. Aber wenn ich mir tatsächlich einmal den Luxus gönnen und einen Tag nur dem Schreiben widmen kann, dann fange ich morgens nach dem Gassi an und schreibe, bis der Prinz aus dem Kindergarten kommt. Das sind dann etwa drei Stunden am Stück. Und sobald er abends im Bett ist, nehme ich mir noch einmal zwei, drei Stunden Zeit. Wäre toll, wenn es solche Tage in Zukunft öfter geben würde.

Was für Schreibrituale hast und was brauchst du, um voranzukommen?

Kaffee! Ohne Kaffee läuft bei mir gar nichts. Ein richtiges Ritual habe ich allerdings nicht. Manchmal brauche ich Musik zum Schreiben, manchmal lenkt mich bereits der kleinste Ton von der Geschichte ab. Und Schokolade schadet auch nie. Oder Kekse.

Das Jugendbuch “Über den Dächern für zwei” empfiehlt Angela ab 13 Jahren und eher für Mädchen als für Jungen – es ist hier im Shop zu finden.

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