Interview mit Martin Gaedt zum Ratgeber “Rock Your Idea”

Cover-Rock-your-Idea_mit-CTAMit “Rock Your Idea” schreibt Martin Gaedt eine Liebeshymne an Ideen und deren Umsetzung. Es ist ein Buch für Denker, Spinner und Macher. Für alle, die Ideen entwickeln. Beruflich, gesellschaftlich, privat, allein, im Team.

Martin Gaedt erzählt vom Ideen-Motor und der Energie, er stiftet Begeisterung und Lust auf Ideen. Der Autor selbst hat zahlreiche StartUps gegründet und Ideen in die Welt gesetzt – mal erfolgreich, mal weniger erfolgreich. Im Interview gibt der Provotainer, Unternehmer und Ideen-Rocker nun Tipps, die eigene Kreativität zu fördern und über die Idee, Ideen zu rocken.

 

Kreativ sein kann jeder! Stimmt das?

Das stimmt genauso wie jeder Mensch joggen kann. Natürlich gewinnt nicht jeder den New-York-City-Marathon, aber jeder Mensch wird mit Training besser. Kreativität ist trainierbar. Der Satz „Ideen hat man, oder man hat sie nicht“ ist ein dummer Spruch. Kreativ zu sein ist vor allem eine innere Haltung. Eine fragende Haltung. Offensichtliches zu hinterfragen. Mehr wissen zu wollen. Und zu wissen, dass es so viel mehr zu entdecken gibt, interessante Menschen, Themen, Städte, Länder.

Martin-Gaedt-Autorenfoto

Autor Martin Geadt

Kreativität entdeckt Neues und fügt unterschiedliche Themen und Elemente neu zusammen. Bienen sind der effektivste Schutz gegen Elefantenhorden, die den Bauern in Teilen von Afrika die Felder leer fressen. Die Bienenvölker als Ackerschutz sind doppelt kreativ, da vorhandene Ressourcen genutzt werden und nebenbei sogar noch Honig produziert wird.

Viele Menschen kochen gerne. Jedes neue Rezept ist kreativ. In der Musik werden mit wenigen Tönen Milliarden von Melodien komponiert. Ideen sind wie neue Gerichte und wie Hits – immer neue Kombinationen. Ideen sind nicht grundsätzlich gut oder schlecht. Wie Ideen genutzt werden, liegt am Menschen und seinen Interessen.

Wie wird man ein Ideen-Rocker?

Die Lust aufs Ideen-Rocken wecken Sie, wenn Sie – statt sich zu ärgern – an roten Ampeln 44 Fragen stellen. Fragend rasen Sie 440 Mal pro Tag ins Unbekannte! Hinzu kommen Fragen beim Warten auf Bahnen und an Kassen. In sieben Jahren stellen Sie über eine Million Fragen. Fragen führen weiter und stoßen Ihr Ideen-Kraftwerk an. Wer kann professionell grenzenlos fragen und spinnen? Wer kann gekonnt alle Konventionen vergessen? Wenn hingegen schon die Fragen langweilig sind, wie sollen krasse Ideen entstehen?

Herausfordernde, außergewöhnliche Fragen zu stellen, kann auch trainiert werden. Rockende Fragen brechen Regeln und führen mutig ins Dunkle des Unbekannten. Ideen kommen nie aus dem Nichts. Ideen brauchen Anstöße wie Fragen, Beobachtungen, Erkenntnisse, Freude, Frust, Ärger. Das sind Zutaten. Genauso wie Gespräche mit Fremden und Ausflüge an unbekannte Orte, die Sie neu anregen. Was haben Sie in Ihrer Vorratskammer? Nur was vorrätig ist, können Sie neu mixen. Nur mit scheinbar unpassenden Zutaten werden Ihre Ideen außergewöhnlich neu und herausragend absurd.

Was ist das schlimmste, was man einer Idee antun kann?

Herausragend absurde Ideen sind anfangs schutzlos wie neugeborene Babys. Ist eine Idee frisch geboren, kommt häufig der skeptische „Geht nicht“-Hammer. Dann ist die Idee tot. Was die Hammerwerfer nicht beachten: Jedes spontane „Geht nicht“ ist unseriös und falsch. Auf welcher Basis wird eine neue, also noch völlig unbekannte Idee bewertet? Alte Erfahrungen in der sichtbaren Welt. Lernen Sie die Idee also erst kennen, bevor Sie entscheiden. Bei Babys würde keiner sofort nach der Geburt die Stärken und Schwächen analysieren, weil das tatsächlich nicht geht.

Eine Idee muss zuerst von allen Seiten betrachtet, verstanden, angereichert und verbessert werden. Danach wird sie gewogen, gemessen und bewertet. Die meisten Ideen haben kein Potenzial. Aber die Rohdiamanten stecken in unscheinbaren Kieselsteinen. Da niemand ein Hellseher ist, braucht die Betrachtung und Bewertung neuer Ideen Zeit und Training. Radikale Ideen müssen zuerst absurd klingen. Wären sie nicht absurd, wären sie nicht unbekannt. Alles Neue muss aber unbekannt sein.

Wann begann Ihre Faszination für gezielte Ideen-Entwicklung?

Als Kind habe ich Theaterstücke für Marionetten geschrieben. Als Jugendlicher züchtete ich Stauden, ich erfand ein Brettspiel und organisierte als West-Berliner Partys in Ost-Berlin. Die Leidenschaft für gezielte trainierbare Ideenfitness wurde 1997 geweckt, als ein Professor der Technischen Universität Berlin pauschal kritisierte: „Die Studierenden von heute haben gar keine Visionen mehr“. Ich fragte den Professor, was er denn mache, damit junge Menschen Ideen entwickeln. Entgeistert fragte er: „Wieso ich? Nichts.“ Seine tatenlose Kritik löste bei mir und einigen Freunden Tatendrang aus, wir starteten die Seminar-Reihe „Von der Idee zum Projekt“. Das Feuer war geweckt und wird immer größer. Es gibt so viel zu entdecken.

Stellen Sie sich wirklich an jeder Ampel 44 Fragen?

Nein. Manchmal schaue ich mir die wartenden Menschen an oder lese Tweets. Dafür stelle ich auch an grünen Ampeln 44 Fragen. Und nicht nur beim Warten auf die Bahn, sondern auch in der Bahn, beim Radfahren, beim Laufen und in Meetings. „44 Fragen an jeder roten Ampel“ ist ein Gedächtnis-Anker zum Start des Trainings. Ich trainiere meine Ideenfitness täglich und kann in jeder Situation 44 Fragen stellen.

Ziel des Trainings sind nicht 44 Fragen, sondern die Lust auf Fragen und ein zensurfreier Ideenfluss. Es geht um eine fragende, neugierige Grundhaltung. Ich habe gelernt, grenzenlos zu spinnen und jede Idee für möglich zu halten. Ich begegne Ideen fragend, um sie und die beteiligten Menschen, Geschichten, ihren Nutzen und Mehrwert zu verstehen. Leserinnen und Leser meines Buches veröffentlichen bereits ihre 44 Fragen in ihren Blogs. Da freue ich mich, das macht mich stolz.

Auf welche Idee sind Sie besonders stolz?

Stolz bin ich auf meine Idee, dass Bewerber clever in Unternehmens-Netzwerken empfohlen werden. Nur 253 deutsche Unternehmen sagen zusammen über 500.000 Bewerbern ab, um 7.700 Stellen zu besetzen. Das ist ökonomisch Schwachsinn und menschlich großer Frust. Im Sport gibt es Gold, Silber und Bronze. Bewerber hingegen bekommen nur Gold oder Absagen, eine unnötige Verschwendung. Cleverer wäre eine direkte Empfehlung. Ein Drittel aller Firmen könnte gute Kandidaten an die anderen zwei Drittel der Betriebe empfehlen. Alle gewinnen. Meine Vision: Jeder gute Bewerber bekommt einen Job oder eine Empfehlung.

Sehr stolz bin ich auch auf alle Bildungs-Ideen, die ich mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen umsetze. Training von Schülern in der Moderation von öffentlichen Talkshows, Schüleraustausch als Basis echter Völkerverständigung und Trainings zur Umsetzung internationaler Projekte.

Wer sollte Ihr Buch lesen?

Wer seinen Horizont erweitern will, wer Inspiration sucht und wer vom Feuer für Ideen angesteckt werden will, sollte „Rock Your Idea“ lesen. Das Buch bietet himmelhochjauchzende Begeisterung und einen glasklaren Ideen-Parcours vom ersten Impuls bis zur Umsetzung. Das Buch ist für Macherinnen und Macher, die gestalten wollen. Als Praktiker bringe ich meine Erfahrungen und handfeste Tipps ein. Aber ich gebe kein Erfolgsrezept. Das kenne ich nicht. Ich erzähle 120 Beispiele und stelle über 1.000 Fragen. Gerade hatte ich einen dreistündigen Austausch mit einem 17-Jährigen, der das Buch zur Studienvorbereitung gelesen hat. ChangeX.de schreibt: „Lesenswert für alle, die Ideen haben. Oder gerne mehr davon hätten.“

Was sollte der Leser aus Ihrem Buch mitnehmen?

Alles geht anders, wenn man Fragen stellt und den Irrglauben ablegt, alles müsse so bleiben wie es ist. Nichts bleibt, wie es ist. Ideen entstehen nicht in einem genialen Moment, sondern sind das Ergebnis eines kurvenreichen Prozesses aus Fragen, Mixen, Ausprobieren, Feedback, Umdenken, Machen, Testen, Mehrwert bieten. Innovation ist Regelbruch. Risiko bleibt Risiko. Ideenfitness heißt nicht, alles läuft glatt. Aber Stillstand ist langweiliger.

Den Ratgeber “Rock your Idea” gibt es hier bei uns im Shop als Buch oder eBook!

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