Interview mit Thomas Kastura über “Die letzte Lüge”

Thomas-Kastura_Die-letzte-LuegeThomas Kastura ist ein Meister der Spannungsliteratur und legt mit seinem neuen Titel “Die letzte Lüge” nun einen weiteren Meilenstein von Kriminalroman vor.  Der Autor hat bereits zahlreiche Erzählungen, Jugendbücher und Kriminalromane veröffentlicht. “Der vierte Mörder” schaffte es 2007 auf Platz 1 der KrimiWelt-Bestenliste.

In seinem  neuen Roman “Die letzte Lüge” versuchen sich Vater und Tochter die Leiche eines türkischen Drogendealers loszuwerden – und haben es bald mit der halben eruopäischen Mafia zu tun. Ein rasanter, fesselnder, mitunter komischer Kriminalroman. Über die Wahl des ungewöhnlichen Gangster-Duos spricht Thomas Kastura nun hier im Interview.

Lieber Herr Kastura, warum schreiben Sie – und warum haben Sie dieses Buch geschrieben?

„Die letzte Lüge“ ist mein erster Roman – aus dem unversehens ein Krimi bzw. Thriller wurde, ohne dass ich es geplant hatte. Eigentlich wollte ich eine schräge Vater-Tochter-Geschichte schreiben, eine Road Novel, temporeich, spannend, abenteuerlich, etwas, was ich selber gerne lesen würde. Einen Roman wollte ich schon immer verfassen seit meinen ersten literarischen Gehversuchen Ende der 1980er Jahre. Aber als 20-jähriger hatte ich noch nichts zu erzählen. Das hat sich Ende der 1990er geändert, plötzlich war der Stoff da. Muss etwas damit zu tun haben, dass ich damals Vater geworden bin.

Was ist Ihnen an Ihrem Buch besonders wichtig?

Neben der Spannung auf jeden Fall Humor. Als „Die letzte Lüge“ 2002 erschien, stand Tarantino hoch im Kurs, vor dem habe ich ein paar Verbeugungen gemacht. Dann der Markenfetischismus der damaligen Zeit, den Bret Easton Ellis bis zum Exzess getrieben hat, der musste auch mit rein in all seiner Lächerlichkeit; aber auch ein politisches Element, nicht nur oberflächliches Popliteratur-Blabla – dazu später mehr. Na ja, und Gewalt ist immer wichtig, Schusswechsel, Verfolgungsjagden, ra-ta-ta-ta. Was noch? Echte und falsche Liebe. Ein Schuss Hirnrissigkeit.

Ein Vater-Tochter-Duo ist ungewöhnlich. Wie kam es zu dieser Wahl?

Ich habe zwei Töchter, die waren zur Entstehungszeit des Buches noch Babys. Damals habe ich mir überlegt, was passieren könnte, wenn die mal älter sind und wegen irgendwelcher Dummheiten in Schwierigkeiten geraten – zugegeben: sehr ungewöhnliche Schwierigkeiten, Drogen, Mafia etc. In anderen Romanen von mir spielen jugendliche Heldinnen ebenfalls die Hauptrolle, zum Beispiel in „Please Identify“. Diese Perspektive finde ich einfach ungemein interessant. Mit 15, 16 passiert so viel im Leben, entsteht so viel Persönlichkeit, das ist eine Phase, die uns alle stark prägt.

Warum haben Sie Oberitalien als Schauplatz Ihrer Bücher gewählt? Was hat Sie dabei inspiriert?

2001 gewann Berlusconi die Parlamentswahlen in Italien und blieb Ministerpräsident bis 2011, eine entsetzliche, fast diktatorische Zeit. Im Jahre 2001 fand auch der G8-Gipfel in Genua statt, bei dem es zu schweren Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Demonstranten kam – ein Aktivist wurde sogar erschossen, es herrschten bürgerkriegsähnliche Zustände. Die weltweite Globalisierungs- bzw. Kapitalismuskritik erreichte damals einen ersten Höhepunkt. Das sollte unbedingt Eingang in meinen Roman finden. In Italien kam Vieles zusammen: einerseits dolce vita, andererseits wurde das Land zu einer Spielwiese für Kriminelle und mafiöse Politiker. Meine Figur des Claudio Ferro ist quasi ein kleiner Berlusconi. Italien war für Deutschland das, was Mexiko in vielen Büchern und Filmen für die USA ist: eine Art rechtsfreier Raum, in dem alles passieren kann.

Ist ein Autor Ihrer Meinung nach Künstler oder Handwerker?

Beides! Ohne handwerkliches Geschick bleiben selbst die besten künstlerischen Ideen im Ansatz stecken, vor allem bei einem Krimi oder Thriller, im Grunde aber bei jeder Art von erzählender Literatur. Man muss sich einfach die Mühe machen, einen tragfähigen Plot zu entwerfen, die Figuren und ihre Hintergründe auszuarbeiten – und natürlich zu recherchieren, bevorzugt vor Ort. Erst dann kommt die künstlerische Kür, also die Arbeit an der Sprache, an den Blickwinkeln, an kleinen vielsagenden Details. Bestenfalls sieht das am Ende alles ganz leicht und selbstverständlich aus. Allerdings denke ich mir oft noch nach Drucklegung eines Buches: Dies und das hätte ich anders machen sollen. Wir kommen nie zu einem Schluss, genauso wie Phil und Viktor: In meinem Roman „Der rote Punkt“ geht ihre Geschichte weiter …

Vielen Dank für das Gespräch!

Und wer das kriminelle Vater-Tochter-Duo kennenlernen will, findet den neuen Krimi “Die letzte Lüge” hier bei uns im Shop.

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