Drei Fragen an Alina Herbing

Urig-gemütliche Bauernhöfe aus Fachwerk, kuschelige Lämmchen,  selbstgemachte Marmelade: Solche Klischee-Bilder eines Dorfidylls zeigt Alina Herbing in ihrem Debütroman nicht. Stattdessen: vernachlässigte Kälber, übervolle Fliegenfänger an Küchendecken, tradierte Geschlechterrollen. Und über alledem schwebt die ständige Frage, wie man aus dem Dorf den Absprung in die Freiheit schaffen kann?

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Trauer um Christa Wolf

Christa WolfWie der Suhrkamp Verlag gestern mitteilte, verstarb die renommierte Schriftstellerin Christa Wolf am gestrigen Donnerstag nach langer Krankheit im Alter von 82 Jahren. Sie zählte zu den bedeutendsten deutschsprachigen Autorinnen der Gegenwart und wurde für ihr literarisches Schaffen mit verschiedenen Preisen ausgezeichnet, darunter der Deutsche Buchpreis, der Thomas-Mann-Preis und der Georg-Büchner-Preis.

Christa Wolfs Werk ist eng mit dem eigenen Leben in der DDR verknüpft. Als Mitglied der SED blieb die 18. März 1929 in Landsberg im heutigen Polen geborene Autorin von 1949 bis zum Wendejahr 1989 dem deutsch-demokratischen Regime treu und galt lange als Symbolfigur der DDR-Literatur. Gleichzeitig stand sie dem DDR-Machtapparat jedoch auch kritisch gegenüber. Nach der Wiedervereinigung trat sie zwar aus der SED aus, setzte sich jedoch für deren Fortbestand unter demokratischer Flagge ein. Zudem bekannte sie sich zu ihrer Vergangenheit als inoffizielle Mitarbeiterin der Stasi, von der sie in späteren Jahren selbst überwacht wurde.

Christa Wolf, Stadt der EngelSie studierte Germanistik in Jena und Leipzig und arbeite später als wissenschaftliche Mitarbeiterin beim Deutschen Schriftstellerverband und als Cheflektorin des Verlages “Neues Leben”. Ihren ersten großen Erfolg erlangte sie 1962 mit dem Roman Der geteilte Himmel, der die Problematik um das geteilte Deutschland zum Thema hat. Ihre Erzählung Was bleibt trägt autobiographische Züge und schildert die Überwachung durch das Ministerium für Staatssicherheit der DDR. Zu ihren bekanntesten Werken zählen außerdem Kassandra, in dem sie den Mythos des Trojanischen Kriegs aufgreift, sowie der Roman Medea. Ihr letzter (ebenfalls autobiografischer) Roman Stadt der Engel oder The Overcoat of Dr. Freud erschien im Sommer 2010.

Christa Wolf hinterlässt ihren Ehemann, den Schriftsteller Gerhard Wolf, und zwei Töchter.

»Ich glaube, es wird eine solche Stimme wie die von Christa Wolf nicht mehr geben. Eine Frau, die gesamtdeutsch und darüber hinaus in Kategorien der Weltliteratur dachte, aber so eindeutig geprägt war durch die Gesellschaft der DDR, und die immer aus ihrer Herkunft, aus all ihrer lokalen Vernetzung heraus, die großen Themen angesprochen hat.« PEN-Präsident Johano Strasser

50 Jahre Mauerbau

Die MauerDer 13. August 1961 war ein denkwürdiger Tag. Denn nur knapp zwei Monate nachdem SED-Chef Walter Ulbricht beteuert hatte, niemand habe die Absicht, eine Mauer zu errichten, wurde unter Aufsicht von Volkspolizei und Nationaler Volksarmee mit dem Bau der Berliner Mauer begonnen. Mit Stacheldraht, Panzersperren und spanischen Reitern wurden die Straßen und Gleise nach West-Berlin bereits in der Nacht vom 12. auf den 13. August gesperrt, noch bestehende Verkehrsverbindungen zwischen den beiden Teilen Berlins wurden unterbrochen, die Sektorengrenze nach West-Berlin hermetisch abgeriegelt. Es folgte der mehrere Tage lang dauernde Bau der Mauer, die Deutschland knapp 30 Jahre in zwei Hälften spalten sollte.

Berlin 1961Zum 50. Jahrestag erinnern zahlreiche Verlage mit Neuerscheinungen und Wiederauflagen an dieses einschneidende Ereignis. Mit einer Mischung aus Fakten, Bildern, Analysen und Erzählungen bietet etwa der unter der Herausgeberschaft von „Bild“-Chefredakteur Kai Diekmann erschienene Band Die Mauer einen anschaulichen Überblick über Ereignisse und Schicksale rund um die Berliner Mauer. Wer dagegen tiefer in die Materie eindringen will, kann sich in Berlin 1961 – Kennedy, Chruschtschow und der gefährlichste Ort der Welt ausführlich über das Krisenjahr informieren. Kalter Krieg und drohender Atomkrieg, eine prekäre politische Lage und Massenflucht aus der DDR – Frederick Kempe beschreibt auf über 650 Seiten, was Berlin und die Welt in dem Jahr bewegte, als die Mauer gebaut wurde.

Nostalgiker und Ästhetiker finden zum Beispiel im Bildband Meine Mauer 200 nie gezeigte und in der Zeit von 1986 bis 1993 aufgenommene Fotografien der Mauer und der Orte, an denen sie einst stand. Und Stasi-Tochter, Dissidentin und Politikerin Vera Lengsfeld erzählt in ihrem autobiografischen Werk Ich wollte frei sein eindrücklich von Mauer und Stasi, von Zweifeln am System und politischem Engagement und von einem schmerzlichen Verrat.

Simon Urban, Plan DFür Kinder interessant ist das bereits im Mai dieses Jahres erschienene Als die Mauer stand, das die Geschichte der Berliner Mauer für jene kleinen Menschen aufbereitet, die DDR und geteiltes Deutschland nur noch aus Erzählungen kennen. Und auch auf belletristischer Seite gibt es Neues: Simon Urban entwirft in seinem Roman Plan D eine Welt, in der es nie zur Wiedervereinigung gekommen ist, Egon Krenz seit 22 Jahren die Geschicke der DDR lenkt, die kurz vor dem Konkurs steht, und Oskar Lafontaine als Bundeskanzler der BRD in Erscheinung tritt. „Wenn ich dieses Jahr, zumindest bis jetzt, etwas empfehlen kann, dann dieses Werk von noch unbekannten S. Urban“, meint ein Kunde.

Weitere aktuelle Neuerscheinungen zum Thema Mauerbau, Bundesrepublik Deutschland, Deutsche Demokratische Republik und Wiedervereinigung – darunter neben Büchern auch DVDs und eBooks – haben wir für Sie in unserem Special zum Mauerbau zusammengestellt.