Trauer um Jorge Semprún

Jorge SemprúnWie das Kulturministerium Madrid mitteilte, verstarb der spanische Schriftsteller und Freiheitskämpfer Jorge Semprún am gestrigen Dienstag im Alter von 87 Jahren in seiner Wahlheimat Paris. Mit ihm starb einer der größten Intellektuellen Spaniens, der sich als Überlebender des Holocaust zeit seines Lebens als Widerstandskämpfer, Politiker und Freigeist für eine gerechte Gesellschaft engagierte und als bedeutender Literat, der gegen die Unterdrückung und das Vergessen anschrieb, Weltruhm erlangte.

Semprún wurde 1923 in Madrid als Sohn einer linksliberalen Familie des Großbürgertums geboren. 1939 sah sich die Familie im Angesicht des an Bedrohlichkeit gewinnenden Franco-Regimes gezwungen, das Land zu verlassen und sich ins französische Exil zu fliehen. Bald schloss sich der junge Jorge der Résistance in ihrem Kampf gegen die Nazis an. 1943 dann wurde er von der Gestapo verhaftet und 15 Tage lang verhört und gefoltert. Schließlich kam er als politischer Häftling ins Konzentrationslager Buchenwald. Er überlebte als einer von 21.000 Häftlingen – bloß „aus Zufall“, wie er später sagte.

Jorge Semprun, Was für ein schöner Sonntag1963 arbeitete er in seinem Roman Die große Reise die Deportation in einem Viehwaggon literarisch auf. Das Werk wurde mit dem Prix Formentor ausgezeichnet und markiert den Beginn seiner schriftstellerischen Karriere. In Was für ein schöner Sonntag schreibt Semprún dann über die Zeit der Gefangenschaft und die Schrecken von Buchenwald.

Der Kampf gegen den Faschismus und das Franco-Regime prägte Semprúns politisches wie literarisches Schaffen. Zunächst engagierte er sich für die Kommunistische Partei Spaniens; er wurde jedoch wegen Abweichens von der Parteilinie aus der Partei ausgeschlossen. Sein anschließender Kampf im Untergrund machte ihn für neun Jahre zum meistgesuchten Mann Spaniens. Von 1988 bis 1991 war er schließlich als Kulturminister reguläres Mitglied des spanischen Kabinetts. Dann musste er das Amt abgeben, weil er mit dem Parteiapperat aneinander geriet.

Jorge Semprun, Zwanzig Jahre und ein TagIn Der zweite Tod des Ramón Mercader rechnet Semprún mit dem Kommunismus ab. Sein 2003 erschienener Roman Zwanzig Jahre und ein Tag handelt von seiner Zeit im Untergrund. Es ist das erste Werk, das er nicht wie seine anderen Bücher auf Französisch verfasste, sondern in seiner Muttersprache Spanisch. Zudem war der Schriftsteller, der von sich selbst sagte, dass er nicht fabulieren könne und zu viel zu erzählen habe, um Lust am Erfinden zu haben, als Drehbuchautor tätig. Für sein Drehbuch für den Film „Z – Anatomie eines politischen Mordes“ des Politregisseurs Costas Gavras erhielt er eine Oscarnominierung.