Interview mit Robert Gordian zu “Giftpilze”

CTA GiftpilzeIntrigen und Machthunger im Mittelalter: ‘Giftpilze’ ist der siebte Band der Odo-und-Lupus-Serie von Robert Gordian, geboren 1938 in Oebisfelde. Der Autor studierte Journalistik und Geschichte und arbeitete als Fernsehredakteur, Theaterdramaturg, Hörspiel- und TV-Autor, vorwiegend mit historischen Themen. Seit den neunziger Jahren verfasst er historische Romane und Erzählungen. Für Euch haben wir ein Gespräch mit Gordian über sein ganz persönliches Klosterarchiv, das Wiedersehen mit alten Freunden und seinen historischen Roman Giftpilze.

Mit “Giftpilze” erscheint nun endlich ein neuer Roman rund um Odo und Lupus, die Kommissare Karls des Großen. Warum haben Sie sich so lange Zeit gelassen?
‚Habent sua fata libelli‘, sagt ein antiker Schriftsteller, ‚Bücher haben ihre Schicksale‘. Und so war es auch in diesem Fall. Vor circa zwanzig Jahren verfasst, erschienen die ersten fünf Bände zunächst in einem kleinen Verlag und machten kaum Aufsehen. So beschäftigte ich mich lieber mit anderen Projekten, meinen Serien über die Merowinger und Rosamunde, eine Königin der Langobarden, die beide sehr aufwändig waren. Erst nach zehn Jahren kam ich dazu, noch einen sechsten Band über Odo und Lupus nachzuliefern. Dabei sollte es eigentlich bleiben. Dass dann fast zehn Jahre später die beiden frühmittelalterlichen Kommissare einen so guten Auftritt bei dotbooks hatten, freute mich natürlich und ermutigte mich, noch einmal im ‚Klosterarchiv‘ zu forschen, um den interessierten Lesern diesen siebten Brief unseres Freundes Lupus an seinen Vetter präsentieren zu können. Dies ist nun aber definitiv der letzte.

Wie fühlte es sich nach dieser langen Zeit an, den beiden Herren wieder zu begegnen?
Das war – mal abgesehen vom teilweise sehr düsteren Inhalt des Buches – eine erfreuliche Wiederbegegnung. Man kannte sich, man war vertraut miteinander. Gewöhnlich kommt der Autor den Figuren eines historischen Romans erst nach mehr oder weniger umfangreichen Recherchen nahe. Das war mit Odo und Lupus nicht mehr notwendig. Ein leichtes Fremdeln gibt es natürlich immer – wer Freunde irgendwann nach Jahren oder Jahrzehnten wiedertrifft, kennt das sicher. Aber es schafft schnell wieder Nähe, wenn man mit so guten alten Bekannten an einer neuen Geschichte bastelt.

Die Machtspiele, die Sie in “Giftpilze” beschreiben, sind skrupellos. Glauben Sie, dass es so etwas heute immer noch gibt?
Ja. Und ich denke, wir erleben es gerade. Manche ranghohen Personen, die heute in Wirtschaft und Politik agieren, unterscheiden sich nicht allzu sehr von denen, die vor tausend und mehr Jahren lebten. Ihre Methoden sind etwas verfeinert, doch in der Wirkung nicht weniger brutal, im Gegenteil. Leicht vorstellbar ist, dass solche Leute, hätten sie damals gelebt und wären sie in vergleichbaren Positionen gewesen, nicht viel anders gehandelt hätten. Dass Menschen, die von unten kamen und plötzlich ganz oben waren, in der Höhenluft die Balance verloren und im Machtrausch nur noch Schaden anrichteten, ist in der Geschichte oft vorgekommen. Hoffen wir, dass der Schaden diesmal begrenzt bleibt.

Als Sie “Demetrias Rache” schrieben, den ersten Roman rund um Odo und Lupus, konnten Sie noch nicht ahnen, welchen großen Erfolg die Serie haben würde. Was würden Sie Ihrem jüngeren Ich – aus der heutigen Perspektive gern mit auf den Weg geben?
Nun, ich hätte vielleicht doch noch einige Ideen und Entwürfe für die Roman-Serie ausführen sollen. Bei meiner Odo-und-Lupus-Serie handelt es sich ja um den Versuch, das literarische Genre der Volksbücher ein wenig wiederzubeleben, das in unserem Land Tradition hat, allerdings erst aus dem Spätmittelalter und der frühen Neuzeit hergeleitet. Das wurde von den Lesern erkannt, die in Zuschriften betonten, dass man an den Odo-und-Lupus-Büchern zwar auch die Kriminalgeschichten, vor allem aber die Reiseabenteuer mit der Darstellung des Alltagslebens im 8. und 9. Jahrhundert schätzte. Vielleicht hätte Lupus, der Verfasser der Erlebnisberichte, diesbezüglich etwas mehr bieten sollen? Doch sei er entschuldigt: Er konnte nun wirklich nicht ahnen, dass man das nach tausendzweihundert Jahren noch lesen würde.

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Das Interview führte Timothy Sonderhüsken, Programmleiter dotbooks.

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