Unser Gedicht des Monats September

So langsam verabschiedet sich der Sommer, aber noch können wir glücklicherweise draußen die letzten warmen Sonnenstrahlen genießen.

Eduard Mörike (* 8.9.1804 in Ludwigsburg; † 4.6.1875) gilt heute als einer der wichtigsten Lyriker des Biedermeier, fand zu Lebzeiten aber wenig literarische Beachtung. Theodor Storm allerdings erkannte den evangelischen Pfarrer, der zeit seines Lebens mit seinem “Brotberuf” haderte, als großen Dichter und stand in regem Briefwechsel mit ihm. In seinem Gedicht “Septembermorgen” beschreibt Möricke wunderschön den Beginn eines neuen Tages im Frühherbst. Deshalb haben wir es als unser Gedicht des Monats September ausgesucht.

 

Tag im FrühherbstSeptembermorgen

Im Nebel ruhet noch die Welt,
Noch träumen Wald und Wiesen:
Bald siehst du, wenn der Schleier fällt,
Den blauen Himmel unverstellt,
Herbstkräftig die gedämpfte Welt
In warmem Golde fließen.

– Eduard Mörike

Unser Gedicht des Monats August

William BlakeGestern, am 12. August 2012, jährte sich der Todestag des bekannten Dichters und Malers William Blake zum 185. Mal. Aus diesem Anlass ist unser Gedicht des Monats August “The Blossom” (auf Deutsch “Die Blüte”).

William Blake wurde am 28. November 1757 als Sohn eines Londoner Händlers geboren. Seine erste Dichtung schrieb er bereits mit 12 Jahren, sie sollte 1783 auch seine erste Veröffentlichung sein. Er glaubte stets an die spirituelle Welt. Aus der Bibel bezog er sein ganzes Leben lang die Inspiration für viele seiner Werke. Seiner Frau Catherine, die er mit 25 Jahren heiratete und die für den Rest seines Lebens seine Gefährtin war, brachte er das Lesen und Schreiben bei. Sie half ihm bei der Arbeit an seinen Werken und kolorierte mehrere seiner Kupferstiche.

 

The Blossom

Merry, merry sparrow,
Under leaves so green,
A happy blossom
Sees you, swift as arrow,
Seek your cradle narrow
Near my bosom.

Pretty, pretty robin,
Under leaves so green,
A happy blossom
Hears you sobbing, sobbing,
Pretty, pretty robin,
Near my bosom.

– William Blake (1757 – 1827)

William Blake: The Blossom

Weitere Gedichte in der original englischen Sprache gibt es als Hörbuch:
The Great Poets: William Blake

Unser Gedicht des Monats Juli

Auch wenn der Juli bisher vielerorts gar nicht so viel mit einem Sommer, wie man ihn sich wünscht, zu tun hat und mit reichlich Regen bedacht ist, zieht es auch in diesem Jahr viele Durstige in die Biergärten dieser Welt. Zu Ehren dieser Hartgesottenen ist unser Gedicht des Monats „Antwort eines trunknen Dichters“ von Gotthold Ephraim Lessing (1729-1781).

Antwort eines trunknen Dichters

Ein trunkner Dichter leerte
Sein Glas auf jeden Zug;
Ihn Warnte sein Gefährte:
“Hör’ auf! du hast genug.”

Bereit vom Stuhl zu sinken,
Sprach der: “Du bist nicht klug;
Zu viel kann man wohl trinken,
Doch nie trinkt man genug.”

Gotthold Ephraim Lessing (1729-1781)

Gedicht des Monats Juni

Winter und Frühling liegen hinter uns und heute ist es soweit: Am 21. Juni ist der Tag der Sommersonnenwende – damit sind wir auch kalendarisch im Sommer angekommen. Aus diesem Grund ist unser Gedicht des Monats “Sonnwendtag” von Georg Heym (1887-1912):

Sonnwendtag

Es war am Sommersonnwendtag,
Dein braunes Haar im Nacken lag
Wie Gold und schwere Seiden.

Da nahmst du mir die feine Hand.
Und hinter dir stob auf der Sand
Des Feldwegs an den Weiden.

Von allen Bäumen floss der Glanz.
Dein Ritt war lauter Elfentanz
Hin über rote Heiden.

Und um mich duftete der Hag,
Wie nur am Sommersonnwendtag,
Ein Dank und Sichbescheiden.

Georg Heym (1887-1912)

Unser Gedicht des Monats Mai

Portrait von August Strindberg (Richard Bergh, 1905)Heute ist der 100. Todestag von August Strindberg. Der als rastlos und wütend, egozentrisch und größenwahnsinnig verschriene Autor gilt als größter Dramatiker Schwedens, hat aber auch Romane, Novellen, Essays und Gedichte verfasst. 1849 in ärmliche Verhältnisse geboren, bemühte sich Strindberg nach dem Abbruch seines Sprachstudiums als junger Erwachsener zunächst erfolglos um die Aufnahme an einer Schauspielschule. Stattdessen wurde er Hauslehrer – und begann mit dem Schreiben.

Anlässlich des Todestag des heute vor 100 Jahren verstorbenen Dichters haben wir sein Werk „Schien mir´s, als ich sah die Sonne…“ zu unserem Gedicht des Monats Mai gemacht. Allen, die mehr über den Zeit seines Lebens an Depressionen und nervenaufreibenden Sinnkrisen leidenden Schriftsteller erfahren möchten, sei die gerade in der Neuauflage erschienene Strindberg-Biografie (auch erhältlich in der Print-Ausgabe) des renommierten schwedischen Autors Per Olov Enquist empfohlen.

Schien mir´s, als ich sah die Sonne…

Schien mir´s, als ich sah die Sonne,
daß ich schaute den Verborgnen:
Jeder Mensch genießt die Werke,
selig der das Gute übet.
Für die Zornestat, die du verübtest,
büße nicht mir Bosheit;
tröste den, den du betrübest,
gütig, und es wird dir frommen.
Der nur fürchtet, der sich hat vergangen:
gut ist schuldlos leben.

August Strindberg (1849 – 1912)