Wie aus einem Pet-Content-Lab der Roman “Kalle und Kasimir” enstand

Kalle-und-Kasimir-Cover-mit-CtaHeute wollen wir uns einem wirklich beeindruckenden Phänomen widmen – Inzwischen ist sicher nicht nur meine Facebook-Timeline voll mit Videos und Gifs von süüüüßen Igeln, Pandas, Hunden, Katzen, Ottern – die Begeisterung für (Haus-)Tiere scheint grenzenlos (#cutenessoverload !). Welche Art von Tier ist hierbei übrigens längst zur Nebensache geworden – aus dem einstigen “Cat-Content” wurde daher inzwischen der “Pet-Content”.

Und so kam es, dass stolze Herrchen aufwendigst eigene Instagram-Accounts ihrer liebsten Spielgefährten pflegen (kennen Sie z.B. schon @huffthehedgehog?) und der Medienrummel um die possierlichen Tierchen immer weiter zunimmt. Kaum verwunderlich also, dass das Interesse an den putzigen Vierbeinern auch immer mehr Autoren dazu motiviert, selbige als Protagonisten einzusetzen. Bestes Beispiel: der neue Roman von Mirja Müntefering “Kalle und Kasimir – Der geheimnisvolle Nachbar” 

Was Eltern früher ihren Kindern als Gute-Nacht-Gesch
ichte vorlasen, funktioniert heute hervorragend auch als Erwachsenenliteratur – Social Media sei Dank! Wie die Idee zum Buch entstand, welche Herausforderungen dem Team von Bastei Lübbe Entertainment den letzten Nerv raubten und wie am Ende doch noch alles sein gutes Ende nahm, verraten wir hier im Werkstattbericht “Pet Content Lab”!

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Werkstattbericht-Kalle-KasimirZwischen halbvollen Colaflaschen, Kaffeetassen und Schokoriegeln liegen ein paar bunte Textmarker und Karteikarten. Die einzigen Hinweise, dass wir hier sind, um zu arbeiten. Der Auftrag: Katzenbücher. Nach dem Erfolg von “Bob, der Streuner” wollen wir unbedingt noch mehr davon. Oder, wie man in der Branche sagt: Pet-Content. Um genau zu sein, wollen wir Feel-Good-Pet-Content.

Und wir hatten bereits tolle Ideen. Eine Glückskatze, die den Menschen auf die Sprünge hilft zum Beispiel. Vielleicht könnte man auch einfach mal wieder eine richtig schöne Liebesgeschichte schreiben, in der die Besitzer nur dank der Tiere zusammenfinden. Oder noch ein Katze
nkrimi? Die Serie um Kater Brown läuft sehr gut. Wenn wir eine weitere Serie machen, müsste noch etwas Neues rein. Irgendein Twist. Etwas, das es so noch nicht gibt.

Und daran scheitern wir gerade. Die Luft ist raus. Wortwörtlich. Stephans Kopf liegt schon auf dem Tisch. Annika und Lena unterhalten sich zwar angeregt, es ist aber ungewiss, ob süße Ermittlerkatzen noch ihr Hauptthema sind. Jemand öffnet das Fenster. Vielleicht beflügelt die frische Luft ja unsere Gedanken.

“Möchte noch jemand einen Schokoriegel?” Rebecca hält den Süßigkeitenkorb hoch. Einige schütteln müde den Kopf, andere stöhnen so angewidert auf, als hätte sie ihnen soeben panierte Nacktschnecken angeboten. Auch mir wird inzwischen schlecht, wenn ich auch nur an Schokolade denke.

“Los, los, los. Niedliche Katzen, die Kriminalfälle lösen. So schwer kann das nicht sein. Das ist doch eigentlich ein Selbstläufer. Wer kann schon zu einer süßen Katze “nein” sagen?”

“Ich hasse Katzen!”, sagt Annika demotiviert und vergräbt den Kopf in ihren Händen.

“Na, dann nehmen wir eben noch einen Hund dazu.” Stephan ist wieder unter den Lebenden.

“So einen richtig süßen. Einen Mops oder so.”Werkstattbericht-Kalle-Kasimir-3

Auf einmal sind alle wieder hellwach.

“Und wie wäre es eigentlich, wenn die Katze mal nicht süß ist?”, fragt Rebecca.

“Genau!“ Lena richtet sich kerzengerade auf. „Sie könnte auch einfach mal … richtig eingebildet sein!”

Zustimmendes Gemurmel. Unser Berater, Mario Giordano, nimmt einen Edding, geht zum Flipchart und malt zwei Kreise auf das Papier. Mops und Katze schreibt er rein. Unter die Katze schreibt er nicht nur eingebildet, sondern auf Zuruf auch herablassend und gemein.

“Der Mops ist dafür umso netter.”

“Ja, so ein richtig gutherziges Wesen. Ein wenig treudoof.”

Wir überlegen, wie die beiden aufeinandertreffen könnten. Ein Tierheim ist schwierig für eine Geschichte, da Tiere von dort schlecht wegkommen. Und es erscheint uns ein wenig unrealistisch, dass jemand einen Hund und eine Katze gleichzeitig adoptieren würde.

“Wie wäre es denn, wenn die beiden gezwungenermaßen zusammenleben müssen? Weil Herrchen und Frauchen zusammenziehen?”, fragt Rebecca in den Raum.

“Das wäre super. Dann könnte die Katze total genervt sein, dass sie nicht mehr in Ruhe ermitteln kann und wird natürlich versuchen, den Hund wieder loszuwerden.”

Das ist in der Tat perfekt. Konfliktpotential ist sehr wichtig für Bücher. Wir taufen die Beiden erstmal “Leo und Luzifer” und überlegen uns Charakterisierungen für Herrchen und Frauchen. Das Flipchartpapier wird zu einem bunten Konstrukt aus Pfeilen und Ideen.

Nach dem Brainstorming fasst Mario alles in einem Konzept zusammen. Die Grundidee, eine Synopsis, Charakterisierungen der Protagonisten und mögliche Konflikte. Aus der Katze wird ein Kater. Wir sind begeistert von dieser ungewöhnlichen und doch charmanten Kombi. Jetzt brauchen wir nur noch einen Autor oder eine Autorin. Als großes Verlagshaus haben wir das Glück, mit vielen erfolgreichen Autoren zusammenzuarbeiten. Das Schwierige ist, dass wir in diesem Fall jemand brauchen, der sowohl in einem eher lustigen, heiteren Tonfall schreiben kann, als auch Katzen UND Hunde in ihren Verhaltensweisen gut kennt. Ein Ding der Unmöglichkeit?

Wenige Wochen später kreischt ein freudiges “Juchuuuuuuu!” über den gelben Flur unserer Abteilung.

“Was ist los?”

“Mirjam Müntefering hat zugesagt unsere Katzen-Mops-Krimi-Serie zu schreiben. Sie ist von der Idee begeistert und kann sich gut vorstellen, sie zu adoptieren.”

Das ist absolut super. Sie ist eine sehr erfahrene Autorin und hat mit “Weihnachten mit Bolle” bereits ein Tierbuch geschrieben. Außerdem hat sie Werkstattbericht-Kalle-Kasimir-2selber Katzen und sogar eine Hundeschule. Sie bringt somit beste Voraussetzungen mit, um Mops und Kater tierisch in Szene zu setzen. Ein wahrer Glücksgriff!

Einzige Bedingung der Autorin: Die Tiere sollen nicht “Leo und Luzifer” heißen, da Leo inzwischen sehr inflationär als Hundename verwendet wird und kein Frauchen ihren heißgeliebten Kater “Luzifer” nennen würde. Überzeugende Einwände. Als ein dreiviertel Jahr später die Geschichte von Mops und Kater als eBook erscheint, heißen die beiden Hauptdarsteller daher “Kalle und Kasimir”.

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