Interview mit Klaus-Jürgen Wrede zu “Das Geheimnis des Genter Altars”

Cover_Genter AltarDas Bestsellerspiel „Carcassonne“ kennen alle, es wurde mehr als sieben Millionen Mal verkauft. Entwickelt hat es Klaus-Jürgen Wrede – der Erfinder zahlreicher spannender Spiele. Nun legt Wrede sein erstes Buch vor: den Thriller Das Geheimnis des Genter Altars. Der legendäre Kunstraub der Tafel „Die gerechten Richter“ des Altars der Gebrüder van Eyck 1934 ist tatsächlich passiert und zählt wohl zu den geheimnisvollsten der Geschichte. Auf diesem realen Fundament entwickelt Wrede einen atemberaubenden Thriller und Pageturner um Kunstraub, Geheimgesellschaften, verschlüsselte Botschaften und natürlich zwei „Helden“ – Daniel und Mara. Wir haben den Spiele- und nun auch Thrillerautor interviewt!

Lieber Herr Wrede, wären Sie so nett, uns einen ersten Einblick in Ihren Thriller zu geben und die Geschichte zu erzählen?

Gerne! Hauptpersonen sind Daniel und Mara, die nicht wissen, wie ihnen geschieht, und plötzlich in einen Kampf auf Leben und Tod verwickelt sind, der ihnen alles abfordert. Es beginnt damit, dass Daniel seinen Nachbarn und besten Freund Juri in dessen verwüsteter Wohnung findet, scheinbar erdrosselt mit einem Nylonseil. Daniel steht unter Schock und ruft von seiner Wohnung aus die Polizei, doch als die Beamten eintreffen, gibt es keine Leiche mehr. Was ist hier los? Wo kein Toter, da keine Ermittlungen, so die Polizei. Aber Daniel weiß, was er gesehen hat, und da taucht noch jemand auf, der eine böse Vorahnung hat: Mara, Juris Schwester. Ihr hatte Juri eine Hilfemail geschrieben, und das, obwohl sie seit Jahren keinen Kontakt mehr hatten. Und wie vermutet, finden die beiden Hinweise darauf, dass Juri auf der Spur eines der größten Geheimnisse der Weltgeschichte war: der verschwundenen Tafel des berühmten Genter Altars der Gebrüder van Eyck. Nicht nur Hitler wollte unbedingt an die Tafel kommen, auch heute noch tun manche Menschen alles dafür – das erleben Juri und Mara nun bei ihrem Versuch, Juris verschlüsselte Informationen zu decodieren…Freund Diego, ehemaliger Jesuit und Kryptografieexperte, erzählt ihnen von der geheimen Organisation mit Decknamen „Asmodeus“ und schickt sie für weitere Hilfe nach Belgien zu dem Jesuitenbruder Vincent. Aber das ist noch nicht alles: Im Laufe des Romans tauchen noch weitere Geheimorganisationen auf … doch es scheint so, dass es auch eine Verbindung gibt – sie nennt sich „Die Wächter“, die versucht, Daniel und Mara vor dem Schlimmsten zu bewahren. Diese Verbindung schützt schon seit Jahrtausenden ein Geheimnis, dessen Entdeckung die Geschichte der Menschheit verändern würde. Für Daniel und Mara wird es ein Trip, bei dem ihr Leben mehr als einmal am seidenen Faden hängt…

Das klingt wirklich spannend! Wie kam es dazu, dass Sie den Weg vom Spieleautor zum Thriller-Autoren gegangen sind? Waren Sie schon immer ein begeisterter Schreiber?

Mein Traum einen Roman zu schreiben ist schon sehr alt. Eigentlich hatte ich ein anderes Thema im Sinn, die Geschichte um den Genter Altar hat mich dann einfach gepackt. Zu der Zeit habe ich noch gar keine Spiele entwickelt beziehungsweise gerade erst damit begonnen. Auf das Spiel “Carcassonne” bin ich sogar erst während einer Recherche für meinen Roman gekommen. Diesen hatte ich schon langsam im Kopf entwickelt. Dann bin ich der Spur der Templer und des Katharer-Kreuzzugs im 13. Jahrhundert nach Südfrankreich gefolgt, von Beziers über Narbonne, Carcassonne, Minerve, über zahlreiche Katharer-Festungen bis nach Montsegur. In dieser tollen und eindrucksvollen Landschaft entstanden dann auch die Ideen zum Spiel “Carcassonne”, welches meine Erstveröffentlichung im Spielebereich werden sollte. Die Arbeit am Roman lag dann durch den immensen Erfolg und auch meine gleichzeitige Lehrertätigkeit an einem Kölner Gymnasium etwas brach und war durch viele Spielemessen, Veranstaltungen und Verpflichtungen nur phasenweise möglich.

Der legendäre Kunstraub der Tafel “Die gerechten Richter” ist tatsächlich passiert. Wie kamen Sie auf die Idee, diesen Vorfall als Grundlage für Ihren ersten Thriller zu verwenden?

Ende der 90er jahre sah ich eine von der BBC produzierte Sendung im Fernsehen. In einer Reihe “Die großen Rätsel” gab es eine Folge über den Genter Altar und die verschwundene Bildtafel. Die ganze Geschichte hat mich sofort total fasziniert und seitdem nicht mehr losgelassen. Anfangs hatte ich gar nicht vor, einen Roman über gerade dieses Thema zu schreiben, dass hat sich einfach so ergeben. Es hat mich wirklich nicht mehr losgelassen in den letzten 20 Jahren. Und auch heute finde ich die unerklärlichen Geschehnisse äußerst spannend und faszinierend!

Wie haben Sie die Ideen für Ihre Hauptpersonen entwickelt?

Aus der Beobachtung verschiedener Menschen und der Vorstellung, wie die Hauptdarsteller für mich sein müssten, damit ich sie sympathisch oder interessant finde. Und das ein Spannungsfeld zwischen ihnen liegt, denn wenn verschiedene Charaktere aufeinanderprallen, wird es immer spannend. Mögen sie sich, gibt es Konfliktpotential? Wie gehen sie damit um? Gibt es Raum für Entwicklung? Diese Fragen habe ich mir natürlich gestellt. So entwickelt man selbst ein Bild von den Personen im Roman. Auch habe ich mich genau in diese hineingedacht: wie würden sie in bestimmten Situationen reagieren? Was mögen sie, was nicht? Womit haben sie Probleme? Dann hab ich zunächst einen Lebenslauf und eine Charakterisierung für jede Person erstellt, denn es waren auch keine Personen, die ich schon kannte – etwa aus meinem Freundes- oder Bekanntenkreis. So hatte ich auch kein konkretes Vorbild. Bis auf eine kleine Ausnahme: bei einer der Nebenfiguren diente mir eine Person aus meinem Bekanntenkreis als Vorbild – doch das sollte auch eine Ausnahme bleiben.. 😉

Gibt es Zusammenhänge zwischen Ihrer Arbeit als Spieleautor und als Thriller-Autor? Oder unterscheiden sich die beiden Autorenarten sehr voneinander?

Es unterscheidet sich schon sehr voneinander. Auch wenn es sicher eine Gemeinsamkeit ist, dass man in beiden Fällen eine Welt erschafft, durch die man den Leser / Spieler lenkt. Auch wenn man  natürlich immer Spielraum für eigene Vorstellungen / eigene Entscheidungen lässt. Bei beidem liegt eine logische Unterkonstruktion zugrunde, die man erst einmal detailliert und in sich stimmig ausarbeiten muss, um sie dann mit Leben zu füllen.
Bei meinem Roman habe ich auch sehr visuell gedacht. Als Filmfan sehe ich die Handlung auch wie einen Film vor mir ablaufen – auch wenn sie dann aus der Innenperspektive der Hauptpersonen gesehen und interpretiert wird – mit all ihren Gefühlen, Stimmungen und Sinnen. Bei dieser Arbeit hat mir geholfen, dass ich bereits als Jugendlicher kleine Filme gedreht habe. Bereits mit 12 oder 13 Jahren habe ich lange auf eine Super8-Kamera gespart, dann kleine Drehbücher verfasst, diese verfilmt und dann geschnitten. Damals war das alles noch sehr viel aufwändiger und man musste im vorhinein sehr viel planen, da das Filmmaterial unglaublich teuer war. Man konnte es nur einmal filmen, dann war es nicht mehr zu ändern und der Schnitt war dann auch endgültig. Heute lässt sich durch die digitale Technik einfach mehr ausprobieren.

Dürfen wir uns nach diesem ersten, spannenden Thriller auf weitere Bücher von Ihnen in diesem oder auch einem anderen Genre freuen?

Das mag durchaus sein. 😉 Neben der Arbeit an den Spielen plane ich schon, einen weiteren Romanzu schreiben. Da habe ich auch zwei, drei Ideen und kann mich nur noch nicht so richtig entscheiden, woran ich als nächstes arbeiten möchte. Und ich mag es auch, etwas Neues zu machen, nicht einen ähnlichen Roman mit den gleichen Hauptpersonen, die dann nur einen anderen Fall lösen… ich mag es durchaus, mal etwas anderes auszuprobieren und das bekannte Terrain zu verlassen. Daher kann sich das Genre gerne ein wenig in eine andere Richtung verschieben – vielleicht wird es mehr ins Mystische gehen und vom klassisch historischen Thriller weggehen, auch wenn ich dort immer eine art historische Verankerung spüre. Es ist das geheimnisvolle und mysteriöse zwischen den Dingen, das mich immer fasziniert und damit würde ich gern den Leser ein wenig anstecken!

Unsere Empfehlung: Spielpause einlegen und zum Buch greifen! „Das Geheimnis des Genter Altars“ ist großes Kino, fährt Autor Klaus-Jürgen Wrede doch alles auf, was Hochspannung verspricht und Bestsellerpotenzial hat.

 

Über den Autoren

Klaus-Jürgen Wrede wurde 1963 in Meschede geboren. Er studierte Musik und Theologie sowie Komposition und Klavier. Wrede ist Gymnasiallehrer, seit 2000 jedoch nebenberuflich als Spieleautor tätig. 2001 gewann sein Spiel „Carcassonne“, das bisher über 10 Mio. Mal in über 30 Sprachen verkauft wurde, den „Deutschen Spielepreis“ und wurde zum „Spiel des Jahres 2001“ gekürt. Seit 2009 ist Klaus-Jürgen Wrede hauptberuflich als Spieleautor tätig und hat bisher mehr als 30 Spiele veröffentlicht.

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