Rezension zu „crystal.klar“ von Dominik Forster

26039998_9783946086154_xlIn seinem autobiografischen Roman „crystal.klar“ erzählt Dominik Forster von seiner durch Drogen zerstörten Jugend. „crystal.klar“ ist ein schonungslos ehrlicher autobiografischer Roman über eine steile Drogenkarriere und den sich anschließenden beinahe unvermeidlichen Absturz. Seit 2013 ist Dominik Forster nun als ehrenamtlicher Mitarbeiter in der Suchtprävention in Nürnberg tätig. Daneben ist er Mitbegründer des Mountain Activity Clubs, einem gemeinnützigen Verein für Prävention und Peerarbeit, und ist beteiligt am Projekt “Spotting – selektive Prävention für junge Risikokonsumenten/innen”, das vom Bundesministerium für Gesundheit gefördert wird.

Worum geht es?
Als schulischer Außenseiter beginnt Dominik Forster unmittelbar nach dem Schulabschluss mit dem Konsumieren von Haschisch, um endlich dazu zugehören. Später helfen Dominik Forster XTC und Crystal Meth, mit denen er auch dealt, dabei, endlich der gechillte und coole junge Mann zu werden, der er schon immer sein wollte. Auch die brutale Welt des Jugendgefängnisses, in der ausschließlich das Gesetz des stärkeren gilt, lässt ihn seine Lebensgestaltung nicht überdenken, sondern neue, größere Drogengeschäfte planen. Erst ein Entzug und eine anschließende Therapie lassen Dominik Forster wieder in ein selbstbestimmtes Leben zurückfinden.

Wie fand ich…den Einstieg?
Mir fiel der Einstieg in diesen autobiografischen Roman erstaunlich leicht. Bereits der packend geschriebene Prolog, in dem scheinbar auf einen Rückfall in alte Verhaltensmuster während der Resozialisierungsphase vorgegriffen wird, erzeugt Spannung. Danach folgt im ersten Kapitel ein harter Schnitt und Dominik Forster erzählt aus seiner glücklichen Kindheit in einer scheinbar heilen Welt. Dieser große Kontrast weckte meine Neugier und ließ mich zügig weiterlesen, um zu erfahren, wie es soweit kam und wann und wie Dominik Forsters Leben eine so dramatische Wendung erfuhr.

…den Handlungsverlauf?
Dominik Forster wählt einen streng chronologischen Aufbau und führt den Leser in einer erschütternden und bisweilen verstörenden Ehrlich- und Schonungslosigkeit durch die Höhen und Tiefen seiner Drogenkarriere. Dabei verzichtet er weitgehend auf jede Form der Moralisierung und lässt einzig die Situationen und Erlebnisse wirken. Vollkommen ungefiltert kann der Leser so nachempfinden, was es heißt, wenn die Drogenabhängigkeit das eigene Leben bestimmt. Eindrücklich schildert er den gesamten Prozess in die Abhängigkeit – vom anfänglichen Hoch bis zum fast vollständigen körperlichen und seelischen Verfall. Die Nachdrücklichkeit, mit der Dominik Forster dies beschreibt, ist nicht immer leicht zu ertragen, macht seine Geschichte aber umso glaubhafter. Obwohl sich meine eigenen „Drogenerfahrungen“ auf ein paar heimlich gerauchte Zigaretten und eine gesellschaftlich anerkannte Koffeinsucht beschränken, ging mir Dominik Forsters Schilderungen mehr als einmal tief unter die Haut. Nicht selten musste ich einige Male bewusst tief ein- und ausatmen, um nach besonders intensiven Abschnitten Abstand zum Gelesenen zu erhalten und wieder zu mir selbst zurückzufinden.

…die Sprache?
Zugegeben: große Prosa ist es nicht, was der Leser in „crystal.klar“ präsentiert bekommt. Aber das erwartet von einem Buch dieses Themas auch niemand. Die klare, offene und direkte Alltagssprache, in der Dominik Forster schreibt, verleiht dem Buch große Authentizität. Verstärkt wird dieser Effekt durch die Ich-Perspektive, in der „crystal.klar“ verfasst ist. Bis auf ein paar gut gewählte, seltene Ausnahmen beschränkt Dominik Forster seine Schilderungen auf sein unmittelbares Erleben und Empfinden in den jeweiligen Situationen. Rechtfertigungen, Erklärungen oder moralische Belehrungen findet man kaum. So bleibt es allein dem Leser überlassen, sich mit dem Gelesenen auseinanderzusetzen, was das Leseerlebnis umso intensiver werden lässt.

…das Ende?
Dominik Forster beendet „crystal.klar“ mit der Entlassung aus der stationären Drogentherapie. In einem Epilog wird die Einstiegsszene noch einmal aufgegriffen. Sie ist gerade soweit verändert, dass deutlich wird, dass Dominik Forster den aufgezeigten Weg in ein selbstbestimmtes Leben weiterverfolgt. Vor allem die Symbolik dieser Schlussszene gefiel mir gut. Allerdings hätte ich mir noch einige Worte mehr über die so kritische unmittelbare Zeit nach der Entlassung gewünscht. Schließlich ist selbst nach einem erfolgreichen Entzug und einer Therapie der Weg zurück in die Gesellschaft nicht leicht. Allein die Suche nach einer Wohnung und einem Job können bei dieser Vergangenheit schier unüberwindbare Hindernisse auf dem Weg zurück zur Normalität sein. Ich bin mir sicher, hier gab es einige Enttäuschungen und Rückschläge, und mich hätte interessiert, wie Dominik Forster damit zu Recht kam.

In einer erschütternden Offenheit berichtet Dominik Forster seinen langsamen aber stetigen Weg in die Abhängigkeit und ihre Folgen. Die Ich-Erzählerperspektive und direkte Alltagssprache machen „crystal.klar“ zu einem intensiven und authentischen Leseerlebnis, das mir gleich ein paar Mal tief unter die Haut ging. Besonders gut gefiel mir, dass „crystal.klar“ tatsächlich ganz ohne Rechtfertigungen, Schuldzuweisungen oder moralische Belehrungen auskommt. Nahezu ungefiltert schildert Dominik Forster aus der Sicht seines damaligen Ichs seine Erlebnisse, Gefühle und Gedanken. Das ist bisweilen zwar nur schwer zu ertragen, verfehlt aber nicht seine Wirkung. Selten habe ich eine Autobiografie gelesen, bei der der Autor den Leser so nah an sich heran lässt. Dominik Forster führt seine Leser tatsächlich so weit und nachdrücklich in seine ehemalige Junkiewelt, dass es ein paar bewusste Atemzüge brauchte, um wieder ganz bei sich selbst anzukommen. Die großen Offenheit, mit der er über seine eigene Vergangenheit berichtet, nötigt großen Respekt ab. 

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