Unsere “Must-Read” Sach- und Fachgeschichten

Das gesamte Wissen der Welt wird in Büchern überliefert. Alte Erkenntnisse mischen sich mit neuen Erfahrungen. Alte Geschichten können trösten, verletzen, heilen aber vor allem bilden. Denn Weisheit wird erst mit der Hilfe eines erkenntnisreichen und informativen Buches geformt. Die Vergangenheit der Menschen steht in Büchern geschrieben, die Gegenwart und auch die Zukunft. Um insbesondere das zeitgenössische Treiben hinsichtlich der Politik und die Vereinigung von Wissenschaft und Glaube zu verstehen, gibt es hier eine Auswahl an den thematisch passenden Sachbüchern aus dem Frühjahr 2017. Wie hat sich die Geschichte der Menschheit so entwickelt, dass wir heute genau so leben, wie wir es tun? Und wie kann ich das beste aus mir und meinem Leben herausholen in der Zeit, in der ich lebe? Die Antworten dieser Fragen stehen in den Büchern. Findet ihr sie? Weiterlesen

Der Pulitzer-Preisträger 2011 jetzt auch auf Deutsch: “Der König aller Krankheiten” von Siddhartha Mukherjee

Der König aller Krankheiten – für diese “Biografie” der Krankheit Krebs wurde Siddhartha Mukherjee 2011 mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet. Lesen Sie hier ein Kurzinterview mit dem New Yorker Autor sowie Näheres zum Inhalt des Buches, das auch als epub eBook zum sofortigen Download erhältlich ist.

Kurzinterview

Siddhartha MukherjeeAm 22. Februar erschien Siddhartha Mukherjees großes Buch über den Krebs in deutscher Übersetzung. „Der König aller Krankheiten. Krebs – eine Biografie“ ist bereits jetzt das Standardwerk zu Krebs und setzt ganz neue Maßstäbe. Nicht ohne Grund hat Siddhartha Mukherjee 2011 dafür den Pulitzer-Preis erhalten. Fritz Pleitgen, der Präsident der Deutschen Krebshilfe, schreibt darüber: „Alle anderen Veröffentlichungen zu Krebs werden von diesem Buch in den Schatten gestellt.“ Hier beantwortet Siddhartha Mukherjee für unsere Leser die drei grundlegendsten Fragen zu seinem Buch.

Was brachte Sie dazu, ein Buch über Krebs zu schreiben?

Das Buch ist eine sehr lange Antwort auf die Frage einer Patientin, die ich in Boston behandelte. Die Frau litt an einem sehr aggressiven Unterleibstumor. Sie hatte bereits eine Chemotherapie hinter sich, bekam einen Rückfall und wurde erneut durch Chemotherapie behandelt. Irgendwann, als sie gerade mitten in der Behandlung steckte, sagte sie zu mir: „Ich bin bereit weiterzukämpfen, aber ich muss wissen, wer mein Gegner ist.“ In meinem Buch versuche ich diese Frage zu beantworten, indem ich zu den Ursprüngen der Krankheit zurückgehe und ihre Entwicklung im Laufe der Geschichte zeige. Ich habe es „Krebs – eine Biografie“ genannt, weil es das Porträt einer Erkrankung im Wandel der Zeiten zeichnet.

Was genau ist Krebs?

Krebs ist keine Krankheit, sondern vielmehr eine ganze Familie von Krankheiten. Diese sind auf einer elementaren biologischen Ebene miteinander verbunden. Charakteristisch ist die krankhafte Wucherung von Zellen – mitunter von Zellen, die nicht absterben, aber immer von solchen, die nicht aufhören können sich zu teilen. Dieses abnormale, unkontrollierte Zellwachstum beginnt typischerweise mit einer einzelnen Zelle, die sich immer weiter vermehrt, und da jede Generation einen kleinen Evolutionszyklus durchläuft, entwickeln sich diese Zellen immer weiter. Doch obwohl Prostatakrebs, Brustkrebs und Leukämie weitreichende Gemeinsamkeiten haben, obwohl sie auf zellulärer Ebene miteinander verbunden sind, hat jeder Krebs ein anderes Gesicht.

Haben Sie dieses Buch für ein bestimmtes Publikum geschrieben? Sollte es in erster Linie für Patienten und Laien verständlich sein?

Das Buch ist von der ersten bis zur letzten Seite für Laien verständlich, und ich nehme dieses Publikum sehr ernst. Viele Patienten und Familien wünschen sich eine umfassende Geschichte, die bis zu den Wurzeln zurückgeht und anschließend einen Ausblick in die Zukunft gibt. Dem wollte ich gerecht werden. Ich habe das Buch für Patienten und Familien geschrieben, aber auch für Wissenschaftler, Studenten und Literaturliebhaber.

(Aus dem Englischen von Stefanie Jacobs, zur Verfügung gestellt vom DuMont Buchverlag)

Inhalt

Seit über fünftausend Jahren lebt die Menschheit mit Krebs. Ebenso lange stirbt sie daran. Und doch gilt Krebs als eine »moderne« Erkrankung, weil keine andere Krankheit unsere Zeit dermaßen prägt. Bezeichnend sind die Namen, die man dem Krebs gegeben hat: »König aller Krankheiten« oder »ein Monster, unersättlicher als die Guillotine«.

In seiner perfiden Perfektion, in seiner Anpassungsfähigkeit und seiner Widerstandskraft nimmt der Krebs beinahe menschliche Züge an. Seine Geschichte gleicht einer Biografie: Es ist die Geschichte von Leid, von Forscherdrang, Ideenreichtum und Beharrlichkeit – aber auch von Hochmut, Arroganz und unzähligen Fehleinschätzungen.

Siddhartha Mukherjee widmet sich seinem Thema mit der Präzision eines Zellbiologen, mit der Kenntnis eines Historikers und mit der Passion eines Biografen. Fesselnd erzählt er von der persischen Königin Atossa, deren griechischer Sklave sie möglicherweise von ihrem Brustkrebs geheilt hat, von Erkrankten im 19. Jahrhundert, die erste Bestrahlungen und Chemotherapien über sich ergehen lassen mussten – und immer wieder von seinen eigenen Patienten.

Der König aller Krankheiten wirft einen faszinierenden Blick in die Zukunft der Krebsbehandlung und liefert eine brillante neue Perspektive auf die Art, wie Ärzte, Wissenschaftler, Philosophen und Laien den kranken – und den gesunden – Körper während Jahrtausenden begriffen haben.

Über den Autor

Siddhartha Mukherjee ist Krebsforscher und praktizierender Onkologe. Er ist Assistenzprofessor an der Columbia University und arbeitet am New York Presbyterian Hospital. Mukherjee studierte an der Stanford University, der University of Oxford, der Harvard Medical School und ist ein Rhodes Scholar. Regelmäßig veröffentlicht er Artikel in Nature, The New England Journal of Medicine, The New York Times und The New Republic. Für Krebs. Biografie einer Krankheit erhielt er 2011 den Pulitzer-Preis. Mit seiner Frau und den gemeinsamen Töchtern lebt er in New York.

Pressestimmen

„Detailreich, packend, kurzweilig.“
Stern

„Alle anderen Veröffentlichungen zu Krebs werden von diesem Buch in den Schatten gestellt.“
Fritz Pleitgen (Präsident der Deutschen Krebshilfe)

„Kraftvoll und einzigartig.“
The New York Times

„Eine außerordentliche Leistung.“
The New Yorker

„Erstaunlich wie es Mukherjee gelingt, Jahrzehnte gewissenhafter Laboruntersuchungen mit der Spannung eines Kriminalromans und der Eindringlichkeit eines Thrillers zu schildern. Er versteht es, schwierigste medizinische Konzepte in so einfache Formen zu fassen, dass sie sich so leicht verstehen lassen wie Greifspielzeuge für Babys.“
The Boston Globe

„Dieses essentielle Stück Medizinjournalismus lebt von einem beeindruckenden Gleichgewicht zwischen Empathie und Gelassenheit. Der König aller Krankheiten ist Siddhartha Mukherjees erstes Buch. Und es ist eins der besten, zugänglichsten und wichtigsten Wissenschaftsbücher, die je geschrieben wurden.“
Time

„Mit dieser dicken, fesselnden, saftigen, gelehrten und wunderbar geschriebenen Geschichte des Krebses katapultiert sich Siddhartha Mukherjee in den hohen Rang eines Autors, der Vergleiche mit Lewis Thomas und Stephen Jay Gould verdient hat. Was für eine Erzählung – voller unvorstellbarer Charaktere, therapeutischer Triumphe und Rückschläge und nahe zurückliegender historischer Begebenheiten – mit all der Hybris und all dem Pathos einer griechischen Tragödie.“
The Washington Post

„Höchst bemerkenswert. Dieses Buch verschlingt man geradezu. Mukherjee ist ein klarer und entschlossener Autor. Ein ungewöhnlich scharfsinniges Buch.“
Los Angeles Times

„Mukherjee schreibt mit erhabener Autorität.“
The Seattle Times

„Packend und kraftvoll.“
San Francisco Chronicle

9/11: Zehn Jahre nach dem 11. September 2001

Vor mittlerweile 10 Jahren – am 11. September 2001 – hielt die Welt für einen Moment den Atem an, als die Bilder des qualmenden Nordturms des World Trade Centers in New York auf so gut wie allen Fernsehbildschirmen zu sehen war. Die folgenschweren Terror-Anschläge, die unter dem Namen “Nine-Eleven” in die Geschichte eingehen sollten, forderten weit über 2.000 Todesopfer und veränderten die Welt.

Herbert Bauernebel, Und die Luft war voller AscheZum zehnten Jahrestag erscheinen in Gedenken an die folgenschweren Terroranschläge zahlreiche Neuheiten. In seinem Erinnerungsbericht Und die Luft war voller Asche zum Beispiel beschreibt Herbert Bauernnebel, wie er den Tag erlebte, der für so viele zum schicksalhaften Wendepunkt werden sollte. Nachdem er an seinem Schreibtisch den Einschlag gehört hatte, machte sich der Journalist sofort auf zum World Trade Center und war dabei, als die Zwillingstürme einstürzten. Die Gefahr, der er sich damit aussetzte, wurde ihm erst bewusst, als er kurz nach dem Einsturz des ersten Turms unter einem Lieferwagen lag, um ihn herum Trümmer und Asche. Mit seinem Erfahrungsbericht versucht er, den Leser ganz nah an die unfassbaren Geschehnisse zu bringen. Mit Wo warst Du? ist ein zweiter Band mit Erinnerungen an den 11. September 2001 und die Geschehnisse in New York erschienen, erzählt aus der Perspektive eines Ehepaares, das sich zum Zeitpunkt des Einsturzes an verschiedenen Stellen in New York aufhielt und die Katastrophe ohne Nachricht des anderen erlebte.

Jean-Michel Turpin, New York Nine ElevenEinen visuellen Eindruck von dem, was sich am „Ground Zero“ nach den Anschlägen abspielte, vermittelt Jean-Michel Turpins Bildband New York 9/11. Mit einer der ersten Maschinen, die nach der Öffnung des Luftraums von Europa aus in die USA flog, reiste der französische Fotograph nach New York und begann, Fotos vom Ort des Geschehens zu machen. Über zehn Jahre dokumentierte er das Leben in der Stadt: die gelähmte Stimmung, die Suche nach den Vermissten, die Dankbarkeit gegenüber den Helfern und die Angst vor Vergeltungskriegen. Mit Im Licht der Dunkelheit präsentiert Kate Brooks ihr fotografisches Tagebuch seit 9/11 und dokumentiert die Schönheit sowie den Schmerz des konfliktgeladenen Nahen Ostens sowie die Aufstände in dieser Region, den Eingriff der amerikanischen Truppen und deren Auswirkungen auf die Bevölkerung.

Mathias Bröckers, Christian C. Walther, 11.9. Zehn Jahre danachNeben Augenzeugenberichten und Bildbänden zum Thema 9/11 sind auch zahlreiche Sachbücher zum Hintergrund und den Folgen des 11. September neu erschienen bzw. wiederaufgelegt worden. Mit Mathias Bröker und Christian C. Walther machen sich in 11.9. – Zehn Jahre danach gleich zwei ausgewiesene Experten auf die Suche nach Ungereimtheiten, Unstimmigkeiten und Widersprüchen in der offiziellen Wahrheit. Einen ähnlichen Ansatz verfolg der Terrorismus-Experte des ZDF, Elmar Theveßen, der die Ereignisse um den 11. September 2001 immer wieder dokumentiert und kommentiert hat. In seinem frisch erschienenen Buch Nine Eleven hinterfragt er Verschwörungstheorien und Legenden und zeigt auf, welche Folgen die Terroranschläge nach sich zogen. Und Gerhard Wisnewski hat sein 2003 erschienenes, 100.000 mal verkauftes Buch „Operation 9/11“ überarbeitet und nun als Operation 9/11 – Der Wahrheit auf der Spur eine um neue Sachverständigen-Gutachten und eine Fülle von offiziellen Dokumente erweiterte Version veröffentlicht.

102 Minuten Schicksalstag 11. SeptemberDie DVD-Dokumentation 102 Minuten Schicksalstag 11. September zeigt private Aufnahmen sowie Filmmaterial von Feuerwehr, Polizei und Hafenaufsicht und vermittelt eindrücklich die Angst, Hilflosigkeit und Verzweiflung der Menschen, die hautnah dabei waren, als die Türme des World Trade Center ineinander stürzten und sich eine dicke Staubschicht über die südliche Spitze von Manhattan legte.

Art Spiegelmann, Im Schatten keiner TürmeDas Unfassbare über die Kunst fassbar zu machen, hat sich der renommierte Comic-Künstler Art Spiegelman zum Ziel gesetzt und mit Im Schatten keiner Türme eine beeindruckende Graphic Novel über den 11. September geschaffen. Nachdem das erste Flugzeug in den Nordturm einschlug, raste er panisch durch New York um seine Tochter aus der Schule zu holen, die sich direkt neben den Twin Towers befand. Gerühmt für seine ästhetische Qualität und die gesellschaftlichen Aktualität erscheint sein Werk zum 10jährigen Jahrestag von 9/11 erstmals auch auf Deutsch.

Jonathan Safran Foer, Extrem laut und unglaublich nahSchließlich sei noch auf einige Romane hingewiesen, die die Geschehnisse des 11. September zur Fiktion verarbeiten und so einen Eindruck vermitteln von dem, was die Betroffenen am Tag der Terroranschläge und in der Folgezeit erlebten. Jonathan Safran Foers brillanter Roman Extrem laut und unglaublich nah ist zwar schon im Mai 2007 auf Deutsch erschienen, gehört aber zweifellos auf jede Liste von Belletristik zum Thema 9/11. Sprachgewaltig und berührend erzählt er darin vom kleinen Oscar Blum, der seinen Vater bei den Anschlägen auf das World Trade Center verlor und sich auf eine abenteuerliche Spurensuche macht. Eine aktuelle Neuerscheinung dagegen ist das literarische Debüt des Architekten Friedrich von Borries. Sein phantastischer Architekturroman 1WTC handelt von der Entstehung eines neuen World Trade Centers am “Ground Zero” zehn Jahre nach den Anschlägen. Tobias Becker (spiegel.de) sieht in von Borries‘ Buch eins der klügsten und unterhaltsamsten zum 9/11 Jahrestag. Mit ihrem Werk Der Nine Eleven Junge bereitet Catherine Bruton das Thema zudem für Jugendliche auf und erzählt von Trauer und Verlust, von Erinnerung und Vergessen, von Familie und Freundschaft, von Vorurteilen und falschen Verdächtigungen.

In unserem Special zum 11. September 2011 haben wir für Sie weitere aktuelle Titel zum Thema 9/11, Terrorismus, Guantanamo Bay und Afghanistan & Irak zusammengestellt.

Veranstaltungstipp: Denis Scheck und Eva Gritzmann: SIE & ER im Literaturhaus Hamburg

Denis Scheck, Eva Gritzmann: Sie & Er Haben Sie sich schon jemals gefragt, ob es genetisch bedingt ist, dass Frauen im Restaurant gerne Fisch bestellen und Männer hingegen eher ein blutiges Steak? Oder warum Ihre männlichen Kollegen in der Mittagspause gerne Jagd auf Currywurst und Schnitzel machen, während die weibliche Belegschaft meist nach Gemüse und Salat greift?

Literaturkritiker Denis Scheck und Ärztin Eva Gritzmann unternehmen in ihrem Buch SIE & ER. Der kleine Unterschied beim Essen und Trinken eine ebenso unterhaltsame wie fundierte Kulturreise zum Thema “Essen und schmecken Frauen und Männer wirklich unterschiedlich?”.

Die Tour culinaire fängt in der Bibel und der Vorzeit an und hört bei Fertiggerichten und Molekularküche wieder auf und kredenzt das Ganze mit literarischen Geschmackserfahrungen. Überprüft werden dabei zum einen Statistiken, aber auch Klischees zum Thema Geschlechterdifferenz beim Essen und Trinken und dazu passend kommen auch Experten in Interviews zu Wort. Zu den Interviewpartnern gehören Ernährungswissenschaftler und Hirnforscher ebenso wie Köche, darunter Vincent Klink, Johanna Maier, Jamie Oliver und Ferran Adrià, oder die Expertin in Geschlechterfragen Alice Schwarzer. Dabei heraus kam ein vergnügliches Lesebuch über unser Essverhalten, das angereichert durch Geschmackstests den Leserinnen und Lesern auch Beispiele für die praktische Überprüfung der Thesen bietet.

Ein Abend der besonderen Art dürfte demnach die Lesung der beiden Autoren im Hamburger Literaturhaus werden, die diesen Sonntag, 8. Mai, um 20 Uhr stattfindet. Dort werden die beiden nicht nur das Beste aus ihrem Buch vortragen, sondern das Café im Literaturhaus wird auch ein Drei-Gänge-Menü dazu servieren, das allen Vorurteilen der Geschlechterdifferenz gerecht wird. An der Abendkasse müssen sich die Gäste entscheiden, ob sie das “männliche” oder das “weibliche” Menü wählen möchten. Also, nicht entegehen lassen und am besten natürlich vorher das Buch lesen! Mehr Infos und Karten für die Lesung gibt es hier:
Literaturhaus Hamburg, Schwanenwik 38, 22087 Hamburg, Telefon 040-22 70 20 11.

Neben diesem Termin gibt es die Möglichkeit die beiden Autoren auch auf dem Tübinger Bücherfest am Sonntag, 29. Mai, zu erleben.

Hier finden Sie eine Kostprobe zum Reinlesen.

Viele tolle aktuelle und appetitanregende Kochbücher finden Sie in unserem Kochbuch-Special.

Sachbücher zum aktuellen Thema Ökologie

Joachim Radkau, Die Ära der Ökologie Auch wenn Fukushima ein sehr trauriger Anlass ist, um auf aktuelle Sachbücher zum Thema Ökologie hinzuweisen, müssen wir es trotzdem tun, geht es hier doch nicht nur um die Bedrohung durch die Nuklearenergie, sondern auch um ihre Legitimation und die jetzige Entwicklung im politischen Bereich sowie um die Geschichte der Umweltbewegung. Die Neugier beim mündigen Leser ist berechtigterweise groß, mehr über diese Themen zu erfahren. Wir haben drei aktuelle Bücher für Sie:

Zunächst zur Geschichte: Joachim Radkau ist mit “Die Ära der Ökologie” ein Standardwerk über die Umweltbewegung gelungen, welches nicht nur die Geschichte in Deutschland beleuchtet, sondern einen globalen Bogen spannt.

Joachim Radkau ist Professor für Neuere Geschichte an der Universität Bielefeld u.a. mit dem Schwerpunkt Technik- und Umweltgeschichte und hat sich bereits mit einigen Publikationen zur Atomenergie und ihrer Verwicklung mit Politik und Wirtschaft einen Namen gemacht. Sein neues Buch beleuchtet nun auf fast 800 Seiten die ganze Historie der Umweltbewegung mit ihren Anfängen im 18. und 19. Jahrhundert und ihrer Entwicklung in den letzten 40 Jahren. Radkaus Verdienst liegt hierbei nicht nur im historischen Aufarbeiten einer gesellschaftlichen und politischen Entwicklung, sondern v.a. im Beleuchten der oft mythischen Legitimation der Bewegung und ihrer “Heilsfiguren” im besonderen. So rücken die spirituelle Suche und herausragenden Momente der Bewegung ebenso in den Blick wie ihre Institutionalisierung und Bürokratisierung. Nicht zuletzt ist das Ganze auch noch lesbar und lebendig geschrieben, Johannes Kaiser von Deutschlandradio Kultur meint sogar: “Fulminant. (…) Der mit Abstand beste Überblick über die weltweiten Umweltbewegungen. (…) Ein großer Wurf.”
Mehr Hintergründe zu diesem Buch und den Autor im Originalton gibt es in diesem Bericht des Deutschlandradio.

Stephanie Cooke, AtomEin wichtiges Buch, das sich eingehend mit der Atomindustrie beschäftigt, wird nun im April als Taschenbuch erscheinen. Stephanie Cookes Buch “Atom” ist eine umfassende Geschichte des Nuklearzeitalters und erklärt gleichzeitig, was Kernkraftwerke mit Atombomben zu tun haben.

Stephanie Cooke spannt den Bogen von der Hiroshima-Bombe bis Tschernobyl, von dem Versprechen einer billigen, sauberen Energie bis zu hin zum Klimaargument der “Brückentechnologie” und macht dabei deutlich, dass man Atomstrom nicht ohne Atomwaffen denken kann, war doch das Streben nach nuklearer Energie immer gleichzeitig eines nach waffenfähigem Material.

Stephanie Cooke zeigt, dass es keine Alternative zur Abschaffung der Atomenergie geben kann, wenn wir keine weiteren Katastrophen möchten. Wer gerne reinlesen möchte, findet hier eine Gratis-Leseprobe (pdf).

Jutta Ditfurth, Krieg, Atom, ArmutIm Hinblick auf die politische Zeitenwende, die nun die Landtagswahl in Baden-Württemberg eingeläutet hat mit dem ersten grünen Ministerpräsidenten in Deutschland, dürfen aber auch kritische Töne nicht fehlen, die natürlich niemand besser finden kann als die Mitgründerin und ehemalige Bundesvorsitzende der Grünen, Jutta Ditfurth. In “Krieg, Atom, Armut. Was sie reden, was sie tun: Die Grünen” rechnet sie mit ihrer ehemaligen Partei ab und beschreibt, was aus ihrer Sicht 30 Jahre nach ihrer Gründung aus den Grünen geworden ist: Eine Partei wie jede andere, gefesselt von Kapitalinteressen und den Sachzwängen des Machterhalts. Eine etwas andere Sicht auf die Partei, die nun einen Höhenflug erlebt und die Jutta Ditfurth so zusammenfasst: “Es gibt keine andere Partei, in der die Differenz zwischen ihrem Image und und der praktischen Realität ihrer Politik so groß ist”.

Diese und weitere Sachbücher zu aktuellen Themen gibt es hier.