Rezension zu “Iran: Der falsche Krieg” von Michael Lüders

Michael Lüders, Iran - der falsche KriegSeit vielen Monaten kann man es in vielen Ländern des Westens vernehmen, und viele Medien beteiligen sich kräftig daran: ein kräftiges Säbelrasseln gegen Iran, einem zweifelsfrei nicht freiheitlichen Land mit einem Regierungschef, der immer wieder sogar vor der UNO gesagt hat, er wolle Israel von der Landkarte tilgen.

Die Debatten und Sanktionen im Zusammenhang mit den vom Westen vermuteten Vorbereitungen des Iran für den Bau einer eigenen Atombombe, die dann wiederum nicht nur die Sicherheit Israels in Frage stellen würde, dauern noch viel länger an. Doch erst seit kurzem wird nicht nur in Israel von Krieg geredet. In einem Erstschlag soll das Atomprogramm des Iran vernichtet werden und so die Sicherheit in der Region gesichert werden.

Kaum eine Gegenstimme ist in den letzten Monaten dagegen laut geworden, nicht in Israel und nicht in den USA. Auch Andrea Merkel betonte immer wieder, dass das Existenzrecht Israels unter die Staatsraison Deutschlands falle, ohne sich genau festzulegen, welche Position sie im aktuellen Konflikt einnimmt.

Auch wenn es in den vergangenen Wochen, seit das Buch Iran: Der falsche Krieg (auch erhältlich in der Print-Ausgabe) von Michael Lüders erschienen ist, etwas ruhiger geworden ist, die Planungen für einen solchen Waffengang sind abgeschlossen und können jederzeit ausgeführt werden.

Lüders überprüft die Fakten und die Begründungen, die für einen solchen Krieg gegeben werden. Er kritisiert die Medien, auch in Deutschland, die eine solche Prüfung verweigern und bei ihrer Berichterstattung lieber dem bekannten Gestus folgen, nachdem wir im Westen die Guten und die dort im Iran die Bösen sind. Böse, die Israels Existenz bedrohen und die Juden ins Meer jagen wollen.

Lüders führt einsichtig und anschaulich in die innenpolitische Situation im Iran ein, die weit weniger monolithisch ist, als man herkömmlich denkt. Innere Widersprüche im Machtapparat und oppositionelle Bewegungen, relativieren eine Bedrohung, die er nicht leugnet, die er aber in völlig andere Kontexte stellt.

Er warnt den Westen vor einem Waffengang, dessen Folgen dramatisch sein könnten. Und an die Adresse Israels richtet er folgenden Appell:
„Israel müsste sich neu erfinden, will das Land nicht denselben Weg nehmen wie das antike Sparta. Israels größte Bedrohung geht eben nicht vom Iran aus, auch nicht von den Arabern und den Palästinensern. Vielmehr liegt sie im Verlust liberaler und humanistischer Traditionen des Judentums, den schon Hannah Arendt mit Blick auf die Politik Israels beklagte.“

Auch Schriftsteller und Intellektuelle wie David Grossmann etwa sehen in der innenpolitischen Situation und in der dauerhaften Besatzung die größte Bedrohung für die Existenz eines demokratischen Israel, das sich nicht mehr einheitlich definiert. David Ranan hat das jüngst in seinem Buch Ist es noch gut für unser Land zu sterben? (Nicolai 2011) gezeigt.

Die Regierung Netanjahus, die dieser nun mit einem genialen politischen Schachzug fast unangreifbar gemacht hat, muss weiter kritisiert werden. Zu viele in Deutschland und in den USA verwechseln eine Solidarität mit Israel mit einer bedingungslosen Loyalität zur jeweiligen Regierung, auch wenn sie das Land ruiniert. Dass in Israel selbst ein immer größer werdender Bevölkerungsteil diese Politik unterstützt, macht die Lage nicht hoffnungsvoller.

Umso wichtiger ist dieser an die deutsche Öffentlichkeit gerichtete Mahnruf von Michael Lüders.