Der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels geht an Boualem Sansal

Boualem-SansalZum Auftakt der Berliner Buchtage 2011 gab der Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels Dr. Gottfried Honnefelder gestern bekannt, dass der diesjährige Friedenspreis dem algerischen Schriftsteller Boualem Sansal verliehen wird. „Mit seinem hartnäckigen Plädoyer für das freie Wort und den öffentlichen Dialog in einer demokratischen Gesellschaft tritt er gegen jede Form von doktrinärer Verblendung, Terror und politischer Willkür auf“, so die Begründung des Stiftungsrats. Mit seiner Wahl will der Börsenverein ein Zeichen setzen für die Demokratiebewegung in Nordafrika, für die sich der Autor, der zu den bedeutendsten französischsprachigen Schriftstellern der Gegenwart zählt, seit Jahren engagiert.

Boualem Sansal wurde 1949 geboren und wuchs im Arbeiterviertel von Algier auf. Nach einem Studium der Wirtschaftswissenschaften und der Promotion in industrieller Ökonomie, war er eine Zeitlang als Ökonom in leitender Stellung in der algerischen Regierung tätig. Unter dem Eindruck des in Algerien wütenden Bürgerkriegs begann er 1996 mit dem Schreiben seines ersten Romans Der Schwur der Barbaren. Drei Jahre später wurde der Politkrimi, in dem Sansal offene Kritik an den politischen und sozialen Verhältnissen in seinem Heimatland übt, veröffentlicht. In der Folge wurde er von seiner Arbeit im Ministerium beurlaubt und später aus dem Staatsdienst entlassen.

Boualem Sansal, Das Dorf der DeutschenMit Postlagernd: Algier verfasste Sansal 2006 einen offenen Brief an seine Landsleute, in dem er eine wahrhaftige Demokratie fordert. Nach der Veröffentlichung wurden sämtliche Bücher des inzwischen 61jährigen Schriftstellers in Algerien auf den Index gesetzt. Trotz des wachsenden politischen Drucks entschied er sich, in Algerien zu bleiben. In seinem neuesten Roman Das Dorf des Deutschen geht es um einen in Algerien lebenden Deutschen und seine Söhne, die sich plötzlich mit der Nazi-Vergangenheit konfrontiert sehen. “Ein dichtes, den Leser in Bann schlagendes Meisterwerk eines der mutigsten Autoren des Maghreb – zwischen einem Dorf in Algerien, einer Pariser Banlieu und einer deutschen Herkunft spiegelt sich gegenwärtige Gewalt in einer gewaltigen Vergangenheit“, lobte Ilija Trojanow das Werk, das im vergangenen Jahr als Taschenbuch im Merlin Verlag erschien.

Auf die Frage nach seiner ersten, spontanen Reaktion auf die Nachricht, dass er den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels erhalten habe, sagte Sansal in einem Interview mit Börsenblatt-Redakteur Michael Roesler-Graichen: “Ich habe es nicht geglaubt. Ich dachte, es wäre ein Witz.”

Die Verleihung des Preises wird im Rahmen der Frankfurter Buchmesse am 16. Oktober 2011 in der Paulskirche stattfinden und vom ZDF live übertragen.