Interview mit Ole Hansen zur neuen Krimiserie “Jeremias Voss”


Coverfoto Ole Hansen“Als Schriftsteller lebt man in seinen Figuren. Man fühlt mit ihnen” – Ein Gespräch mit Ole Hansen über den inneren Wert eines hässlichen Hundes, genaue Recherche und seine neue Krimi-Reihe “Jeremias Voss” – dessen Auftakt der Krimi “Die Tote vom Fischmarkt” ist.

Ole Hansen, geboren in Wedel, ist das Pseudonym des Autors Dr. Dr. Herbert W. Rhein. Er trat nach einer Ausbildung zum Feinmechaniker in die Bundeswehr ein. Dort diente er 30 Jahre als Luftwaffenoffizier und arbeitete unter anderem als Lehrer und Vertreter des Verteidigungsministers in den USA. Neben seiner Tätigkeit als Soldat studierte er Chinesisch, Arabisch und das Schreiben. Nachdem er aus dem aktiven Dienst ausschied, widmete er sich ganz seiner Tätigkeit als Autor. Dabei faszinierte ihn vor allem die Forensik – ein Themengebiet, in dem er durch intensive Studien zum ausgewiesenen Experten wurde. Heute wohnt der Autor in Oldenburg an der Ostsee.

Lieber Herr Hansen, der Held Ihrer neuen Krimi-Reihe, Jeremias Voss, war vor seiner Karriere als Privatdetektiv bei GSG 9 tätig. Sie waren bei der Bundeswehr. Beide Organisationen ähneln sich ja in vielerlei hinsicht. Ist diese Parallele Zufall?

Zufall? Nein, das würde ich nicht sagen. Ursprünglich hatte ich vor, Jeremias Voss’ Vergangenheit bei der Bundeswehr anzusiedeln, weil ich weiß, wie gründlich hier Spezialeinheiten ausgebildet werden. Voss’ vielseitige Fähigkeiten hätten dadurch einen glaubhaften Hintergrund gehabt. Gleichzeitig wollte ich aber auch, dass Voss gut mit der Polizei zusammenarbeitet, was wiederum glaubhaft wäre, wenn er selbst einst bei der Polizei gewesen ist. Darum habe ich die GSG 9 – eine Bundespolizei. Ihre Beamten durchlaufen eine ähnliche Ausbildung wie die Spezialkräfte der Bundeswehr. Wenn man selbst dreißig Jahre bei der Bundeswehr gedient hat, dann kann man gar nicht anders, als immer wieder autobiografische Züge einfließen zu lassen.

Ole-hansenSein treuer Hund Nero ist Voss’ ständiger Begleiter – nur leider alles andere als eine Schönheit. Wie ist diese ungewöhnliche Figur entstanden?

Die Figur ist aus einer Laune heraus entstanden. Ich selbst habe einen Mops. Meine Freunde sagen immer wieder, dass sie nicht verstehen können, wie ich – als großer Kerl – mir einen so kleinen Hund zulegen konnte, der darüber hinaus auch noch hässlich aussieht. Daraufhin habe ich, sozusagen als Retourkutsche, den Nero gezüchtet. Da für Voss’ Aufgaben ein großer Hund vorteilhafter ist als ein Mops, habe ich ihn groß und hässlich werden lassen. Aber ich wollte mit dieser Figur auch zeigen, dass das Aussehen nur Verpackung ist. Der wahre Wert liegt in dem, was wir nicht sehen – im Charakter. Und darin sind sowohl Nero als auch mein Mops herausragende Vertreter ihrer Rasse.

Sie sind Experte auf dem Gebiet der Forensik. Wie intensiv fließt dieses Wissen in Ihre Jeremias Voss Romane ein? Liegen den Fällen genaue Recherchen zugrunde?

Experte ist ein starker Ausdruck. Es ist richtig, dass ich mich über die Jahre intensiv mit dieser Materie befasst habe. Und natürlich fließt dieses Wissen in die Romane mit ein. Dies ist auch unvermeidbar, wenn sie realistisch und glaubhaft sein sollen. Meine Romane sind natürlich reine Fantasie-Konstrukte. Sie basieren aber immer wieder auf Begebenheiten, die es in ähnlicher Form gegeben hat. Und natürlich führe ich dazu Recherchen durch. Um ein Beispiel zu geben: In „Jeremias Voss und die Spur ins Nichts“ spielt ein Teil der Handlung in Florida und in der Karibik. Florida kenne ich aus eigener Erfahrung und für die Szenen auf Jamaika und auf den Kaiman Inseln habe ich mich von einer Jamaikanerin beraten lassen, die dort lebt und mit der ich schon an anderen Projekten zusammengearbeitet habe.

Die Krimi-Reihe um Jeremias Voss ist auf 10 Bände ausgelegt. Haben Sie schon alle 10 Fälle im Kopf, oder entwickeln Sie die Ideen erst beim Schreiben?

Die Frage müsste ich eigentlich mit „sowohl als auch“ beantworten. Als ich die Figur des Jeremias Voss entwickelte, stellte ich mir vor, was für Fälle er lösen könnte. Da mir eine ganze Reihe eingefallen sind, legte ich mich zunächst auf zehn fest, weil dies eine überschaubare Zahl war. Um sicherzugehen, dass ich sie auch mit Fleisch füllen konnte, definierte ich eine entsprechende Zahl an Themen. Soweit das grobe Konzept. Dieses Konzept ist fließend, denn während ich an einem Fall schreibe, kommen mir immer wieder Ideen, wie man den nächsten Band gestalten könnte. Es kann passieren, dass ich ein Thema aus dem ursprünglichen Konzept verwerfe und ein neues, spannenderes einfüge. Voss wird zu einer lebenden Figur, mit der ich mich im Geiste unterhalte. Es mag unsinnig klingen, aber wir beeinflussen uns gegenseitig.

Wenn Sie an die Arbeit am ersten Band „Jeremias Voss und die Tote vom Fischmarkt“ zurückdenken. Was hat Ihnen dabei am meisten Spaß gemacht? Haben Sie eine Lieblingsszene in diesem Band?

Diese Frage ist schwer zu beantworten. Als Schriftsteller lebt man in seinen Figuren. Man fühlt mit ihnen. Insofern sind einem alle Szenen ans Herz gewachsen. Man durchleb, während des Schreibens alle menschlichen Gefühle, sei es Trauer, Hass, Zorn, Hinterlist, Spontanität, Liebe, Glück, um einige zu nennen. Ohne dieses Miterleben könnte ich nicht glaubhaft und überzeugend schreiben. Wenn ich eine Szene aussuche, bei deren Beschreibung ich ständig geschmunzelt habe, dann ist es die, in der Voss den Edelpuff in Blankenese besucht. Ob das meine Lieblingsszene ist, kann ich nicht sagen, denn es gibt mehrere, die mich ähnlich, wenn auch mit anderen Gefühlen, berühren.

Das Interview mit Ole Hansen führte Michelle Landau aus dem Lektorat von dotbooks, www.dotbooks.de. Den ersten Fall für Jeremias Vos “Die Tote vom Fischmarkt” finden Sie hier bei uns im Shop.

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