Der 100. Todestag von Karl May

Karl May als Old ShatterhandHeute jährt sich der Todestag von Winnetou-Schöpfer Karl May zum 100. Mal. Generationen von jungen und nicht mehr ganz jungen Lesern fieberten bereits mit, wenn Old Shatterhand, Kara Ben Nemsi und Hadschi Halef Omar ihre Abenteuer bestritten. Die Wildwestromane und Orientgeschichten des 1842 im Erzgebirge geborenen Autors haben längst Kultstatus erreicht. Mit einer Gesamtauflage von weltweit 200 Millionen Bänden zählt Karl May zu den am häufigsten übersetzten deutschen Schriftstellern.

Nach seiner Schulzeit verdingte sich der aus einer mittellosen Weberfamilie stammende Carl Freidrich May zunächst eine Zeitlang als Lehrer. Seine Laufbahn war jedoch schnell beendet, als er wegen Diebstahls einer Taschenuhr zu einer Haftstrafe von sechs Wochen verurteilt wurde. In der Folge bemühte sich May immer wieder, sich eine rechtschaffende bürgerliche Existenz aufzubauen, doch weitere Betrügereien und Diebstähle führten dazu, dass er immer wieder im Zuchthaus landete.

Während der Zeit seiner Inhaftierung las May vielerlei Reiseberichte und nachdem er aus der Haft entlassen wurde, machte er sich selbst daran, seine ersten literarischen Werke zu verfassen. Neben den berühmten Indianergeschichten und den Reiseerzählungen aus dem Orient schrieb er auch mehrere tausend Seiten lange Fortsetzungsromane wie “Das Waldröschen” sowie verschiedenste Titel der Unterhaltungsliteratur.

Karl May, Winnetou 1Stets auf sein Image bedacht, ging Karl May so weit, sich eigene Autogrammkarten drucken zu lassen und in öffentlichen Auftritten für sich zu werben. Leicht größenwahnsinnig prahlte er damit, weit über 20 Sprachen zu sprechen. Seine Selbstinszenierung ging so weit, dass er behauptete, er selbst sei Kara Ben Nemsi und Old Shatterhand, habe all das, wovon er schrieb, auch wirklich erlebt. Dass er tatsächlich nur ein einziges Mal in Amerika war (1908) und die Prärien und Sandwüsten Nordafrikas, von denen er schrieb, nie gesehen hatte, kam schließlich jedoch heraus und hatte zur Folge, dass ihn einige Zeitgenossen zunehmend mit Geringschätzung bedachten.

Dem Erfolg seiner Romane tut das aber keinen Abbruch. Noch heute sind seine Werke bei Jung und Alt beliebt und inzwischen auch als eBooks erhältlich. Mehr über die Person Karl May erfährt der Leser darüber hinaus zum Beispiel in Christian Mosers Graphic Novel Karl May – Die ganze Wahrheit, in der aus Old Shatterhands Sicht die ganze Wahrheit über das Leben seines Autors berichtet wird.

Wer als Karl May-Fan in den Sommermonaten in Norddeutschland ist, hat zudem in Bad Segeberg Gelegenheit, in die Welt des großen Abenteuererzählers einzutauchen, wenn die alljährlich stattfindenden Karl-May-Spiele ihre Tore öffnen – dieses Jahr zum 60. Mal und zwar vom 23. Juni bis zum 02. September 2012.